Erbe von Bruno: Droht seinen Geschwistern das gleiche Schicksal wie unserem "JJ1"?

Mutter Jurka bringt all ihren Kindern Fehlverhalten bei Bären-Mami verlor schon früh Scheu vor Menschen

Braunbär "Bruno" war nach Expertenansicht sehr schnell tot. Bei einem Lungen- und Leberschuss verblute ein Tier in Sekundenschnelle, sagte Prof. Hans-Georg Liebich, Vorstand des Instituts für Tieranatomie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Der Kreislauf breche zusammen. Wenn außerdem - wie die vom bayerischen Umweltministerium veröffentlichte Obduktion ergab - die Lunge kollabiere, könne das Tier nicht mehr atmen. "Er hat sicherlich nicht gelitten."

Edith Ritter sitzt vor einem Teller mit Rostbratwürsten und Sauerkraut. Die resolute Geschäftsführerin des "Gasthofs zur Post" im bayerischen Schliersee, die von allen nur respektvoll "Chefin" gerufen wird, ist mit ihren Nerven am Ende.

Seit Stunden schon steht ihr Gasthof im Mittelpunkt des europäischen Medieninteresses. Denn hier fand die Pressekonferenz zum Abschuss von "JJ1" alias Bruno statt. "Es ist unglaublich", sagt die Mittfünfzigerin mit einem Blick über ihre dicken Brillen, "aber seither läutet andauernd das Telefon." Der Grund jedoch sind nicht Zimmerbestellungen. Viele der Anrufer, die sich als Tierschützer ausgeben, drohen mit Mord. "Wir gehen jetzt einfach nicht mehr ans Telefon heute", resigniert die an sich so wackere Bayerin.

Zwei Tische weiter befindet sich der Stammtisch der Schlierseer im traditionsreichen Gasthof. Dort diskutieren die Einheimischen über das, was in der Nacht von Sonntag auf Montag um 4.50 Uhr passiert ist. Auch die alten Stammtischspezis finden keine Lösung. Während der eine sagt, der tödliche Schuss auf "JJ1" war notwendig, weil er früher oder später einen Menschen getötet hätte, meint sein Gegenüber genau das Gegenteil: Nämlich dass der Problembär kein solcher war, sondern nur die Menschen mit dem Wildtier Probleme gehabt hätten.

"JJ1" - vulgo Bruno - war knapp zwei Jahre alt, als er erlegt wurde. Sein kurzes Leben führte er ganz nach Art der Familie. Problembeladen. 2004 brachte ihn die 90-Kilo-Bärin "Jurka" im italienischen Trentino zur Welt. Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm: Viel zu oft suchte Frau Mama die Nähe von menschlichen Siedlungen, verlor jegliche bären-typische Scheu. Von den Anfangsbuchstaben der Namen der Mutter und des Vaters Joze rührt auch Brunos offizieller Name: "JJ" - die Eins deutet darauf hin, dass er der Erste im Wurf war. Kurz nach ihm gebar Jurka seinen Zwillingsbruder "JJ2", der in der Schweiz als "Lumpaz" längst gleichermaßen berühmt wie berüchtigt ist.

Die Bäreneltern, die heute achtjährige Jurka und der zwölfjährige Joze, wurden aus Slowenien, wo sich eine natürliche Bärenpopulation von einigen hundert Tieren gehalten hat, in Italien angesiedelt. Im Rahmen des EU-Wiederansiedelungsprojekts "LIFE" versuchte man zwischen 1999 und 2002 im Adamella-Brento-Naturpark durch insgesamt zehn Bären den Genpool der wenigen dortigen Tiere aufzufrischen. Jurka kam 2001, Joze 2000. Der slowenische Bär ist übrigens Vater sämtlicher Bärenjungen im Trentino seit seiner Ankunft und dürfte somit auch die drei jüngsten Sprosse Jurkas gezeugt haben: Im April dieses Jahres wurden die drei jüngsten Bärenkinder Jurkas zum ersten Mal gesichtet. Bewahrheitet sich seine Vaterschaft, wachsen in Italien gerade "JJ3", "JJ4" und "JJ5" heran.

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