Ergebnis der Chaos-Wahl: Yar'Adua von Kommission zu Sieger in Nigeria erklärt

55-Jähriger von Ex-Präsident Obasanjo unterstützt Blutiger Urnengang: 200 Tote bei heftigen Gefechten

Ergebnis der Chaos-Wahl: Yar'Adua von Kommission zu Sieger in Nigeria erklärt

Bei der Präsidentschaftswahl in Nigeria hat Umaru Yar'Adua von der regierenden Demokratischen Volkspartei (PDP) den Sieg errungen. Das teilte die Wahlkommission in der Hauptstadt Abuja mit. Der 55-jährige vom scheidenden Präsidenten Olusegun Obasanjo unterstützte Kandidat erhielt demnach 24,6 Millionen Stimmen, knapp viermal so viel wie der Zweitplatzierte. In Zusammenhang mit der Wahl starben nach EU-Beobachter-Angaben binnen einer Woche mindestens 200 Menschen.

Einheimische Wahlbeobachter und die Opposition forderten eine Annullierung der Abstimmung vom Samstag, die auch von der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten scharf kritisiert wurde. Obasanjo bedauerte Gewalt und Unregelmäßigkeiten, die den Urnengang überschatteten.

24,6 Millionen Stimmen für Yar'Adua
Yar'Adua erhielt offiziellen Angaben zufolge 24,6 Millionen Stimmen, gefolgt von dem ehemaligen Militärherrscher Muhammadu Buhari von der All Nigeria Peoples Party (ANPP) mit 6,6 Millionen und dem Kandidaten des Action Congress (AC), Vizepräsident Atiku Abubakar, mit 2,6 Millionen Stimmen. Yar'Adua ist Gouverneur des nördlichen Bundesstaats Katsina und hat sich die Bekämpfung der weit verbreiteten Korruption in Nigeria auf die Fahnen geschrieben.

Die größte Organisation einheimischer Wahlbeobachter, TMG, stellte nach eigenen Angaben im ganzen Land "zahlreiche Fehler, Unregelmäßigkeiten und Fahrlässigkeiten" im Zusammenhang mit dem Urnengang fest. Die Organisation, die rund 50.000 Beobachter im Einsatz hatte, lehne die Wahl daher ab und fordere, dass sie für nichtig erklärt werde, sagte der TMG-Vorsitzende Innocent Chukwuma. Die beiden Oppositionsparteien AC und ANPP lehnten die Ergebnisse ebenfalls ab und kündigten an, deshalb vor Gericht zu ziehen. Sie warfen der Wahlkommission Betrug vor und teilten mit, in den meisten Teilen Nigerias hätten "keine Wahlen stattgefunden".

Internationale Kritik: "Wahlfälschungen"
Auch die Europäische Union kritisierte, dass nicht einmal die internationalen Mindeststandards eingehalten worden seien. Die jüngsten Wahlen in Nigeria - auch die Gouverneurswahlen vom 14. April - könnten nicht als "glaubhaft" eingestuft werden, erklärte der Leiter der europäischen Beobachter, Max van den Berg. Die USA kritisierten, die Wahl sei von Unregelmäßigkeiten geprägt gewesen. US-Außenamtssprecher Sean McCormack sprach in Washington von "Wahlfälschungen".

In einer überraschenden Ansprache an das Volk räumte Staatschef Obasanjo Verzögerungen bei der Stimmabgabe, Gewalt und Betrug ein. "Es ist mein inniger Wunsch, dass die Nigerianer diese Erfahrung als einen notwendigen Schritt auf unserem Weg als Volk zur Festigung unserer Demokratie betrachten", sagte Obasanjo. In vier Jahren werde es eine neue Chance auf eine Wahl ohne Fehlverhalten geben. (apa/red)