"Er hatte eine unglaubliche Integrität": Reaktionen zum Tod des Autors Simmel

Vielseitiger Schriftsteller mit großer Bekanntheit

Als "vielseitigen Autor, der unter seiner eindimensionalen Bekanntheit gelitten hat", würdigte Gerhard Ruiss, Autor und Geschäftsführer der IG Autorinnen und Autoren, gegenüber der APA den gestern, Donnerstag, verstorbenen österreichischen Schriftsteller Johannes Mario Simmel. Er sei "Zeit seines Lebens auf der richtigen Seite gestanden und hatte eine unglaubliche Integrität", so Ruiss, der Simmel als "aufrechten Demokraten und Gegner aller totalitären Systeme, besonders der Nationalsozialisten" beschreibt.

Simmel sei in vielen "sozialen, demokratischen und humanitären Belangen engagiert" gewesen, zudem sei er "wohl auch der erste österreichische Bestseller-Autor" gewesen. "Er war ein Vorläufer vieler ihm dann Folgender", so Ruiss, "der jedoch immer unter dem Geruch gestanden hat, dass der Erfolg auf Kosten der Qualität seiner literarischen Fähigkeiten gegangen ist". Simmel sei eine "enorme literarische Begabung gewesen, der seine Literatur zeitbedingt in den Geist der Nachfrage gestellt" habe. Seine humanitäre Qualität sei auch in seinen Romanen zu finden gewesen, er haben den humanen Gestus transportiert.

"Hat sich Breite erobert"
Im Gegensatz etwa zu Kollegen wie Heinz Günther Konsalik, der "immer Vorurteilsmuster bedient und auf Breite geschielt" habe, habe Simmel "sich die Breite erobert". In seinen Gesellschaftsromanen habe er Aufklärungsarbeit geleistet, Simmel sei "der erste im deutschsprachigen Raum gewesen, der Sex und Crime etabliert hat", so Ruiss. Sein Roman "Es muß nicht immer Kaviar sein" sei ein "raffiniertes Kompendium aus Spionage und einem Kriminalroman mit kulinarischen Elementen". Wenn man sich die heutige Kriminalliteratur anschaue, sei Simmel ein Vorläufer von heute hoch geschätzten Autoren dieses Genres gewesen. "Heute würde man niemandem vorwerfen, dass er 'Tatorte' schreibt", so Ruiss.

In Kollegenkreisen sei Simmel "zunehmend geschätzt" worden, habe aber mit dem ökonomischen Erfolg das Gefühl gehabt, wenig Anerkennung in der österreichischen Gemeinde zu bekommen. Eine späte Würdigung hatte Simmel mit der Aktion "Eine Stadt. Ein Buch" erfahren, "da ist vom offiziellen Wien seine literarische Qualität wiederentdeckt worden", so Ruiss. Dennoch sei Simmel ein "Wirtschaftsflüchtling" gewesen, "wie alle Autoren, die Erfolg haben wollten. Die mussten damals aus Österreich weg".

"Jede Begegnung mit ihm war deshalb ein Erlebnis, weil er für jemanden, der diese Geltung hatte, diesen Stellenwert, ein bescheidener Mensch geblieben ist", so Ruiss. "Wenn man ihn erreicht hat, hat er sich nie entzogen, er hat sich immer solidarisiert." Simmel habe zum Schluss sehr zurückgezogen gelebt, der Kontakt sei in den letzten Jahren dünner geworden. "Er war jemand zum lieben, man konnte ihn schlicht gern haben."
(apa/red)