England bejubelt 'das Fußballwunder im Heiligen Land': Israel leistet Schützenhilfe

Israels Sieg über Russland hält England im Rennen Torschütze Golan als "König von England" gefeiert

England bejubelt 'das Fußballwunder im Heiligen Land': Israel leistet Schützenhilfe

England wandelte am Abgrund. Auch am spielfreien Tag. Russland stürmte, traf beim Stand von 1:1 in Israel die Stange. Bei einem Sieg der Russen hätte das Mutterland des Fußballs die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz vor dem TV verfolgt. Doch es kam ganz anders. Die bereits ausgeschiedenen Israelis siegten 2:1, stürzten Russland ins Tal der Tränen und England in kollektiven Freudentaumel. "Das Fußballwunder im Heiligen Land", titelte die englische Zeitung "Sunday Telegraph".

England hat es nun wieder selbst in der Hand, das EURO-Ticket zu buchen. Nach der russischen Niederlage reicht den Briten dafür am Mittwoch in London bereits ein Remis gegen den seit Samstag fix qualifizierten Tabellenführer Kroatien, der mit 0:2 in Mazedonien seine erste Niederlage kassierte. "Es ist zurück in unserer eigenen Hand. Jetzt brauchen wir das ganze Land hinter dem Team", forderte England-Teamchef Steve McClaren, der bei einem Aus in der EM-Qualifikation mit Sicherheit seinen Job los gewesen wäre.

Nun dürfen McClaren und England wieder hoffen. "Ich habe vollstes Vertrauen in die Spieler, dass sie diese Aufgabe in Wembley erledigen", versicherte McClaren, dessen Team am Freitag in einem Testspiel in Wien den EURO-Gastgeber Österreich mit 1:0 bezwungen hatten. Stürmerstar Michael Owen zog sich dabei allerdings eine Wadenverletzung zu und fällt rund einen Monat aus. "Ein schwerer Schlag", erklärte McClaren vor dem Quali-Finale. "Aber wir können Kroatien auch ohne Owen schlagen."

Neben Peter Crouch, dem Schützen des einzigen Treffers gegen Österreich, dürfte damit Tottenham-Stürmer Jermaine Defoe, der bei seinem Club nicht immer regelmäßig zum Einsatz kommt, im Angriff beginnen. Denn sowohl Wayne Rooney als auch Emile Heskey fehlen weiterhin verletzungsbedingt. Als mögliche Alternative könnte auch Kapitän Steven Gerrard als hängende Spitze hinter Crouch agieren. Zudem fehlt das etatmäßige Innenverteidiger-Duo John Terry (verletzt) und Rio Ferdinand (gesperrt).

Gerrard rüttelt Landsleute wach
Doch die Engländer wollen ihre nicht mehr für möglich gehaltene Chance nutzen. "Jeder muss alles geben. Es war in den vergangenen Wochen nicht leicht, englischer Teamspieler zu sein. Aber jetzt blicken wir einem der wichtigsten Spiele unseres Lebens entgegen", versuchte Gerrard seine Landsleute wachzurütteln. "England ist es gewohnt, bei großen Turnieren dabei zu sein. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, dann wäre das sehr frustrierend. Also müssen wir mit der richtigen Mentalität auftreten."

Die Chance hatte ihnen Israel mit einer wackeren kämpferischen Leistung gegen Russland ermöglicht. Die Russen warfen in der Schlussphase in Tel Aviv alles nach vorne, versagten aber im Abschluss. Zum Helden avancierte dagegen der eingewechselte Israeli Omer Golan. Der Stürmer von Maccabi Petah Tikva erlöste England in der 92. Minute mit seinem Kontertor zum 2:1. Während die BBC noch scherzhaft die Ritterschaft für den 25-Jährigen vorschlug, stilisierte ihn die israelische Zeitung "Yedioth Ahronoth" bereits zum "König von England" hoch.

Russland geschockt
Russland dagegen reagierte - die neunte EM-Teilnahme (inklusive der sieben der UdSSR) vor Augen - geschockt. Die junge russische Mannschaft verfüge eben noch nicht über die entsprechende Siegermentalität, erklärte Verbandspräsident Vitali Mutko, kündigte aber an, weiterhin an Teamchef Guus Hiddink festhalten zu wollen. Der niederländische Startrainer gab sich zwar enttäuscht, aber noch nicht geschlagen: "Es ist noch nicht vorbei. Kroatien wird in Wembley gewinnen." Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.

Kroatien mit einem Punkt glücklich
Der kroatische Fußball-Nationaltrainer Slaven Bilic würde sich im Spiel in England mit einem Punkt zufrieden geben. Damit wäre in Gruppe E neben Kroatien auch England für die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz qualifiziert. "Niemand ist Favorit, wenn er in England antritt. Wir wären mit einem Punkt glücklich", erklärte Bilic. Damit würde sein Team, das sich am Samstag trotz einer 0:2-Niederlage in Mazedonien für die EM qualifiziert hat, als Gruppensieger feststehen.

Die Hoffnungen Russlands ruhen dagegen auf einem Sieg der Kroaten im Wembley-Stadion. Bei einem Sieg wären sie neben Kroatien als zweites Team der Gruppe zur Endrunde gefahren. Der kroatische Spielmacher Niko Kranjcar versprach den Russen im Gegensatz zu seinem Teamchef, auf Sieg zu spielen. "Es ist unsere Pflicht, unseren besten Fußball zu spielen", betonte der Portsmouth-Mittelfeldspieler.
(apa/red)

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