England trotz Fußball-Schonkost weiter: Große Steigerung oder Aus im Viertelfinale

Beckham: "Es war eine schreckliche Vorstellung" Ecuador locker: "Es gibt keinen Grund zum Weinen"

Auch wenn das Spiel nicht für das Auge eines Gourmets bestimmt war, England steht nach einem mühsamen 1:0 (0:0) gegen Ecuador im Viertelfinale der WM. Gegen die über weite Strecken harmlosen Südamerikaner ließ das Starensemble erneut die Ambitionen eines Titelanwärters vermissen, ohne Leidenschaft und Tempo präsentierte sich der Weltmeister von 1966. "Es war eine schreckliche Vorstellung, aber wir sind weiter", gestand selbst Goldtorschütze David Beckham, dessen Freistoß in der 60. Minute England erlöste.

"Ich habe in dieser Saison nicht viele Freistöße verwertet und auch im Training hat es nicht geklappt. Wazza (Spitzname von Wayne Rooney, Anm.) hat vor dem Spiel zu mir gesagt 'Du warst einfach schrecklich in den letzten zwei Tagen, also musst du heute Abend treffen'", berichtete der erleichterte Freistoßspezialist, der sich in der zweiten Spielhälfte wegen Übelkeit hatte übergeben müssen.

Die oft wankelmütige britische Presse bejubelte den einst ungeliebten Beckham. "Beckhams Kunstschuss bringt England weiter", vermeldete der "Daily Telegraph". Die "Sun" brachte am Titelblatt ein Foto des jubelnden Real-Madrid-Spielers. Um den WM-Titel zu holen, bräuchte England "den treuen rechten Fuß des Skippers", schrieb Kolumnist Neil Curtis.

Teamchef Sven-Göran Eriksson wiegelte indes Kritik über die schwachen Auftritte Englands bei dieser WM ab. "Ich bin nicht besorgt, es wird schon alles glatt laufen. Noch einmal, wir sind im Viertelfinale, gehören neben Deutschland, Argentinien und Portugal zu den besten acht Teams der Welt. Darauf bin ich stolz", sagte der Schwede und wiederholte seine Botschaft, dass England immer besser und das Beste noch kommen werde.

Kommender Gegner der "Three Lions" im WM-Viertelfinale ist die portugiesische Auswahl, die nach zwei Gelb-Roten Karten für Costinha und Deco sowie dem möglichen Ausfall des verletzten Cristiano Ronaldo am Samstag (17 Uhr) in Gelsenkirchen geschwächt ins Spiel gehen wird.

Ecuador: "Es gibt keinen Grund zum Weinen"
Die Ecuadorianer feierten trotz ihres knappen Scheiterns wie Sieger. "Es gibt keinen Grund zum Weinen", meinte Stürmer Carlos Tenorio. "Natürlich sind wir traurig, dass wir ausgeschieden sind. Aber wir feiern dennoch, haben uns hier bestens präsentiert, gegen einen Großen verloren und können stolzen Hauptes in die Heimat zurückkehren." Er selbst hatte die Chance zur Sensation vergeben, als er in der 11. Minute zu lange zögerte und Ashley Cole seinen Schuss noch an die Latte abfälschte. "Klar hätte ich das Ding machen müssen. Aber es hat halt nicht geklappt."

Bei Teamchef Luis Suarez überwog ebenfalls Stolz und Freude. "Wir können mit unseren Leistungen zufrieden sein", war der Trainer nicht enttäuscht. "Wir haben gezeigt, dass wir besser sind, als viele uns zugetraut haben." Kapitän Ivan Hurtado trauerte hingegen dem Ausscheiden seiner Mannschaft nach. "Wir haben unsere Möglichkeiten nicht genutzt, und England hat nach einem Foul, das keines war, die Führung geschossen", meinte der Abwehrstratege.

(apa/red)