Endlich Entwarnung: Hornissen pieksen nicht gefährlicher als Bienen oder Wespen

Museum "inatura": Hornissen leben im Glascontainer Stichfreies Zusammenleben mit Menschen möglich

Endlich Entwarnung: Hornissen pieksen nicht gefährlicher als Bienen oder Wespen

"Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Menschen", so heißt es im Volksmund. Mit diesem Vorurteil der gefährlichen und aggressiven Hornissen will man im Dornbirner Naturkundemuseum "inatura" nun aufräumen. Die Tiere seien nämlich nicht gefährlicher als Wespen oder Bienen, so Norbert Gorbach von der "inatura". Seit wenigen Tagen können die bis zu 40 Millimeter großen Insekten in dem Museum ganz gefahrlos betrachtet werden. Durch eine Glasscheibe kann der Besucher die Tiere bei Nestbau und Nahrungsaufnahme beobachten.

Derzeit gehen laut Norbert Gorbach von der "inatura" täglich zwei bis drei Anrufe besorgter Eltern oder Gartenbesitzer am Servicetelefon des Museums ein, die sich nach der Gefahr durch die Großwespen erkundigen. Manche berichteten von metergroßen Nestern, so Gorbach. Die pappmacheartigen Behausungen der Insekten können im Laufe des Sommers bis auf rund zwei Meter Durchmesser anwachsen, die Völker bestehen dann aus über 400 Tieren. Hornissen sind weniger aggressiv als Wespen, sie verteidigen laut inatura lediglich ihr Nest oder sich selbst, wenn sie sich angegriffen fühlen. Der Stich mit dem bis zu 3,7 Millimeter langen Stachel ist zwar wegen einer speziellen Substanz im Gift schmerzhafter, aber weniger toxisch als der Stich einer Wespe. Stiche seien bei nicht-allergischen Menschen nur "in den seltensten Fällen" tödlich.

Herumfuchteln ist keine gute Idee
Für ein harmonisches Zusammenleben gilt es, einige Regeln zu beachten: "Man sollte beispielsweise die Einflugschneise zum Nest freihalten, damit sich das Volk nicht bedroht fühlt", so Gorbach. Wenn sich das Hornissennest in der Nähe von Schlaf- oder Kinderzimmern befinde, sollte man abends rasch das Licht löschen. "Das Licht zieht die Tiere an", erklärte Gorbach. Und in erster Linie gilt: Ruhe bewahren. "Herumfuchteln ist nie eine gute Idee", so der inatura-Mitarbeiter. Wenn es gar nicht anders geht, wird das Volk umgesiedelt, so wie jenes, das derzeit in dem Museum zu sehen ist.

Leben im Ein-Jahres-Rhythmus
Bei der inatura bitte man die besorgten Anrufer aber meist, das Nest zu dulden. "Die Leute sind da in der Regel vernünftig", so Gorbach. Die Tiere stehen in Vorarlberg, ebenso wie in Deutschland und der Schweiz, ganzjährig unter Naturschutz und sind unter anderem nützliche Schädlingsvertilger. Ein großes Volk der karnivoren Insekten kann bis zu einem halben Kilogramm Beute - bevorzugt andere Insekten - pro Tag verzehren und fliegt auch nachts aus. Im Herbst sterben die Arbeiterinnen, die Männchen und die Königin. Die begatteten Weibchen überwintern und gründen im Frühjahr ein neues Hornissenvolk. (APA/red)