Ergebnis der Nationalratswahlen: Experten sehen Bestrafungsaktion statt Rechtsruck

Zugewinn der Rechtsparteien als Denkzettel gedacht Kleinparteien scheiterten an Personalisierungs-Mangel

Ergebnis der Nationalratswahlen: Experten sehen Bestrafungsaktion statt Rechtsruck © Bild: APA/Leodolter

Mehr einen Denkzettel als einen Rechtsruck sehen Experten im Ergebnis der Nationalratswahl 2008. Die starken Zugewinne der Rechtsparteien seien nur bedingt mit der Anti-Ausländerpolitik zu erklären, so die vorherrschende Analyse von Meinungsforschern in der Paul Lazarsfeld Gesellschaft. Die steigende Popularität von nationalen Themen bei Wählern sei kein österreichisches Phänomen.

"Ganz überwiegend eine Bestrafungsaktion", sieht der geschäftsführende Obmann der Paul Lazarsfeld Gesellschaft Heinz Kienzl im Wahlergebnis. Von einer "Protestwahl" gegen die Regierung, bei der man die Gefahr wachsender Rechtsparteien "gerne in Kauf" genommen habe, sprach Sozialforscher Marc Bittner. Eine "perfekte Mischung" aus "leichtem Rechtsruck" und Protestwählern sieht Kommunikationswissenschafter Peter Vitouch.

Scheitern der Kleinparteien
Unterschiedliche Erklärungsansätze gab es für die Tatsache, dass keine der anderen Kleinparteien die Protestwähler so anziehen konnten, wie die Rechtsparteien. So fehle bei diesen teilweise die Personalisierung, erläuterte Vitouch. Pfarrhofer glaubt, FPÖ und BZÖ seien für eine Denkzettelwahl geeigneter gewesen als die Grünen, da deren Spitzenkandidat Alexander Van der Bellen ein zu staatstragendes Image vermittelt habe. Pitters hob hervor, dass die FPÖ im Gegensatz zu den anderen stark auf Face-to-Face-Kontakte im Wahlkampf gesetzt habe, was offensichtlich gewirkt habe. (apa/red)