Er hat "mich nicht psychisch geformt":
Natascha über ihr Martyrium und ihr Buch

"Eine normale Tür hätte vielleicht auch gereicht" Entführer Priklopil heißt in Autobiografie nur "Täter"

Er hat "mich nicht psychisch geformt":
Natascha über ihr Martyrium und ihr Buch © Bild: APA/EPA/Brandt

Acht lange Jahre gefangen - Natascha Kampusch hat ihre schrecklichen Erlebnisse niedergeschrieben, weil sie endlich mit der ganzen Geschichte abschließen will. Im Interview mit Miriam Bandar von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) spricht die junge Frau über die Zeit in Gefangenschaft, ihr Buch "3096 Tage" und ihren Entführer Wolfgang Priklopil:

Frau Kampusch, warum haben Sie dieses Buch geschrieben?
Kampusch: "Ich wollte mit der ganzen Geschichte abschließen. Ich wollte auch, dass sich gewisse Menschen, die sich dafür interessieren, etwas haben, woran sie sich orientieren können. Dass die nicht immer das glauben, was Verschwörungstheoretiker verbreiten. Dass sie eine authentische Schilderung dessen haben, was passiert ist."

Was wird denn aus Ihrer Sicht häufig falsch dargestellt?
Kampusch: "In dem Buch kommt ja auch meine Kindheit vor. Viele kritisieren meine Mutter, aber die sehen meine Mutter ganz falsch. In dem Buch wird ihnen erklärt, wie das Verhältnis zu meiner Mutter ist. Danach ist es eben nicht mehr verbreitbar, dass sie mich beispielsweise geschlagen hat oder dass sie total brutal gewesen ist. Und das mit der Gefangenschaft wollte ich auch einmal sagen. Ich wollte einfach, dass es mal von meiner Seite eine längere Aussage gibt. Etwas, das für sich steht. Ich wollte auch die Leute, die mich kennen, nicht belasten, indem ich ihnen Einzelheiten erzähle. Die können das Buch nehmen und lesen und genau an der Stelle, an der sie es nicht mehr verkraften, können sie das Buch zuklappen."

Gab es etwas, dass Sie mit dem Buch geraderücken wollten?
Kampusch: "Ganz am Anfang wurde alles immer in verschiedene Richtungen ausgelegt, die alle irgendwie eher extrem waren. Ich wollte zeigen, dass der Täter ein Mensch ist und dass Leiden und schlimme Zeiten nicht überzeichnet werden müssen. Dass dieses Gefängnis ja auch innen ist und es reicht, wenn man ein zehn-, elf-, zwölfjähriges Mädchen in einen Keller einsperrt. Dass es sich nicht wehren kann oder irgendwelche Fluchtpläne schmieden kann, wenn es da in diesem Keller ist. Es hätte vielleicht sogar gereicht, wenn es eine ganz normale Tür gewesen wäre."

Wie stark sind er und die Zeit damals noch für Sie präsent?
Kampusch: "Gott sei Dank nicht mehr so, die Nachwirkungen aber schon noch ein bisschen. Ich habe nach und nach bemerkt, dass ich eigentlich viel vielseitiger und flexibler bin als er. Ich bin umfassend interessiert am Leben, an den Menschen, an Kulturen und an unterschiedlichen Lebensformen. Der Täter - jetzt sag ich der Täter - ja eben - also, dass der sehr konservativ war und versucht hat, mir so ein einseitiges, eigentlich recht naives, komisches, seltsames, radikales Weltbild aufs Auge zu drücken. Je mehr ich wieder ich selbst werde - die, die ich auch vorher als Kind war - entferne ich mich davon. Er hat mich irgendwie nicht psychisch geformt oder beeinträchtigt - er hat mich nur während der Zeit dort beeinträchtigt. Aber jetzt ist es wieder in Ordnung. Ja."

Das heißt, je mehr Sie wieder Sie selbst werden, desto größer wird die Distanz zu ihm?
Kampusch: "Ja genau, weil er wie ein Fremder ist. Er hat ja versucht, mir irgendwie was aufzusetzen und das lasse ich jetzt nach und nach hinter mir und es fällt ab. Das ist wie so ein Cape, das runter fällt und da drunter bin dann ich. Und das ist so, als wäre ich in der Zeit, in der ich eingesperrt war, dazu gezwungen worden, eine Rolle zu spielen und ein anderer Mensch zu sein."

