Entführter BBC-Reporter wieder frei: Brite vor 4 Monaten im Gaza-Streifen verschleppt

Freilassung im Zuge eines Gefangenenaustausches Alan Johnston: "Ich bin okay - soweit es eben geht"

Entführter BBC-Reporter wieder frei: Brite vor 4 Monaten im Gaza-Streifen verschleppt

Nach fast vier Monaten in Gefangenschaft ist der von einer radikalen palästinensischen Splittergruppe namens "Armee des Islam" entführte britische Reporter Alan Johnston wieder frei. Nach seiner Freilassung wurde er in das Haus des entmachteten palästinensischen Ministerpräsident Ismail Haniyeh im Gaza-Streifen gebracht. Bevor er das Haus des Hamas-Politikers betrat, sagte er einem Reporter: "Ich bin okay, wirklich". Allerdings wirkte der 45-Jährige blass und angeschlagen.

Der Freilassung war ein Gefangenenaustausch der Hamas mit der "Armee des Islam" vorangegangen, in derer Gewalt sich Johnston befunden hatte. Der Reporter war am 12. März in Gaza verschleppt worden.

Die Freilassung des Briten war zunächst von der radikalen palästinensischen Hamas-Organisation bekannt gegeben worden. Sie hatte sich für dessen Freilassung eingesetzt und im Gaza-Streifen den Sprecher der Splittergruppe festgenommen. Die "Armee des Islams" wollte mit Johnston palästinensische Extremisten freipressen. Offenbar wollte sich die Hamas mit ihrem Engagement für Johnston im Westen in ein besseres Licht rücken. Nach Angaben eines Unterhändlers hat die Hamas den Entführern Straffreiheit zugesichert.

Es war die bisher längste Entführung eines ausländischen Reporters im Gaza-Streifen. Der BBC-Bürochef von Jerusalem, Simon Wilson, zeigte sich nach der Freilassung erleichtert. Er berichtete, in einem Telefonat habe Johnston müde geklungen und sich bei allen bedankt, die sich für seine Freilassung eingesetzt hätten.

In einem daraufhin durchgeführten BBC-Telefoninterview sagte Johnston: "Ich denke, ich bin o.k. (...) Es war ein außergewöhnlich hohes Maß an Stress und psychologischem Druck für eine lange, lange Zeit (...) Ich fühle mich so gut, wie es eben geht. (...) Es ist einfach die großartigste Sache, frei zu sein." Die Gefangenschaft sei zeitweise furchterregend gewesen, fügte er hinzu.

Der Politbüro-Chef der Hamas, Khaled Mashaal, begrüßte die Neuigkeiten und sagte, die Freilassung Johnstons sei ein Beweis dafür, dass die Hamas nach ihrer Machtübernahme im vergangenen Monat für Ordnung im Gaza-Streifen sorgen könne. Nach palästinensischen Angaben ist eine gemeinsame Pressekonferenz von Haniyeh und Johnston geplant, bevor der Journalist die Heimreise antritt.

(apa/red)