Entscheidung um Eriksson-Nachfolge ist gefallen: McClaren wird neuer England-Coach

45-Jähriger: "Bin der stolzeste Mann in ganz England" Middlesbrough-Trainer war bereits Eriksson-Assistent

England den Engländern. In Steve McClaren ist im Hauptquartier des englischen Fußball-Verbandes (FA) in London nach dem Schweden Sven-Göran Eriksson wieder ein Engländer als Teamchef der Nationalmannschaft präsentiert worden. Der bisherige Trainer des Erstligisten Middlesbrough löst Eriksson, der von mehreren Affären zum Rücktritt gezwungen worden war, nach der WM-Endrunde in Deutschland ab.

McClaren ist bereits seit Oktober 2000 als Assistent beim englischen Team engagiert. "Ich bin der stolzeste Mann in ganz England", verriet der 45-Jährige nach seiner Bestellung. "Ich habe im Fußball schon viele schöne Momente erlebt, aber das ist einfach der größte." McClaren ist seit 2001 bei Middlesbrough engagiert, hat den Klub des zur Zeit verletzten österreichischen Teamverteidigers Emanuel Pogatetz unter anderem ins UEFA-Cup-Finale gegen den FC Sevilla geführt.

Der Vertrag des langjährigen "Mannes aus der zweiten Reihe" tritt erst am 1. August und damit nach der WM von 9. Juni bis 9. Juli in Kraft. Er gilt für vier Jahre - bis zur WM 2010 in Südafrika. "Das ist die größte Ehre für einen Coach und ganz klar das Highlight meiner Karriere", sagte McClaren, der sich voll des Lobes für seinen derzeit noch vorgesetzten Vorgänger zeigte: "Sven hat einen fantastischen Job gemacht, ich habe in den vergangenen fünf Jahren sehr viel von ihm gelernt."

Eriksson hatte das Traineramt im Juli 2001 als Nachfolger von Kevin Keegan und als erster Nicht-Brite überhaupt angetreten. Einen dementsprechend schweren Stand hatte der Schwede bei Medien und Fans. Die fehlende Reputation und eine Affäre mit einem als Scheich vekleideten Journalisten, gegenüber dem er Team-Interna ausplauderte, ließen den öffentlichen Druck zu groß werden. Erikssons ursprünglich bis 2008 befristeter Vertrag wird nach der WM aufgelöst.

"Ich habe immer gesagt, dass er (McClaren) immer einen extrem guten Job für uns gemacht hat", erinnerte Eriksson. Erster Nachfolge-Kandidat war McClaren allerdings nicht. Erst nachdem Portugal-Teamchef und Wunschkandidat Luiz Felipe Scolari der FA in der Vorwoche abgesagt hatte, ging alles sehr schnell. Als der Middlesbrough-Coach, der am Vortag seinen 45. Geburtstag begangen hatte, in der FA-Zentrale eintraf, war bereits alles klar.

Eine Visitenkarte an großen Erfolgen hat McClaren freilich nicht vorzuweisen. Als Cheftrainer steht lediglich ein Ligacup-Triumph mit Middlesbrough im Jahr 2004 zu Buche. Mit England sollen laut Ansicht des neuen Teamchefs weit größere Erfolge folgen. "England ist reif für einen großen Titel. Unsere Zukunft sieht sehr, sehr rosig aus", versicherte McClaren, der das Mutterland des Fußballs auch zur EURO 2008 nach Österreich und in die Schweiz führen dürfte. Als Assistent von Alex Ferguson war McClaren 1999 bereits am historischen "Triple" (Champions League, Meisterschaft, FA-Cup) von Manchester United beteiligt. (apa)