Erhöhter Druck auf USA vor Finanzgipfel:
EU und Russland wollen Maßnahmen sehen

Große Annäherung in wirtschaftspolitischen Fragen Stärkung der Kontrollinstitutionen wird gefordert

Erhöhter Druck auf USA vor Finanzgipfel:
EU und Russland wollen Maßnahmen sehen © Bild: Justin Lane/EPA/APA

Die EU und Russland haben vor dem Weltfinanzgipfel den Druck auf die USA zu durchgreifenden Reformen erhöht. "Wir brauchen in Washington nicht nur ein Händeschütteln, wir brauchen einen Handlungsplan", sagte der russische Präsident Medwedew auf dem EU-Russland-Gipfel in Nizza.

Die Vorschläge Brüssels und Moskaus zur Reform des Finanzsystems und zur Stärkung der Aufsichtsinstitutionen gingen "teilweise ineinander", sagte Medwedew. Der französische Staatschef und EU-Ratspräsident Sarkozy lobte in Nizza "die große Qualität" der russischen Positionen. Diese seien den am vergangenen Freitag von der EU vereinbarten Vorschlägen nahe. "Wir sind noch nicht aus der Krise heraus, wir müssen das System dauerhaft und strukturell ändern", erklärte Sarkozy.

Keine neues "Bretton Woods"
Zwar werde man in Washington "noch kein neues Bretton Woods beschließen, aber Schritte in diese Richtung machen", sagte Kreml-Chef Medwedew mit Blick auf die damalige Gründung von IWF und Weltbank. "Wir sollten uns bald wieder treffen." An einer Reform der Finanzinstitutionen komme man nicht vorbei.

UNO-Generalsekretär Ban aqppellierte indes an die Teilnehmer des Weltfinanzgipfels, die Finanzkrise nicht zu einer "menschlichen Tragödie" auswachsen zu lassen. Wenn Hunderte von Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt verlören und ihre Zukunftshoffnungen einbüßten, würde das Ausmaß der Krise über die Wirtschaft hinausgehen, schrieb er an die Gipfelteilnehmer.

Gipfel in Washington
US-Präsident Bush hat Vertreter der 20 größten Industriestaaten und wichtigsten Schwellenländer zu Beratungen am Wochenende nach Washington eingeladen. Ban wies darauf hin, dass mehr als 170 Länder dort nicht vertreten seien. Er werde versuchen, ihnen bei dem Gipfeltreffen eine Stimme zu verleihen.

Das Treffen der Staats- und Regierungschefs beginnt am Freitagabend. Bei der zweitägigen Konferenz sollen die Ursachen der Finanzkrise analysiert und Prinzipien für eine Reform aufgestellt werden. Die Finanzminister sollen damit beauftragt werden, bis Ende März nächsten Jahres konkrete Vorschläge zu erarbeiten, über die dann auf einem zweiten Gipfeltreffen beraten wird. Die "Gruppe der 20" repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung und fast 90 Prozent der Weltwirtschaftskraft.
(apa/red)