Entführer und gefangene Ägypten-Urlauber:
Von sudanesischen Einsatzkräften umzingelt

Befreiungsaktion laut Deutschland noch nicht geplant Reiseveranstalter kritisieren ägyptische Regierung

Entführer und gefangene Ägypten-Urlauber:
Von sudanesischen Einsatzkräften umzingelt

Sicherheitskräfte im Sudan haben die Entführer der Ägypten-Urlauber umzingelt, um sie an einer Flucht in die Bürgerkriegsprovinz Darfur zu hindern. Ali Yussif, ein Sprecher des Außenministeriums in Khartum, sagte, die Sicherheitskräfte hätten den etwa 25 Kilometer von der ägyptischen Grenze entfernten Ort abgeriegelt. Dort sollen die Kidnapper die 19 Teilnehmer der Wüstensafari - fünf Deutsche, fünf Italiener, eine Rumänin und acht Ägypter - festhalten. Außerdem habe man alle Straßen gesperrt, die von der Grenzregion in die im Süden angrenzende Provinz Darfur führen.

Nach Angaben der deutschen Bundesregierung zeichnet sich derzeit noch keine Lösung ab. Es gebe keinen neuen Sachstand, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Der stellvertretende Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke, sagte in Berlin, der Krisenstab arbeite rund um die Uhr. "Wir tun alles, damit es in diesem Fall zu einer raschen Lösung kommt." Einzelheiten könne er aber im Interesse der Entführten nicht nennen.

Die Entführungsopfer sollen angeblich bei guter Gesundheit sein. Ein ägyptischer Behördensprecher sagte der staatlichen Nachrichtenagentur MENA, bisher habe ihnen niemand etwas angetan. In arabischen Medienberichten hieß es am Mittwoch, die Entführer stammten entweder aus Ägypten, dem Sudan, dem Tschad oder aus Dschibuti. Aus mehreren kleineren Dörfern am Rande der Wüste im Südwesten Ägyptens wurden unterdessen Razzien gemeldet.

In Khartum betonte Ministeriumssprecher Ali Yussif: "Wenn es ihnen gelingt, die Geiseln nach Darfur zu bringen, dann haben wir eine größere Krise vor uns." Eine Befreiungsaktion sei in Absprache mit den Regierungen der Herkunftsländer der Entführten aber nicht geplant. Man wolle die Geiseln nicht in Gefahr bringen.

Kein Einzelfall?
Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete, in dem Wüstengebiet sei bereits vor einigen Monaten ein Deutscher von Angehörigen der Sudan Liberation Army (SLA), einer Rebellengruppe aus Darfur, ausgeraubt und mehrere Tage lang festgehalten worden. Er und seine ägyptischen Begleiter hätten sich aber entschieden, den Vorfall nicht zu melden, um sich langwierige Verhöre zu ersparen. Ein Beamter in Kairo sagte, über diese Entführung sei nichts bekannt.

Die Teilnehmer der Wüstensafari waren an der ägyptisch-sudanesischen Grenze verschleppt worden. Die Entführer sollen angeblich sechs Millionen US-Dollar (rund 4,09 Mio Euro) für ihre Freilassung gefordert haben.

Kritik an ägyptischer Regierung
Die Region Gilf al-Kebir im Südwesten Ägyptens, in der man sich nur mit robusten Geländewagen fortbewegen kann, wird jedes Jahr nur von einigen Dutzend Touristen besucht. Diese buchen die Abenteuerreise, die im Vergleich zu einer Pauschalreise nach Ägypten recht teuer ist, in der Regel bei einem örtlichen Veranstalter. Reiseveranstalter in Luxor kritisierten das aus ihrer Sicht unprofessionelle Krisenmanagement der ägyptischen Regierung. Es sei unverständlich, warum diese nicht direkt mit den Entführern verhandle. Je länger die Entführung andauere, desto größer sei der Schaden für das Image Ägyptens als sicheres Touristenziel.

Die fünf entführten Deutschen sind nach Informationen der "Bild"-Zeitung zwei Frauen und drei Männer. Einer von ihnen ist ein 37 Jahre alter Mann aus Baden-Württemberg, der mit der rumänischen Geisel verheiratet ist. Die anderen Deutschen sollen aus Mannheim, Kassel und Berlin stammen und zwischen 57 und 69 Jahre alt sein. (apa/red)