Erhöhter diplomatischer Druck auf Iran:
UN-Vetomächte planen neue Resolution

Russland zweifelt am Nutzen weiterer Sanktionen USA dementieren geplanten Militärschlag gegen Iran

Die Forderung nach einem Anreicherungsstopp sei "illegal und illegitim", sagte Mottaki. "Der Iran ist bereit zu zeigen und Garantien dafür zu geben, dass sein Programm nicht für Atomwaffen zweckentfremdet wird", betonte er. Der iranische Vizepräsident Parwis Dawudi berichtete indes von Fortschritten bei der umstrittenen Uran-Anreicherung. Der Iran habe bereits das technische Wissen für einen Anreicherungsgrad von 3,5 Prozent erreicht, sagte Dawudi. Ziel seien fünf Prozent, um über einen eigenen nuklearen Brennstoffkreislauf zu verfügen und Energie erzeugen zu können. Für den Bau von Atombomben ist 90-prozentiges Uran erforderlich.

UNO-Vetomächte weiter für diplomatische Lösung
Die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland streben weiter eine Verhandlungslösung im Atomstreit an, teilte Gastgeber Großbritannien am Montagabend nach einem Treffen von Spitzendiplomaten der sechs Staaten in London mit. Vor allem die USA hatten vor dem Treffen eine Verschärfung der Sanktionen gefordert. Eine Frist des UNO-Sicherheitsrates, innerhalb derer der Iran seine Aktivitäten zur Uran-Anreicherung hätte aussetzen sollen, ist vorige Woche verstrichen.

Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy sagte mit Blick auf die Londoner Gesprächsrunde, die Chancen seien "groß, dass wir uns alle zusammen - Russen, Chinesen, Amerikaner, Briten und Franzosen - schnell auf eine zweite Resolution mit Wirtschaftssanktionen einigen können". Blair warnte Teheran vor einer Beibehaltung seines starren Kurses. Die Regierung in Teheran verkalkuliere sich gravierend, wenn sie den UNO-Forderungen nicht nachkomme, sagte er vor Journalisten in London. Das chinesische Außenministerium betonte jedoch, friedliche Verhandlungen und diplomatische Mittel seien der Schlüssel zur Lösung der Krise.

Die Spekulationen über einen möglichen Militärschlag des Westens gegen den Iran hielten indes weiter an. Blair und Douste-Blazy wiesen entsprechende Gerüchte klar zurück. Der russische Außenminister Sergej Lawrow äußerte sich jedoch beunruhigt über einen möglichen Militärschlag gegen den Iran. Er bezog sich auf Äußerungen von US-Vizepräsident Dick Cheney, der bei einem Besuch in Australien die Möglichkeit eines Angriffs auf den Iran nicht ausgeschlossen habe.

Iranischer Botschafter droht mit Gegenschlag
Der iranische Botschafter in Russland, Gholamreza Ansari, stellte eine energische Antwort seines Landes auf einen Angriff in Aussicht. "Wir werden auch das Gebiet für so eine Antwort nicht begrenzen, es kann überall sein", sagte er am Rande einer Konferenz in Moskau. "Wenn die Amerikaner etwas Verrücktes tun und den Iran angreifen, bin ich sicher, dass das iranische Volk eine sehr lehrreiche Lektion erteilen wird."

Das amerikanische Magazin "New Yorker" hatte berichtet, dass im US-Verteidigungsministerium ein Planungsstab für mögliche Angriffe auf den Iran eingerichtet wurde. Die US-Regierung bezeichnete den Bericht als "Hirngespinst". Der iranische Ex-Präsident Hashemi Rafsanjani verglich die USA mit einem "verletzten Tiger", dessen Gefahr für das Land nicht vernachlässigt werden dürfe.

(apa/red)