Wie genau ist denn das Buch entstanden?
Kampusch: "Am Anfang dachte ich, ich könnte das Buch selbst schreiben. Aber dann hatte ich so eine Blockade, weil das einfach nicht aus mir raus wollte. Ich wollte es nicht zusätzlich selbst noch aufschreiben und dann vor mir auf dem Papier sehen. Die Methode, es jemand anderem zu erzählen, war einfacher. Ich wusste am Anfang auch nicht, wie ich das alles bewerten sollte, damit es andere Menschen auch nachvollziehen können. Weil es ist ja doch sehr, sehr (...) es sind ja erst ein paar Jahr vergangen, seit ich wieder da bin und (...) ja, es war wirklich schwierig. Wenn ich einen Roman hätte schreiben sollen, hätte ich das schon viel leichter tun können - aber eine echte Geschichte, die noch dazu mir passiert ist? Ja - ich brauchte jemanden, der objektiv ist."

Wie sah dann die tägliche Arbeit mit der Ghostwriterin aus?
Kampusch: "Es war nicht so einfach. Wir haben uns oft zusammengesetzt, und es ist oft so ein betretenes Schweigen aufgekommen. Es gab auch dazwischen Tage, wo beide einfach so fertig waren von der ganzen Geschichte, dass wir Abstand gebraucht haben. Sowohl zueinander als auch zu dem Thema."

Hat Ihnen die Arbeit am Buch geholfen, die Zeit in Gefangenschaft zu verarbeiten?
Kampusch: "Ja, es hat schon geholfen. Wir brauchten wie gesagt immer diese Pausen, weil durch das Nochmal-Erzählen so viele Aspekte aufgekommen sind, die ich verdrängt hatte oder die ich nicht bedacht hatte. Mir ist das Ganze noch mal so entgegengesprungen. Als wäre die Geschichte jemand anderem passiert. Vorher, als ich sie irgendwo da oben (tippt sich an den Kopf, Anm.) gut verstaut oder ich weiß nicht wo hatte, konnte ich mir einreden, dass das alles doch nicht so schlimm war. Und ich hatte ja alles gut überstanden. Aber als ich das dann gelesen habe, ist mir klar geworden, wie schrecklich das eigentlich war. Mir hat die Person, der das passiert ist, dann so leidgetan. Ich tue mir aber eigentlich nicht leid - das war wie eine Rückkoppelung."

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews: Woher Natascha die Stärke nahm ihr Martyrium zu überstehen!

Kommentare

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ES REICHT! Für jemanden, der von den Medien in Ruhe gelassen
werden will, schmeißt sich die Kampusch aber nun
ordentlich ins Zeug um noch mehr Profit aus ihrem
"Schicksal" zu schlagen;)

Das Schicksal der "Fritzl Tochter" war wesentlich
schlimmer und da wird zum Glück nicht so ein
Medienspektakel daraus gemacht. Die Kampusch
muss wirklich abartig und pervers sein, wenn sie
sich so extrem in Szene setzt und daraus noch
jede Menge Geld macht.

Was wurde eigentlich aus dem Fond, den sie damals
gegründet hat? Da wurden doch in ihrem Namen gleich
Gelder für "wahre Opfer" gesammelt? Darüber wird nun
aber nicht mehr berichtet? Oder war das ein privater
Fond für die eigene "Geschichte"?

Nachdem der Priklopil tot ist, kann die erzählen was
sie will, weil sie die einzige "Zeugin" der story ist!

freud0815 melden

Re: ES REICHT! sehr sympathisch finde ich die junge frau nicht, aber fakt ist wohl, dass der Typ sie entführt und eingesperrt hatte.
soll sie mit ihrer geschichte geld verdienen und sich so materielle *gerechtigkeit* holen. es gibt millionen menschen die seelenschmerz mit irgendwelchen einkäufen lindern, sich drogen hingeben oder sonst irgendwelchen süchten verfallen. vielleicht braucht sie nach der langen isolation das gefühl im blickpunkt zu stehen.
jeder geht mit sowas anders um-die fritzl opfer ziehen sich lieber zurück, wobei man den gravierenden unterschied des sexuellen missbrauchs nicht vergessen darf. missbrauchsopfer schämen sich meist und wollen sich verstecken, zumindest so etwas blieb der frau kampusch erspart.

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Re: ES REICHT! Vasant:

Du kannst doch nicht so schlimme Schicksale vergleichen und urteilen, welches schlimmer ist! Das ist doch kein Kriterium dafür, ob er seine Geschichte publik machen darf oder nicht!

