Enges Duell um den UNESCO-Spitzenposten:
Stichwahl zwischen Husni und Irina Bokowa

Gelingt wieder keine Einigung, entscheidet das Los Ferrero-Waldner und Ivonne Bako zogen sich zurück

Enges Duell um den UNESCO-Spitzenposten:
Stichwahl zwischen Husni und Irina Bokowa © Bild: Reuters/Valat

Im Machtkampf um die Nachfolge von UNESCO-Generaldirektor Koichiro Matsuura zeichnet sich ein unerwartetes Duell ab. Heute kommt es zu einer Stichwahl zwischen dem umstrittenen Ägypter Faruk Husni (Hosni) und der bulgarischen Diplomatin Irina Bokowa. Der Exekutivrat der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation konnte sich auch am Montagabend nicht auf einen Bewerber einigen. Keiner der Kandidaten erhielt in der vierten Wahlrunde die erforderliche absolute Mehrheit der 58 Stimmen.

Bereits in der letzten Abstimmungsrunde am Montagabend waren nur noch Husni und Bokowa gegeneinander angetreten. Beide erhielten nach Angaben aus Diplomatenkreisen je 29 Stimmen. Sollte es auch am Dienstag ein Unentschieden geben, muss das Los entscheiden. Die Delegationen würden allerdings alles versuchen, um dies zu verhindern, sagte eine UNESCO-Sprecherin. Der neue Generaldirektor muss am 15. Oktober noch von der UNESCO-Generalkonferenz bestätigt werden. Dort könnte ein Debakel drohen, wenn er bereits im Exekutivrat keine Mehrheit hinter sich hatte.

Los könnte entscheiden
Sollte heute wieder keine Mehrheit von 30 Stimmen für einen Kandidaten zustande kommen, so findet die Ernennung des neuen UNESCO-Generaldirektors durch eine Auslosung statt, hieß es vonseiten der internationalen Organisation. Nach der österreichischen Kandidaten Benita Ferrero-Waldner am Sonntag hatte sich am Montag auch die Ecuadoranerin Ivonne Baki zurückgezogen.

Die 57-jährige Bokowa ist eine Karrierediplomatin, die gegenwärtig in Paris als bilaterale und UNESCO-Botschafterin stationiert ist. Sie wurde in Moskau ausgebildet und war bereits Mitglied der bulgarischen UNO-Delegation. Sie spielt nach dem Ende des Kommunismus auch in der Politik ihres Landes eine Rolle. Sollte die Bulgarin die Wahl gewinnen, so wäre sie die erste Frau an der Spitze der UNESCO. Sollte Hosni gewinnen, so wäre er der erste Araber in dem Posten.

Die Wahl des Nachfolgers von Matsuura sorgt seit Wochen international für Schlagzeilen, weil dem bisher als Favorit gehandelten Husni israelfeindliche Äußerungen vorgeworfen werden. Verschiedene Menschenrechtsorganisationen, Intellektuelle und Politiker riefen dazu auf, den 71 Jahre alten Kulturminister nicht zu wählen.

Levy als Kritiker Husnis
Zu den schärfsten Kritikern Husnis zählten in den vergangenen Monaten die französischen Intellektuellen Bernard-Henri Levy und Claude Lanzmann sowie der amerikanische Schriftsteller und Holocaust-Überlebende Elie Wiesel. Sie veröffentlichten im Mai eine Schmähschrift, in der sie Husni als "geistigen Brandstifter" bezeichnen. Der ägyptische Kulturminister habe 2001 öffentlich erklärt, dass die israelische Kultur aggressiv, rassistisch und überheblich sei, schrieben sie. Im eigenen Land gilt Husni als eher liberal.

Die ehemalige französische Gesundheitsministerin und Auschwitz-Überlebende Simone Veil erklärte am Montag, Bokowa sei die "am besten qualifizierte Kandidatin". "Die UNESCO muss die Völker und die Kulturen vereinen, sowie jenseits der Unterschiede in einem Klima der Toleranz und der Eintracht arbeiten", sagte Veil gegenüber der Online-Ausgabe der Pariser Tageszeitung "Liberation".

"Frau Bokowa hat in diesem Bezug gut verankerte und sehr gerechte Ideen. Aus diesem Grund denke ich, dass sie am besten geeignet ist, die UNESCO in den nächsten Jahren zu leiten", betonte die 82-Jährige und fügte hinzu, dass die Erklärungen des ägyptischen Kandidaten Faruk Hosni "über auf Hebräisch geschriebene Bücher und die Juden im allgemeinen viele Fragen" aufwerfe. "Gewiss hat er jüngst andere Aussagen gemacht, aber der Ton seiner Erklärungen ändert sich jeden Tag", betonte Simone Veil, die Ehrenpräsidentin der Stiftung zur Erinnerung an die Shoa ist.
(apa/red)