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Als eine "Motte" Ronaldo
beinahe die Show stahl

Flattertier hatte seine 15 Minutes of Fame.

Menschen - Als eine "Motte" Ronaldo
beinahe die Show stahl © Bild: imago/BPI

Das Europameisterschaftsfinale 2016 in vier Stichworten: Foul, Tränengas, "Motte" und Trainertausch. Das filmähnliche Drama nimmt bereits in der achten Spielminute seinen Lauf. Ronaldo liegt am Boden, zuerst Schreie, dann ein entwaffnender Ausdruck der Verzweiflung, gemischt mit bitteren Tränen. Selbst dem härtesten Ronaldo-Kritiker wird dabei das Herz weich. Der Portugiese muss letztendlich vom Feld. Dass davon jemand - oder vielmehr etwas - unerwartet profitieren sollte, konnte keiner ahnen...

"Das Problem ist nicht, dass Ronaldo der Beste ist. Sondern dass er sich für was Besseres hält", ist der Grund dafür, dass Ronaldo so unbeliebt ist, erklärt News-Textchef Wolfgang Kralicek.Worte die viele zu Beginn des EM-Finales Portugal - Frankreich, sofort unterschrieben hätten. Doch dann das:

Der Franzose Dimitri Payet rammt nach einem harten Zweikampf Ronaldo und trifft dabei das linke Knie des Stars. Schiedsrichter Mark Clattenburg pfeift nicht. Plötzlich avancierte Ronaldo zum Helden der Herzen.

Wie schlimm Ronaldos Verletzung wirklich ist

Einem Medienbericht zufolge handelt es sich wohl nur um eine Zerrung des Innenbandes im linken Knie und keine schwere Verletzung. Damit könnte der 31-Jährige seinem Club schon in wenigen Wochen wieder zur Verfügung stehen. "Ich hatte Pech, weil ich mich verletzt habe", meinte Ronaldo. "Aber ich wusste, dass diese Spieler zusammen mit unserer Strategie stark genug sein werden, um Frankreich zu schlagen."

Was die "Motte" damit zu tun hat

Nachdem sich die Empathieflut für Ronaldo auf sozialen Medien wieder beruhigt hatte, gab es nur noch ein Thema: Ronaldos "Motte". Das Tier dürfte großen Durst gehabt haben und nützte ausgerechnet den hochemotionalen Moment unmittelbar nach dem Foul, um sich auf den am Boden sitzenden Ronaldo zu setzen und dessen Tränen zu trinken. Der Spieler war so erschüttert, das er das Tier nicht einmal bemerkte.

Sekunden später hatte der Falter bereits mehrere eigene Twitter-Accounts. Unter anderem mit den Beschreibungen: "Ich habe die Euro 2016 gegen Ronaldo gewonnen " oder "nur eine kleine Motte, die versucht, ihre Spuren in einer großen Welt zu hinterlassen". Die Spaßprofile hatte innerhalb von wenigen Minuten Tausende Follower. Was bis dato keiner ahnte: Bei der "Motte" handelte es sich um ein ganz anderes Tier.

Doch Ronaldo war nicht das einzige "Opfer". "Ronaldos Motte" hatte nämlich jede Menge Freunde. Die Fußballer versuchten bereits eine Stunde vor Beginn der Partie erfolglos, sich die Tiere vom Kopf zu fuchteln. Hintergrund der Falterplage ist ein Teil des Anti-Terror-Konzepts der Franzosen. Das Flutlicht brannte im Stade de France die gesamte Nacht vor dem Finale, wie die ARD berichtet. Was Terroristen abschrecken sollte, zog dann tausende Falter an.

Tränen wie bei Griechenland

Doch das Scheinwerferlicht sollte nur kurz von Ronaldo auf das kleine Tier schwanken. Ronaldo versuchte es noch eine Weile am Feld. in der 17. Minute setzt sich der 31-Jährige auf den Rasen und wird außerhalb des Feldes wieder am Knie behandelt. Drei Minuten später kehrt er mit einer Bandage über dem Knie noch einmal auf das Spielfeld zurück. Doch dann das unmissverständliche Signal. Er wirft seine Kapitänsbinde auf den Rasen. Sogar die Gegner Paul Pogba und Blaise Matuidi trösten ihn. Unter Tränen wird er schließlich vom Platz getragen und durch Quaresma ersetzt.

