"Entschuldung oder Abgang": Direktor vom Wiener Volkstheater im NEWS über Schulden

Schottenberg: 'Dann wird Theater zusammenkrachen'

Michael Schottenberg, Direktor des Wiener Volkstheaters, beklagt in einem Interview für die aktuelle NEWS-Ausgabe eine Schuldenlast von etwa 900.000 Euro, die ihm von seiner Vorgängerin hinterlassen worden wäre und über die man ihn nicht informiert habe. Den Fall der Nichtentschuldung durch die Subventionsgeber bezeichnet Schottenberg als sein Demissionsszenario: "Wenn ich die 900.000 Euro nicht bekomme, sehe ich keine Möglichkeit mehr. Dann wird das Theater zusammenkrachen. Dann müssen die, die es verantworten können, ein Schwimmbad daraus machen. Das ist günstiger."

Im konkreten wird derzeit eine Drittellösung zwischen Volkstheater, Stadt und Bund angestrebt. Schottenberg: "Die Stadt ist gewillt, zu zahlen, aber nur, wenn der Bund auch mit im Boot ist. Das alte Spiel. Jetzt liegt der Ball also beim Bund. In der vorigen Direktion wurden alle Reserven aufgelöst. Soll ich denn Menschen entlassen, um zu sparen? Ich denke nicht daran! ich wurde doch nicht als Sanierer engagiert! Es bleibt mir also nichts übrig, als mich und die anderen auf das Schamloseste auszubeuten (...)

Ich kann mir keine Musiker mehr leisten, nicht einmal mehr genug Komparsen, keine teuren Bühnenbilder, und die Schauspieler, die im Vergleich zu den beiden anderen Wiener Bühnen um ein Schandgeld spielen, muss ich ständig noch weiter hinunterhandeln. Die Subvention wurde seit dem Jahr 2000 nicht valorisiert. Das macht ca. eine weitere Million, die uns nie ausgeglichen wurde. Trotzdem: Man verlangt von uns gleich bleibende Leistung. Und man wirft uns vor, dass wir 1000 Plätze nicht füllen können! Das Haus ist krankgespart und muss, von den 900.000 Euro einmal abgesehen, auf eine neue, großzügigere Basis gestellt werden."

Schottenberg räumt im NEWS-Interview Auslastungsprobleme ein. Vor allem die Produktion "Weiningers Nacht" habe das Haus auf unter 60 Prozent gebracht. Dafür seien Übernahmen mit leichterer Thematik aus den zu 140 Prozent ausgelasteten Außenbezirken ausverkauft. "Vielleicht haben wir das Unterhaltungsbedürfnis des Publikums unterschätzt und zuviele Themenstücke angesetzt. Darauf wird zu achten sein. Ich bin glücklich, dass ich meinen politischen Ansatz habe, und ich werde ihn nie aufgeben. Dennoch: Im nächsten Jahr kommen ,hellere’ Stücke, lustvollere, die das sehr berechtigte Unterhaltungsbedürfnis unserer Besucher befriedigen."

Der Nebenschauplatz Hundsturm wird quasi geschlossen: "Der Spielbetrieb wird eingestellt, es bleiben punktuelle Ereignisse mit neuen Texten und riskanten Wortmeldungen. Eine neue Marke braucht Zeit und Geld, und wenn ich beides nicht habe, ziehe ich die Konsequenzen."

Lesen Sie die ganze Story im aktuellen NEWS!