Wenn du bspsweise an Pakistanische Flutopfer spenden würdest, würdest du ja wohl auch nicht darauf bestehen, dass Hilfe nur der bekommt, der zumindest seinen Ehepartner und ein Kind durch die Katastrophe verloren hat oder?

Es geht im Prinzip keinen was an, wie sie ihre Geschichte aufarbeitet! Wers nicht wissen will, muss es auch nicht lesen.

nizofa melden

Wann kommt .... ... endlich die Kampuschfreie Zeit???
Keiner glaubt ihr, keiner kann sie mehr sehen, keiner kann sie mehr hören und trotzdem taucht sie immer wieder in den diversesten Medien auf.

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Re: Wann kommt .... Da stimme ich dir absolut zu! Langsam sollte man sie
wegen psychischer Belästigung der Öffentlichkeit klagen;)

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Re: Wann kommt .... Wir schreiben das Jahr 2013. Natascha K. erklärt sich freiwillig bereit, für weitere 5 Jahre in den Keller zurückzukehren, um eine möglichst authentische Basis für ihr zweites Buch zu schaffen.

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Mei bitte, es reicht !!!!!!
Sie kriegt eh noch ihren Spielfilm!

diewilde melden

Hör mal zu du komisches Burli... ...wenn du nie traumatische Erlebnisse hattest, sei doch froh!! Niemand kann nachvollziehen was Fr. K. alles erlebte und wenn sie ein Buch und noch andre Dinge braucht um es aufzuarbeiten, muß man ihr das lassen!

Sie wurde um soviele Jahre betrogen, und nun will man ihr wieder sagen was sie zu tun uns zu lassen hat! Hört doch auf... es zwingt euch keiner diese Artikel zu lesen!

Musician melden

Re: Mei bitte, jep die wilde hat vollkommen recht.. man sollte sowas nicht lesen um sich danach aufzuregen. Wenn du Ferdiburli so angespannt bist, dass du dich dann über einen Zeitungsartikel der im grunde keinen Zündstoff für agressionen liefert, aufregst, solltest du vielleicht boxen gehn, oder etwas tun das dich ausgeglichener macht ;).

is nur gut gemeint, aber jeder soll machen wie er glaubt.

Viennese melden

Re: Mei bitte, @die wilde: Irgendwas dürfte mit Ihnen nicht stimmen! Entweder glauben Sie den ganzen Schmus oder sie sind hoffnungslos eine der " Goldenes Blatt" Leserinnen.Ich hatte heutefrüh ein bezeichnendes Erlebnis in einer Trafik. 4 Damen unterhielten sich über Kampusch. keine einzige hatte ein gutes Wort. Eine sagte: " die war doch mit im Spiel". Eiine zweite : "Wo ist denn das ganze Spendengeld"?
Die dritte sagte und sprach mir damit voll aus dem Herz:Die macht soviel Trara, die sollte sich ein beispiel nehmen an einem noch viel schlimmmeren Fall, nämlich den Fall Fritzl. Da hört man nichts. Es ist doch ermüdend immer wieder zu hören, "Ich will ja meine Privatsphäre haben" und schon erscheint ein neues Interview. Wie gesagt das waren Frauen, mit Ihren Meinungen!!!

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@ diewilde Und keiner der traumatische Erlebnisse hatte macht dann
so ein Spektakel daraus bzw. schlägt Millionen Profit aus
einem schrecklichen Schicksal ... angeblich schrecklichem
Schicksal;)

Ich seh keine Menschen (Opfer) die Millionen durch ihr
Schicksal von z.B. dem 11. September machen!? Und
da waren wohl wesentlich mehr Schicksale und Leben
zerstört worden, als die Ski fahrende Kampusch uns
da umbindet.

Meine Meinung .... die is schon lange kein Opfer mehr,
sondern sie und ihre "Medienberater" verdienen sich
dumm und deppert, während viele wahre Opfer jeden
Tag um Hilfe, Betreuung und Unterstützung betteln
müßen. So schauts aus!

Keiner wird gezwungen den Müll zu lesen, aber man
kann den Leuten nicht alltäglich den Müll umbinden
und dann keine Reaktion erwarten!

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Re: Mei bitte, dem sch... Heftl fällt mix mehr ein, wohl die Verkaufszahlen im A..... Zuerst Arigona monatelang,jetzt wieder Kampusch

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Re: Mei bitte, @diewilde: sie schreiben, dass Natascha betrogen wurde..... mag sein - jetzt betrügt sie uns alle!

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