"EM ist für mich wie ein schwarzes Loch":
Jelinek und Handke in NEWS zur EURO 2008

Nobelpreisträgerin: "Sollen machen, was sie wollen" Handke im Gegensatz dazu von Fußball fasziniert

"EM ist für mich wie ein schwarzes Loch":
Jelinek und Handke in NEWS zur EURO 2008 © Bild: APA/Schlager

Österreichs bedeutendste lebende Schriftsteller, Elfriede Jelinek und Peter Handke, kommentieren in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe die bevorstehende Fußball-EM. Und zwar mit äußerst verschiedenartigem Ergebnis: Während die Nobelpreisträgerin einen Kommentar von lapidarem Sarkasmus verfasste, erklärte Handke dem Fußballsport die Liebe.

Elfriede Jelineks Kommentar: "Die EM ist für mich wie ein riesiges schwarzes Loch, das alles verschluckt. Wer jubeln will, soll das tun. Wer weinen und seine Fahne um die Erd hauen will, soll das tun. Wer sich zuschütten will, soll das tun. Wer das nicht will, soll es nicht tun. Wer das Burgtheater, das Lueger-Denkmal, die Parks und überhaupt die ganze Ringstraße zubrunzen will, soll das tun. Wer es nicht tun will, soll es nicht tun. Wer ein Tor schießen will, soll das tun, wird es aber vielleicht nicht können. Wer ein Tor verhindern will, soll das tun, wird es aber vielleicht nicht können. Wer jemand in die Gosche hauen will, soll das nicht, wird es aber wahrscheinlich trotzdem tun. Alle sollen machen, was sie wollen, weil sie es sowieso machen würden, ob wir wollen oder nicht."

Handke erklärt sich vom Fußballsport fasziniert, allerdings mit Vorbehalt: "Fußball ist für mich wie Musik, manchmal gute, manchmal schlechte. Das Einzige, was mich am Fernsehen hält, ist der Fußball. Wenn Fußball im Fernsehen ist, ist der Tag noch nicht verloren. Ich bin vom Fußball immer noch begeistert. Aber da ist so viel Geld drinnen, dass es eigentlich schon unangenehm ist. Und außerdem ist es schon recht, was der Blatter sagt: Die Mannschaften sollen wieder mehr auf die eigenen Leute zurückgreifen. Chelsea, Real Madrid, auch viele Mannschaften in Frankreich sind nur noch aus aller Welt zusammengewürfelt."

Anhänger einer an der EM teilnehmenden Mannschaft ist er nicht, hat für die alte Heimat aber eine Empfehlung: " Ich hoffe nur, dass die Österreicher nicht so wehleidig sind, wie sie in den letzten Jahren geworden sind. Nicht so viel schimpfen, lieber hart und sachlich spielen."

Seine eigentliche Zuneigung, so Handke in NEWS, gilt allerdings zwei minder prominenten Teams: "Der Fußballclub meines Geburtsorts Griffen in Kärnten hat gerade den Meister St. Veit geschlagen und muss nicht absteigen. Der ehemalige Gemeindesekretär und mein Bruder geben mir immer die Ergebnisse durch. Das interessiert mich brennend. Und der FC Numancia: Der bedeutet mir alles. Das ist der Club von Soria, wo ich zwei Monate lang meinen "Versuch über die Jukebox" geschrieben habe. Daher kenne ich das Stadion ganz gut. Wir sind gerade in die 1. Liga aufgestiegen, und das ist einer der größten Triumphe meines Schreibjahres, obwohl wir wahrscheinlich nächstes Jahr wieder absteigen werden. Ich schaue jeden Montag die spanischen Zeitungen an, wie die Fußballergebnisse in der zweiten Liga sind. Numancia ist auch ein schönes Wort, weil das die letzte Siedlung auf der Iberischen Halbinsel war, die den Römern widerstanden hat. Alles andere war schon von den Römern eingenommen, und die haben noch Widerstand geleistet. So eine Art Enklave."

Den kompletten Beitrag können Sie im NEWS 22/08 nachlesen!