Emotionaler Showdown gegen Deutsche: Auch Aufhauser spürt "einmalige Situation"

ÖFB-Routinier schwärmt: "Schöner geht es nicht" Plus: "Lese seit drei Wochen keine Zeitung mehr"

Emotionaler Showdown gegen Deutsche: Auch Aufhauser spürt "einmalige Situation" © Bild: Reuters

Rene Aufhauser ist der Parade-Routinier im Nationalteam. Die fußballhistorische Dimension, die das entscheidende EM-Gruppenduell mit Deutschland annehmen könnte, ringt dem Mann aus dem defensiven Mittelfeld aber trotz seiner 53 Länderspiele großen Respekt ab.

"Das ist natürlich eine einmalige Situation", war sich Aufhauser bewusst. "Ich weiß nicht, ob das die jetzt aktive Generation noch einmal erleben wird, vor so einer Situation unter diesen Bedingungen zu stehen. Bei der Heim-EM mit dem Publikum im Rücken den eigenen Traum wahr machen zu können, selbst den Aufstieg schaffen zu können. Schöner geht es nicht."

Der Steirer setzt nicht zuletzt auf die zumindest eine Stunde lang gute Leistung bei der 0:3-Testspielniederlage gegen Deutschland. "Wir haben da schon gezeigt, dass wir nicht nur mitspielen, sondern auch sehr viele Chancen herausspielen können. Dass wir beim Zweikampfverhalten, der Raumaufteilung und dem Tempo, also den eigentlichen Tugenden der Deutschen, mithalten können. Das müssen wir wiederholen. Und natürlich muss das Runde ins Eckige."

"Müssen Deutsche unter Druck setzen"
Wie auch vor den Spielen zuvor will man sich weniger auf den Gegner denn auf die eigenen Stärken konzentrieren. "Wir müssen die Deutschen unter Druck setzen. So, dass auch ein Michael Ballack Defensivarbeit verrichten muss. In so einem Spiel musst du von der ersten Sekunde an da sein, jeden Zweikampf annehmen, jeden Pass konzentriert spielen." Dass man nach der Gelb-Sperre von Sebastian Prödl über zu wenig kopfballstarkes Personal verfüge, glaubt Aufhauser nicht: "Wir haben genug Spieler. Die Kopfbälle sind ja auch unsere Stärke. Und ich glaube, dass die Deutschen das auch wissen und da aufpassen werden."

Sein Verhältnis zu Deutschland selbst sei in Fußballfragen recht indifferent. "Als sie 1990 Weltmeister geworden sind, habe ich schon mitgefiebert." Ein aktiver Spieler, der ihm viel Respekt abringe, sei Ballack. "Auf ihm ist großer Druck gelastet. Er hat sich bei Chelsea durchgesetzt und zu einem echten Führungsspieler entwickelt."

Ballack, mit dem Aufhauser im dritten EM-Gruppenspiel auch unmittelbar zu tun haben könnte, sei ein starker Gegenspieler. "Du kannst ihn schwer manndecken, das ist im modernen Fußball auch nicht mehr üblich. Er ist ein Spielertyp, der sich die Bälle auch oft aus der Abwehrkette holt, dann kannst du als defensiver Mittelfeldspieler nur schwer vor unserer Stürmerreihe mit ihm spielen. Du musst versuchen, ihn in der gefährlichen Zone unter Kontrolle zu halten. Er ist außerdem schussgefährlich und kopfballstark."

"Lese seit drei Wochen keine Zeitung mehr"
Vom medialen Trubel rund um das brisante Duell will er nichts mitbekommen haben. "Ich lese schon seit drei Wochen keine Zeitung und genieße das richtig", beteuerte Aufhauser. "Es ist gut, dass wir von Beginn der Vorbereitung an so abgekapselt sind. Man kann richtig abschalten." Wie er am besten entspanne? "Wenn ich den Ivo (Vastic, Anm.) im Tischtennis schlage. Und die Partien sind auf gutem Niveau."

In den Spielen gegen Kroatien und Polen verpufften sie zwar wirkungslos, Aufhauser ist dennoch überzeugt, dass Standardsituationen weiterhin "unsere Stärke" seien. "Auch die Fans im Stadion spüren das. Da muss der Ball genau kommen, da braucht man halt auch ein wenig Glück." Gegen die Polen, die kaum manngedeckt hätten, sei er in vier Situationen völlig frei gewesen. "Der Ball ist aber nicht gekommen. Aber manchmal fällt er dir halt genau auf den Kopf."

Taktische Belange seien zumindest "teilweise" ein Thema der Gespräche zwischen der Mannschaft und Trainer Josef Hickersberger. "Da geht es aber vor allem um unser eigenes Spiel", erklärte Aufhauser, der selbst die A-Lizenz im Visier hat. "Man hat die Chance, das als Spieler zu genießen, da wäre es vermessen, es aus der Sicht des Trainers zu sehen. Aber es ist eine Erfahrung, von der man in der Zukunft sicher profitieren kann."

(apa/red)

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