Erbitterter Dreikampf im letzten F1-Rennen:
Hamilton, Alonso und Raikkönen wollen Titel

McLaren-Newcomer hat beste Chancen in Brasilien Alonso angriffslustig. Räikkönen zu Sieg verdammt

Erbitterter Dreikampf im letzten F1-Rennen:
Hamilton, Alonso und Raikkönen wollen Titel

Sie hätten es auch einfacher haben können. WM-Leader Lewis Hamilton und sein Formel-1-Team McLaren-Mercedes haben sich im vorletzten Saisonrennen in China mit einem von Reifenproblemen heraufbeschworenen Ausfall um ein entspanntes Finale gebracht. Nun kommt es in Brasilien zum mit Spannung erwarteten Dreikampf um den WM-Titel. Neben Hamilton (107 Punkte) und dessen Teamkollegen Alonso (103) hat auch Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen (100) noch Chancen.

Die besten Karten freilich hat immer noch Hamilton. Der Engländer wäre nicht nur der jüngste Weltmeister, sondern auch der erste Rookie, der sich die Krone aufsetzt. Die Superlative für den 22-Jährigen sind der Sportpresse längst ausgegangen - nicht nur in Großbritannien. Hamilton gereicht Platz zwei zum Titel. Sollte das Supertalent zwischen den Plätzen drei und fünf landen, wäre er immer noch Weltmeister, wenn Titelverteidiger Alonso in Interlagos/Sao Paulo nicht gewinnt.

Hamilton: "Ich will es gewinnen"
Von einer Sicherheits-Taktik will Hamilton aber nicht sprechen. "Ich gehe in dieses Rennen wie in jedes andere. Ich will es gewinnen", versicherte der Jungstar, der ebenso wie Alonso bei vier Saisonsiegen hält. Räikkönen hat sogar einen mehr eingefahren. Mit sieben Punkten Rückstand dürfte aber nur noch ein sechster Triumph die theoretischen Chancen des Finnen am Leben erhalten. "Mehr kann ich nicht tun. Wer die WM gewinnt, hängt von den McLaren ab", bestätigte Räikkönen.

Ein Doppelausfall wäre der absolute Alptraum für die Silberpfeile, die im bisherigen Saisonverlauf mit großer Standfestigkeit brilliert haben. Alonso und Hamilton waren jeweils nur einmal ausgefallen - in den vergangenen beiden Rennen in Japan bzw. China, wo Hamilton vor zwei Wochen den ersten Matchball vergeben hatte. "Ich bin aber immer noch in einer guten Position", betonte Hamilton. "Ich habe sehr viel Selbstvertrauen. Mental bin ich noch stärker als in China."

Zu einer Nervenschlacht könnte das Qualifying im aufgrund eines neuen Asphalts womöglich etwas schnelleren Autodromo Jose Carlos Pace werden. Sechsmal ist Hamilton in seiner Debütsaison bereits auf die Pole Position gefahren - öfter als jeder andere Pilot in der laufenden Saison. Alonso und Räikkönen dagegen starteten nur zwei- bzw. dreimal von ganz vorne. Eine nicht unerhebliche Rolle könnte auch Räikkönen-Teamkollege Felipe Massa spielen, dessen Ferrari-Vertrag erst neulich bis 2010 verlängert worden war.

McLaren lässt Alonso ziehen
Dadurch ist auch ein möglicher Alonso-Wechsel zu Ferrari endgültig vom Tisch. Stattdessen verdichten sich die Anzeichen auf eine Rückkehr des Spaniers zu Renault immer mehr. Trotz eines bis 2009 laufenden Vertrages will Mercedes, mit 40 Prozent der Anteile Haupteigentümer von McLaren, den noch amtierenden Weltmeister ziehen lassen - und das sogar ablösefrei. Von einem entsprechenden Beschluss des Mercedes-Konzerns in Stuttgart berichtete die spanische Sportzeitung "Marca".

Trio Infernale schenkt sich nichts...
Vorerst steht aber der finale WM-Showdown im Mittelpunkt. Erstmals seit 1986, als der führende Engländer Nigel Mansell seine Hoffnungen nach einem Reifenplatzer in Adelaide begraben und dem Franzosen Alain Prost den Vortritt lassen musste, kämpft beim Finale noch ein Trio um den Titel. Der Dreikampf hat bereits begonnen, als die drei Protagonisten zur offiziellen Pressekonferenz in Sao Paulo aufmarschierten. Gemeinsam haben sie nur wenig - außer ein Ziel.

...oder vielleicht doch?
Die beiden McLaren-Stallrivalen sind vor dem mit Spannung erwarteten WM-Finale jedoch demonstrativ auf Friedenskurs gegangen. "Wir haben niemals Probleme miteinander gehabt. Wir hatten von Beginn an ein gutes Verhältnis", betonte Titelverteidiger Alonso in der offiziellen Pressekonferenz in Interlagos/Sao Paulo.

Sein Teamkollege Hamilton stimmte dem Spanier drei Tage vor dem entscheidenden Grand Prix von Brasilien zu: "Die Beziehung ist jetzt so gut wie sie immer war." Der 22-jährige Engländer führt in der WM-Wertung vier Punkte vor Alonso. Beide Piloten bestätigten, dass die Rechenspiele um den Titel in der mentalen Vorbereitung auf das Finale eine große Rolle spielen würden. (apa/red)