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Was macht der
einstige Papst heute?

Joseph Ratzinger feiert heute seinen 91. Geburtstag

Pope Emeritus Benedict XVI © Bild: imago/epd

Am 16. April feiert Joseph Ratzinger, der emeritierte Papst Benedikt XVI., seinen 91. Geburtstag. Wie das Leben des einstigen Oberhaupts der katholischen Kirche heute aussieht.

Am 24. April 2005 trat Joseph Ratzinger als Nachfolger von Johannes Paul II. an die Spitze der katholischen Kirche. Er nahm den Namen Papst Benedikt XVI. an. Schon bald gelang es ihm, aus dem Schatten seines populären Vorgängers zu treten. Er akzentuierte in seinem Pontifikat manches anders, insbesondere in der Debatte um das Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Aufbrüche und neue Ideen sollen ins Gesamtgeflecht der Kirche und ihrer Tradition eingeordnet werden.

Die Schattenseiten seines Pontifikats

Bittere Zeiten musste Benedikt XVI. 2009 durchleben, als aus der Aufhebung der Exkommunikation für die vier Bischöfe der traditionalistischen Piusbruderschaft (SSPX) ein medialer Super-GAU entstand: Denn darunter war auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson, der später übrigens aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen wurde. Die folgenden Missdeutungen, Entschuldigungen und Neustrukturierungen hinterließen Schrammen.

2010 kam es erneut zu einem Aufbrechen des Missbrauchsskandals: Erst nach Monaten gelang es Rom, das bereits seit 2001 geltende und maßgeblich durch Kardinal Ratzinger angestoßene verbesserte kirchliche Umgehen mit den Missbrauchsvorwürfen überzeugend darzulegen.

Seit Beginn 2012 hatte der Vatikan dann mit "Vatileaks" und dem Verrat geheimer Dokumente durch den päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele ein neues Problem.

Der Rücktritt und sein Leben danach

Am 11. Februar 2013 verkündete Papst Benedikt XVI. schließlich seinen Rücktritt: In seiner Entscheidungsankündigung vor Kardinälen sagte er auf Latein, dass seine Kräfte aufgrund des Alters nicht mehr ausreichend wären, um ordnungsgemäß seinen Dienst auszuüben.

Seitdem lebt der emeritierte Papst zurückgezogen im ehemaligen Kloster "Mater Ecclesiae" in den vatikanischen Gärten. Finanziell versorgt wird er durch einen Unterhalt, den der Vatikan gewährt. Im Übrigen bezieht der ehemalige Papst Tantiemen und Verkaufserlöse aus seinen Büchern.

Kloster Mater Ecclesiae
© imago/Schöning Kloster "Mater Ecclesiae": Hier wohnt der emeritierte Papst

Papst Franziskus äußerte mehrfach Lob für seinen Vorgänger. Sein bisher letzter öffentlicher Auftritt war die Begegnung mit den neuen Kardinälen beim Konsistorium im November 2016. Vor einem Jahr gratulierte Franziskus seinem Vorgänger herzlich zum 90. Geburtstag. Was er von seinem Nachfolger, Papst Franziskus hält, sagte Benedikt in dem 2016 erschienenen Interviewband "Letzte Gespräche". Er sehe Franziskus in seiner Kontinuität. "Es gibt vielleicht neue Akzente, natürlich, aber keine Gegensätze". Er finde die Art von Franziskus gut. "Eine neue Frische in der Kirche, eine neue Fröhlichkeit, ein neues Charisma, das die Menschen anspricht, das ist schon etwas Schönes." Und in einer jüngst auf Deutsch erschienenen Biografie eines italienischen Theologen sagte Benedikt, er empfinde eine "wunderbar väterlich-brüderliche" Beziehung zu Franziskus.

Papst Franziskus und der emeritierte Papst Benedikt XVI. 2016
© imago/epd Papst Franziskus und sein Vorgänger 2016 bei einer Feier des Priesterjubiläums von Benedikt

Theologische Lektüre und friedvolle Abende

Papst Benedikt XVI. hat den freiwilligen Rücktritt nach Worten seines Privatsekretärs Georg Gänswein "nie bereut". Es sei in keiner Weise Druck auf ihn ausgeübt worden, von dem Amt zurückzutreten, sagte der Erzbischof laut Kathpress in einem Interview mit der italienischen Zeitung "La Repubblica". "Er ist überzeugt, dass er die richtige Sache gemacht hat, aus Liebe zu Gott und zur Kirche." Benedikt XVI. sei mit sich völlig im Frieden. Er widme sich der Lektüre der Kirchenväter, verfolge aber auch die neue theologische Literatur, lese die vatikanische Presseschau, zwei deutsche Zeitungen und sehe täglich die Abendnachrichten im italienischen Fernsehen RAI. Allerdings spiele er heute weniger Klavier als noch vor einem Jahr, berichtete Gänswein. Er sage, die Hände wollten nicht mehr so, wie sie sollten, um gut zu spielen.

So ist es um Benedikts Gesundheit bestellt

Berichte über den bevorstehenden Tod von Ex-Papst Benedikt wies Gänswein Ende März 2018 erneut als "Fake News" zurück. "Diese Spekulationen sind haltlos, völlig aus der Luft gegriffen." Der 90 Jahre alte Joseph Ratzinger sei geistig hellwach und könne sich mit einem Rollator "selbstständig bewegen", wie der Privatsekretär mitteilte.

Auch Papst-Bruder Georg Ratzinger hat Spekulationen über einen baldigen Tod zurückgewiesen. "Er ist zwar auf eine Gehhilfe angewiesen, aber geistig geht es ihm gut", sagte der 94-Jährige der Deutschen Presse-Agentur über den Gesundheitszustand des emeritierten Papstes. Von einem Nervenleiden seines Bruders, das das Herz angreifen könnte, könne keine Rede sein, sagte Georg Ratzinger in Regensburg. "Das ist reine Fantasie."

Der frühere Leiter der Regensburger Domspatzen räumte ein, dass die Kräfte seines Bruders allmählich schwinden. "Es ist nicht mehr das, was es war." Humorvoll fügte er über sich und seinen Bruder hinzu: "Wie wir halt sind, wir alten Dackel." Der 94-Jährige sagte, er bete jeden Tag "um eine gute Todesstunde für meinen Bruder und mich". Im April will Georg Ratzinger den emeritierten Papst wieder in Rom besuchen. Die Brüder sehen sich mehrmals im Jahr und telefonieren regelmäßig miteinander.

Ein Testament soll Benedikt XVI. bereits verfasst haben. Sein geistliches Testament sind seine Bücher über Jesus von Nazareth. Aber er soll auch einen persönlichen letzten Willen festgehalten haben.