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Erdogan-Anhänger
stehen fest zu ihrem Idol

Für seine Fans repräsentiert Erdogan das Goldene Zeitalter der Türkei

Für seine Anhänger kann Präsident Recep Tayyip Erdogan gar nicht genug Macht haben. "Die Türkei erlebt ihr Goldenes Zeitalter, wir sind zu allem bereit, um Tayyip Erdogan zu unterstützen", sagt Recep Tugcu in Istanbul bei einer Massenkundgebung Erdogans für die Einführung seines Präsidialsystems. Der 32-Jährige will Ja stimmen, um dem starken Mann vom Bosporus noch mehr Macht zu geben.

Während die Opposition vor einer Erosion der Demokratie und einem Abgleiten des Landes in die Autokratie warnt, sollte bei dem Referendum am Sonntag eine Mehrheit für die umstrittene Verfassungsänderung votieren, stehen Erdogans Anhänger fest zu ihm. Zu Zehntausenden kamen sie vor wenigen Tagen zu der Großkundgebung in Yenikapi am Ufer des Marmara-Meers, um ihrem Idol zu huldigen.

"Ich danke dem Himmel und seinen Eltern, unserem Land eine solche Persönlichkeit gegeben zu haben", sagt Nazimet Ciloglu. "Wir werden alles für unseren Chef tun, Gott schütze ihn." Auf die Frage, warum sie die Reform befürworten, wiederholen Erdogans Anhänger die Argumente der Regierung: Ein Ende instabiler Koalitionen, eine Stärkung der Gewaltenteilung und eine bessere Kontrolle des Präsidenten.

Vor allem aber wollen sie denjenigen stärken, der seit 2003 wie kein anderer Politiker seit Republikgründer Atatürk die Türkei verändert hat. In seiner Regierungszeit hat sich das Bruttosozialprodukt verdreifacht, und auch seine Gegner bestreiten nicht, dass sich das Leben der Türken durch den Ausbau der Infrastruktur, des Bildungswesens und des Gesundheitssystems deutlich verbessert hat.

Auch wenn sich das Wachstum zuletzt verlangsamt hat, Inflation und Arbeitslosigkeit gestiegen sind und der Verfall der Währung Besorgnis auslöst, überwiegen für Erdogans Anhänger weiter klar die positiven Aspekte. "Die alte Türkei vor dem Amtsantritt Erdogans, das waren dreckstarrende Krankenhäuser mit Blutflecken auf den Laken und Spritzen auf dem Boden", erinnert sich die frühere Lehrerin Hatice. "Man kam kranker raus, als man hineingegangen war", sagt die 64-Jährige bei einem Gespräch im konservativen Istanbuler Stadtteil Üsküdar.

Angesichts dieser Verbesserungen zählen für sie die Beschneidung der Pressefreiheit und die Verfolgung von Regierungskritikern nicht. "Die Europäer gehen uns auf die Nerven mit ihrem 'Diktator Erdogan'", erregt sie sich. "Wir brauchen Europa nicht."

Auch Tugcu glaubt weiter fest an Erdogan. "Vor dem Amtsantritt der AKP war die Türkei ein Land der Dritten Welt. Es ist Erdogan, der dieses Land aufgebaut hat, mit Straßen, Brücken und Tunneln. Die westliche Welt beneidet uns darum." Ihm gefällt auch, dass Erdogan nach Jahrzehnten unter einer säkularen, westlich orientierten Elite den frommen Muslimen eine Stimme gegeben hat.

"Ich danke Gott, dass Erdogan seine fünf Gebete am Tag verrichtet", sagt Tugcu. Zwar gibt es unter AKP-Wählern angesichts der starken Polarisierung der Politik und der autoritären Tendenzen durchaus Zweifel, dass eine weitere Stärkung Erdogans dem Land dient, doch für Tugcu gibt es keine Alternative zum "Reis" (Chef): "Wenn nicht für ihn, für wen sollen wir dann stimmen?"

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