"Entweder Flöttl oder ich lügen": BAWAG-Schlagabtausch Elsner-Flöttl geht weiter

Flöttl verpfändete Besitz nach Verlusten an BAWAG Streit um Wert des Flöttl-Vermögens & Bermuda-Loch"

Die Konsequenzen aus den verlustreichen Yen-Spekulationsgeschäften von Wolfgang Flöttl im Herbst 1998, die "Informationspolitik" der Bank und die Übertragung des gesamten Flöttl-Vermögens auf die BAWAG standen im Mittelpunkt des heutigen zwölften Tages im BAWAG-Prozesses im Wiener Landesgericht.

Der verbale Schlagabtausch zwischen den Hauptangeklagten, Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner und dem Investmentbanker Wolfgang Flöttl, gewann heute weiter an Schärfe. "Das ist totaler Blödsinn, das stimmt nicht", konterte Elsner heute auf Aussagen von Flöttl, er habe trotz seines Wissens über die Verluste das Weiterführen der Geschäfte angeordnet.

Auf Flöttls Behauptung, Elsner habe ihn damals unter Druck gesetzt, um nach dem Totalverlust von 639 Mio. Dollar (468 Mio. Euro) BAWAG-Gelder Flöttls Vermögen an die BAWAG zu übertragen, entgegnete Elsner: "Welches Druckmittel hätt' ich haben sollen, wenn ich der Schuldige bin? Wenn ich ihm mit einer Anzeige drohe, ist das doch so, als ob ich einen Sprenggürtel um den Leib habe und mich selbst in die Luft sprenge. Eines ist klar, entweder Flöttl oder ich sage die Unwahrheit, das ist logisch".

Als Bedingung für die Herausgabe seiner Vermögenswerte habe Flöttl damals neue Mittel verlangt, damit er weiterarbeiten könne, "dass er bei der Rückkehr in New York an der Börse zeigen kann, dass es ihn gibt". Die BAWAG hatte Flöttl schließlich 250 Mio. Dollar für eine Yen-Option und 80 Mio. Dollar für einen Betriebsmittelkredit zur Verfügung gestellt. Auch dieses Geld ging verloren.

Bei der BAWAG-Vorstandssitzung am 26. Oktober 1998 beschloss der Vorstand - mit der einzigen Gegenstimme von Christian Büttner - die Geschäfte mit neuen Mitteln fortzuführen. Man habe auch die Möglichkeit einer Strafanzeige erwogen. Aber: "Hätten wir geklagt, hätten wir die verschiedensten Firmen klagen müssen", so Elsner heute.

Flöttl habe angeboten, sein privates Vermögen - Liegenschaften und Bilder - der Bank zu überlassen. Seine Bedingung dafür sei gewesen, Flöttl "am Leben zu lassen" (in wirtschaftlicher Hinsicht; Anm.). Im Rahmen eines Gesamtpakets sei vereinbart worden, dass der Schadensfall nicht bekanntgemacht würde. "Andernfalls hätte es einen Skandal gegeben, der nicht nur den Eigentümern schadet, sondern einen 'Run' auf die Bank auslöst", so Elsner - das heißt, Anleger hätten begonnen, massiv ihre Einlagen aus BAWAG-Filialen abzuziehen.

Richterin Claudia Bandion-Ortner fragte Elsner, wieso er damals der Meinung war, dass das Flöttlsche Vermögen und seine Firma genügten, um den erlittenen Verlust zu kompensieren. Den Wert der Flöttl-Firma von 200 bis 400 Mio. Dollar habe er durch einen Vergleich mit einem ähnlichen, gleich großen Investmenthaus mit ebenfalls über 100 Mitarbeitern ermittelt, das damals von der Chase Manhatten Bank gekauft worden sei, so Elsner.

Elsner wollte nicht den gesamten BAWAG-Aufsichtsrat informieren, "sonst wäre das am nächsten Tag in der Zeitung gestanden". Der Aufsichtsrat sei in engem Kontakt mit der Öffentlichkeit gestanden, "das hätte die Existenz der Bank gefährdet". Der 46-Prozent-Eigentümer Bayerische Landesbank wurde nicht informiert, weil sich die Bayern sonst die Mehrheit an der BAWAG gesichert hätten.

Er persönlich hätte bei einer Information der Öffentlichkeit nichts zu befürchten gehabt, so Elsner: "Wir waren für den Schaden nicht verantwortlich. Niemand hätte mir - oder meinen Vorstandskollegen - einen Vorwurf machen können. Ich war damals 43 Jahre in der Bank und 63 Jahre alt, ich hätte in Pension gehen können, mit vollen Bezügen".

Die Übertragung des Privatvermögens von Flöttl bestätigt ein in Paris von Elsner, Flöttl und Peter Nakowitz unterfertigtes und rückdatiertes "Settlement der USD-Sondergeschäfte". Zudem wurde vereinbart, dass die Vermögensübertragung auch dann erfolgen soll, "wenn Flöttl nicht mehr lebt". Der selbst herzkranke Elsner meinte dazu heute: "Er hätte ja einen Herzinfarkt haben können oder es hätte ihm ein Ziegel auf den Kopf fallen können".

Aufregung entstand dann im Gerichtssaal um die Liegenschaft von Flöttl auf Bermuda: Die BAWAG konnte darauf nicht zugreifen, Flöttl hatte sie aber laut Vereinbarung an die BAWAG übertragen. BAWAG-Privatbeteiligtenvertreter Wolfgang Brandstetter wollte von Flöttl wissen, wieso er diese Liegenschaft zwar der BAWAG als Kompensation für die 1998 erlittenen Verluste vertraglich übertragen habe, das Grundstück jedoch behielt: "Mich interessiert dieses Bermudaloch, in dem die Liegenschaft verschwunden ist". Flöttl entgegnete, laut Bermuda-Recht konnte er die Liegenschaft nicht an eine juristische Person übertragen. Im Vorjahr hatte er das Grundstück in bester Lage um 20 Mio. Dollar verkauft, die BAWAG sah nichts vom Verkaufserlös.

(apa/red)