Erdbeben in Italien von

Tausende weiter in Notunterkünften

Die Region Emilia Romagna wird weiter von Nachbeben erschüttert

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    Neuerliches Erdbeben in Norditalien.

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    Bereits Tage zuvor bebte die Erde in der Region Emilia-Romagna.

Nach dem schweren Erdbeben in Norditalien haben Tausende Menschen auch die Nacht auf Dienstag in Notunterkünften oder bei Freunden und Verwandten verbracht. Erneut wurde die Region Emilia Romagna von Nachbeben erschüttert. Heftige Regenfälle erschwerten de Situation.

Der italienische Premier Mario Monti besucht am Dienstag die Gemeinde Sant'Agostino nahe Ferrara. Dort waren am Sonntag drei Arbeiter beim Einsturz einer Fabrik ums Leben gekommen. Der Politiker wird auch in der Gemeinde Finale Emilia, Epizentrum des Erdbebens, erwartet. Monti plant für Dienstag eine Ministerratsitzung, bei der der Notstand ausgerufen wird. Damit sollen Gelder für den Wiederaufbau locker gemacht werden. Wegen der Einsparungen infolge der Schuldenkrise sei jedoch mit wenig Hilfe seitens des Staates zu rechnen, verlautete es in Regierungskreisen.

Durch das Beben der Stärke 6,0 am Sonntag kurz nach 4.00 Uhr früh kamen mindestens sieben Menschen ums Leben, 50 Personen wurden verletzt. An vielen historischen Gebäuden entstanden schwere Schäden. Nach ersten Schätzungen wurden mindestens 5.000 Menschen obdachlos. Besonders betroffen waren die Provinzen Modena, Ferrara, Bologna und Mantua.

Monti besucht Opfer
Der italienische Premier Monti hat die Gemeinde Sant'Agostino nahe Ferrara besucht. Dort waren am Sonntag drei Arbeiter beim Einsturz einer Fabrik ums Leben gekommen. In der Nacht auf Dienstag wurden weitere 22 Nachbeben gemeldet.

Der Regierungschef kam gemeinsam mit Italiens Zivilschutzchef Franco Gabrielli mit Angehörigen der Opfer zusammen. Monti kündigte an, dass der Ministerrat am Dienstag für die Region Emilia Romagna den Notstand ausrufen werde. Damit sollen Gelder für den Wiederaufbau locker gemacht werden. "Wir müssen der Gegend helfen, so rasch wie möglich wieder ihre wirtschaftlichen Aktivitäten aufzunehmen", sagte Monti. Rund 5.000 Menschen sind obdachlos und mussten die Nacht in Notunterkünften verbringen.

Schwere Schäden in Lebensmittelproduktion
Das Erdbeben hat das Herz von Italiens Lebensmittelproduktion schwer in Mitleidenschaft gezogen. In den betroffenen Provinzen Ferrara, Modena und Bologna konzentriert sich ein Großteil der Herstellung. Auf 200 Millionen Euro beziffert der Landwirtschaftsverband Coldiretti die Schäden allein im Agrar- und Lebensmittelbereich. Lager- und Treibhäuser, Ställe und Fabriken wurden beschädigt. Schweine und Kühe sind unter den Trümmern ihrer Ställe gestorben. Wegen des Erdbebens seien 5.000 Jobs in Landwirtschaft und Industrie gefährdet, warnte der Gewerkschaftsverband CGIL.

Folgenschwer war der Erdstoß auch für die Parmesan-Käsereien der Region. Nach Branchenangaben wurden mehrere Lagerhäuser und über 300.000 Laibe der beliebten Hartkäsesorten Parmigiano Reggiano und Grana Padano zerstört, das sind zehn Prozent der gesamten Produktion. Der Schaden belaufe sich einer ersten Schätzung zufolge auf insgesamt 250 Millionen Euro, teilte der Chef des Konsortiums für den Schutz von Grana Padano, Stefano Berni, mit.

Erdbeben auch in Bulgarien
Auch Bulgarien wurde von einem heftigen Erdbeben erschüttert. Das Epizentrum lag nur 25 Kilometer vor Sofia. Opfer soll es dort allerdings keine gegeben haben. Immerhin 5,6 bis 5,8 soll die Stärke auf der Richterskala betragen haben.