© Photo by Laurence Griffiths/Getty Images Ein Twitter-User schreibt zu dem Bild: "Warum? Weil er's kann."

Schon einmal waren beim Superstar in einem EM-Endspiel Tränen geflossen. Vor zwölf Jahren hatte Ronaldo als 19-Jähriger nach dem 0:1 im Finale der Heim-EM gegen Griechenland bitter geweint.

Flitzer versus Poser

Die EM war auch Ronaldos Bühne für alles, was nur bedingt mit Fußball zu tun hat. Er spaltet die große Fan-Gemeinde. Sympathisch, wie viel Zeit er sich für freche Flitzer nahm, die ein Selfie mit ihm wollen. Die Witwe von Ex-Profi Stefano Borgonovo lud er zum Finale ein. Medial gut platziert erklärte er, warum er als Blutspender kein Tattoo hat. Doch da sind auch die anderen Bilder. Der eitle Poser nach seinem Kopfballtor gegen Wales. Das Lamentieren auf dem Platz. Der Star, der genervt ein Reportermikrofon in einen See wirft.

© imago/Xinhua Ein Twitter-User schreibt zu dem Bild: "Warum? Weil er's kann."

Zehn Jahre musste Ronaldo bei WM- und EM-Spielen nicht ausgewechselt werden. Im EM-Finale reichte es nun nur zu acht Ballkontakten, zählten die Statistiker schnell.

Ehrgeizler pur

Was dann folgt, holt - falls zuvor bereits vorhanden - den Ronaldo-Kritiker aus dem Inneren wieder hervor. Oder: hinterlässt den Zuseher beeindruckt von Ronaldos Talent als Mediator. Der Portugiese scheint hinter der Feldlinie präsenter als auf dem Feld, übertönt sogar den Trainer Fernando Santos.

Selbst das entscheidende Tor durch Eder wird Ronaldo zugeschrieben: "Cristiano hat mir gesagt, dass ich das entscheidende Tor schießen werde", erklärte der Matchwinner. "Er hat mir Stärke und positive Energie gegeben."

"Er hat einen fantastischen Teamspirit gezeigt", lobte Teamchef Santos. Zweimal habe es der Superstar versucht, trotz seiner Verletzung aufs Feld zurückzukehren. "Und er hat mich die ganze Zeit über unterstützt."

Wer kotzt denn da...? Ob Pepe Ronaldos Präsenz hochgekommen ist? Die Wahrheit ist: Portugal musste an die psychischen und physischen Grenzen gehen, um gegen Frankreich gewinnen zu können. Das wurde besonders an Abwehrspieler Pepe deutlich, der sich sich vor Erschöpfung erbrach.

https://www.facebook.com/cristinaferreiratvi/posts/1171342089591068

Wo Erfolg ist, ist auch Neid - in dem Fall mit viel ironischem Augenzwinkern von dem isländischen Fußball-Verein:

Endlich Europameister

Um exakt 23.48 Uhr durfte Ronaldo, der lädierte Kapitän, endlich den Pokal in den Nachthimmel von St. Denis stemmen. "Portugal hat das verdient, das waren so viele Jahre voller Opfer. Es ist einer der glücklichsten Tage meines Lebens", betonte der Ausnahmekönner. "Ich wollte unbedingt einen Titel mit Portugal gewinnen, und es hat endlich geklappt. Diesen Triumph werde ich nie vergessen."

© imago/Moritz Müller
© imago/VI Images Ein Twitter-User schreibt zu dem Bild: "Warum? Weil er's kann."

Kommentare

Bis jetzt mochte ich die Franzosen schon immer, nur seit diesem ganz sicher absichtlich verursachten Foul und diesem Zusatz-Arschloch von Schiedsrichter nicht mehr, daher geht der EM-Titel und der verdiente Sieg ganz eindeutig klar an die Portugiesen !

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