Deutschland von

Erfolg für deutschen Altkanzler Kohl

Rechtsstreit mit Ex-Biograf: Gericht verbietet Veröffentlichung von Zitaten

Der deutsche Altkanzler Helmut Kohl © Bild: MICHAEL KAPPELER/APA/EPA/picturedesk.com

Der ehemalige Ghostwriter von Helmut Kohl darf einen Großteil der Zitate des deutschen Altbundeskanzlers nicht mehr in seinem zum Bestseller gewordenen Buch veröffentlichen. Das hat das Landgericht Köln am Donnerstag entschieden. Damit folgten die Richter in weiten Teilen einem Antrag des früheren Regierungschefs (1982-1998) auf eine Einstweilige Verfügung. Kohl wollte 115 Zitate verbieten lassen.

Das strittige Buch "Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle" beruht zum Teil auf Tonbändern, die der deutsche Altkanzler 2001 und 2002 für seine Memoiren besprochen hatte. Darin äußert er sich teils drastisch über andere Politiker. Kohls damaliger Ghostwriter Heribert Schwan hatte diese Zitate nun eigenmächtig veröffentlicht - und damit einen Verkaufsschlager gelandet. Von dem am 8. Oktober erschienenen Buch sind nach Verlagsangaben bereits 200.000 Exemplare ausgeliefert.

"Verstoß gegen die Vertraulichkeit"

Die Richter sahen darin allerdings einen "rechtswidrigen Verstoß gegen die Vertraulichkeit". Schwan sei als Kohls Ghostwriter zur Verschwiegenheit verpflichtet gewesen. Die Entscheidung darüber, was aus den Gesprächen veröffentlicht werden durfte, wäre allein dem Ex-Politiker zugestanden.

Der Heyne-Verlag darf den Bestseller, der die Zitate enthält, nach der Entscheidung der Richter nun nicht mehr ausliefern. Bücher, die bereits in den Buchgeschäften liegen, sind von der Entscheidung allerdings nicht betroffen. Sie dürfen weiterhin verkauft werden. Der Verlag hatte schon zuvor angekündigt, das Urteil anzufechten.

Schadenersatzforderungen angekündigt

Kohls Anwalt Thomas Hermes kündigte zudem Schadenersatzforderungen an. Das Buch werde die Verfahrensgegner noch "sehr, sehr teuer zu stehen kommen", sagte er.

Ursprünglich hatte Kohl versucht, das ganze 256 Seiten dicke Buch verbieten zu lassen. Doch damit war er vor dem Landgericht und dem Oberlandesgericht in Köln gescheitert.

Auch nach dem Streit um das Buch stehen weitere gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Schwan und dem deutschen Altkanzler bevor. Kohl fordert von seinem ehemaligen Ghostwriter die Herausgabe aller Abschriften und Kopien der Tonbänder mit Interviews aus den Jahren 2001 und 2002.

Kommentare