Entführungsfall Dugard in den USA: Erinnerungen an Kampusch und Fritzl

Kampusch entführt und in Verlies gesperrt Josef Fritzl hielt Tochter in Keller gefangen

Entführungsfall Dugard in den USA: Erinnerungen an Kampusch und Fritzl © Bild: APA/Leodolter

Die 1984 in Amstetten eingesperrte 18-Jährige musste bis 2008 in einem eigens gebauten Verlies leben, wurde unzählige Male geschlagen und vergewaltigt. Im ersten dreiviertel Jahr ihrer Gefangenschaft wurde die Tochter von ihrem Vater Josef F. laut Anklage mit einer Eisenkette bewegungsunfähig gemacht, die er ihr um den Bauch schlang und mit einem Vorhängeschloss an einem Eisenpfosten fixierte. Das Mädchen musste in weiterer Folge in einem 18,64 Quadratmeter großen, fensterlosen Kellerraum leben.

Unmenschliche Bedingungen im Verlies
Dort gab es keine Frischluft, kein Warmwasser, keine Heizung, aber eine motorbetriebene, mehrfach gesicherte Tür zum Verlies, zudem eine absperrbare Brandschutztüre und einen speziell gesicherten Schleuseneingang. Zur Bestrafung hatte Josef F. die Stromzufuhr unterbrochen, so dass in dem Verlies tagelang völlige Dunkelheit herrschte. Der Vater hinderte die Gefangenen auch mit der Drohung, er habe Gas- und Sprengfallen installiert, an der Flucht.

Eines der in der Gefangenschaft geborenen Kinder starb kurz nach der Geburt. Josef F. verbrannte die Leiche des Buben in einem Heizofen. Zwei Brüder des toten Babys und ein Mädchen wuchsen im Keller auf. Drei weitere Kinder verschaffte Josef F. zu seiner restlichen Familie in die oberen Stockwerken des Hauses. Als Ausrede fingierte er, dass seine mittlerweile 42-jährige Tochter einer Sekte verfallen sei und die Kinder aus Verzweiflung vor dem Elternhaus ausgesetzt habe. Bittbriefe dazu ließ er die Tochter in der Gefangenschaft schreiben.

Aufgeflogen war der Fall im April 2008, als die mittlerweile 19-jährige schwer kranke Tochter der Gefangenen von Josef F. aus dem Verlies gelassen und in ein Spital gebracht wurde. In den folgenden Tagen starteten Medienaufrufe an die Mutter, die sich melden sollte, um der Tochter das Leben zu retten. Die Gefangene sah dies im Fernsehen und brachte ihren Vater dazu, sie ins Krankenhaus zu bringen. Dort wurden sie von der Polizei abgefangen. In einem spektakulären Prozess im Landesgericht St. Pölten wurde Josef F. wegen Mordes durch Unterlassung, Sklavenhandel, Freiheitsentziehung, Vergewaltigung, Blutschande und schwerer Nötigung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er verbüßt seine Strafe in der Vollzugsanstalt Stein.

Kriminalfall Kampusch
Nur zwei Jahre zuvor wurde in Niederösterreich - diesmal in Strasshof - ein weiterer spektakulärer Kriminalfall aufgedeckt. Die mittlerweile 18-jährige Natascha Kampusch, die als Zehnjährige am 2. März 1998 entführt worden war, tauchte am 23. August 2006 bei einer Nachbarin auf und bat um Hilfe. Die Schülerin verschwand am Weg von der elterliche Wohnung am Rennbahnweg zu ihrer Volksschule Brioschiweg. Eine Mitschülerin beobachtete, wie sie von dem Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil in einen weißen Bus mit Gänserndorfer Kennzeichen gezerrt wurde.

Der Mann brachte das Mädchen in sein Haus in Strasshof und sperrte es in ein winziges Kellerverlies unter der Garage, in dem Kampusch oft längere Zeit ohne Nahrung und Tageslicht ausharren musste. Priklopil schüchterte sein Opfer damit ein, dass er behauptete, es gebe elektronische Absicherungen. Das Verlies lag so versteckt, dass die Polizei es bei Durchsuchungen kaum gefunden hätte.

Kampusch durfte sich mit der fortdauernden Gefangenschaft immer wieder außerhalb des Verlieses aufhalten und Zeit in Priklopils Haus verbringen oder mit ihm Ausflüge unternehmen. 2006 schlich sie sich in einem günstigen Augenblick aus dem Garten ihres Entführer in der Heinestraße 60: Priklopil telefonierte einige Meter entfernt, während Kampusch in seinem Wagen staubsaugte. Die 18-Jährige ließ das Gerät laufen und lief weg. Der Kidnapper flüchtete daraufhin mit seinem Wagen vor der Polizei und warf sich wenige Stunden später in Wien vor einen Zug.

(apa/red)