Erhöhte Terror-Gefahr in Deutschland: Hinweise auf Anschläge verdichten sich

Angst vor Selbstmordanschlägen wird immer größer Pakistan: Verdächtige trainieren in Ausbildungslagern

Die deutsche Regierung geht von einer erhöhten Gefahr durch Selbstmordanschläge nun auch in Deutschland aus. Die terroristischen Strukturen in Pakistan und Afghanistan seien wieder erstarkt, und es gebe Hinweise auf Verbindungen nach Deutschland, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Christian Sachs. "Es gibt Verbindungen in den afghanisch-pakistanischen Raum, es gibt deutsche Verbindungen dorthin und wieder zurück und deshalb eine gewisse Gefährdungslage in Richtung Deutschland", sagte Sachs. Auch Deutsche in Afghanistan seien verstärkt gefährdet.

Offenbar im gleichen Zusammenhang wurde nahe der afghanischen Hauptstadt Kabul nach Angaben des Auswärtigen Amtes ein deutscher Konvoi angegriffen. Es sei niemand verletzt worden. Die deutschen Behörden nähmen die Situation sehr ernst und hätten ihre Wachsamkeit erhöht, sagte Sachs. Das Auswärtige Amt lehnte die Preisgabe von Details zu dem Angriff, etwa zur Frage, ob es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe, ab.

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg betonte, es gebe derzeit keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung. Es bestehe kein Anlass für die Bevölkerung, sich nicht normal zu verhalten. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, verwies darauf, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Afghanistan bereits auf höchstem Stand seien. Die Lage dort sei nicht ruhig und nicht stabil. Erst Ende Mai waren drei deutsche Soldaten bei einem Selbstmordanschlag in Kunduz getötet worden.

Einzelheiten über den Angriff auf einen Konvoi der deutschen Botschaft bei Kabul nannte das Auswärtige Amt nicht. Bei der Attacke sei ein Fahrzeug zerstört worden, erklärte Sprecher Jens Plötner lediglich. Der Konvoi habe unter anderem Hilfsgüter für ein afghanisches Krankenhaus transportiert.

Mehrere Medien berichteten offenbar unter Berufung auf ein Hintergrundgespräch des Innenministeriums, der Bundesregierung lägen Erkenntnisse vor über zehn bis zwölf Personen aus Deutschland, die sich in Terrorlagern in Afghanistan und Pakistan ausbilden ließen. Drei von ihnen seien kürzlich in Pakistan vor der Heimreise festgenommen worden, zwei von ihnen seien als gefährlich eingestuft worden. Plötner bestätigte lediglich, es gebe Hinweise auf Festnahmen.

Einer der drei in Pakistan unter Terrorverdacht festgenommenen Deutschen soll in der Vergangenheit Zugang zur Kernforschungsanlage in Karlsruhe gehabt haben. Der 45-Jährige soll für eine Ingenieursfirma gearbeitet haben. Dadurch habe er auch Zutritt zum Institut für Transurane im Umfeld des Forschungsreaktors Karlsruhe gehabt. Der Mann sei seit dem Jahr 2001 als "Gefährder" eingestuft worden und habe in Germersheim am Rhein gelebt.

Der eingebürgerte Deutsche mit Migrationshintergrund wurde laut dem Bericht am 18. Juni von der pakistanischen Polizei festgenommen, als er auf dem Rückweg nach Deutschland war. Die Pakistanis werfen ihm demnach vor, Kontakt zur Terrororganisation Al-Kaida zu haben und in einem Trainingscamp an Sprengstoffen ausgebildet worden zu sein. Eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Innenministeriums in Mainz konnte zu dem Bericht auf Anfrage nicht Stellung nehmen.

Medienberichten zufolge wurde dem US-Sender ABC ein Video zugespielt, das gezielte Drohungen gegen Deutschland enthalte. Eine Analyse der US-Geheimdienste gehe davon aus, dass es sich um potenzielle Einzeltäter handele, feste Strukturen bestünden nicht. Dagegen sei in Afghanistan mit organisierten Attacken auf Deutsche zu rechnen. Derzeit sind rund 3000 deutsche Soldaten als Teil der NATO-Friedenstruppe ISAF in Afghanistan im Einsatz.

(apa/red)