EM-Bewerbungsniederlage teuer für Italien:
Wirtschaft dürften 15 Mrd. Euro entgehen

Stadien-Investitionsplan von 670 Mio. € gefährdet Corriere: 'Internationale Fußballwelt blickt nach Osten'

EM-Bewerbungsniederlage teuer für Italien:
Wirtschaft dürften 15 Mrd. Euro entgehen

Die Niederlage bei der Vergabe der Fußball-EM 2012 wird Italien teuer zu stehen kommen. Nach Angaben italienischer Medien werden für die italienische Wirtschaft wegen der EM-Pleite fehlende Einnahmen im Wert von bis zu 15 Milliarden Euro entstehen. Die EM hätte für Italien Neufinanzierungen für die Renovierung der Stadien, Sponsorengelder und mehr Tourismus bedeutet.

Wegen der EM-Pleite ist auch ein Plan der italienischen Regierung zur Erneuerung und Privatisierung der italienischen Stadien ernsthaft gefährdet. Mit Hilfe von Privatinvestoren wollte die italienische Regierung bis 2012 670 Millionen Euro eintreiben, um die acht größten italienischen Stadien zu renovieren. Juventus hatte Investitionen von 120 Millionen Euro zur Modernisierung des Stadions Delle Alpi geplant, hätte Italien den Auftrag für die EM erhalten.

Nach dem enttäuschenden Resultat in Cardiff bleibt es ungewiss, ob der Turiner Klub dem Projekt treu bleiben wird. "Wir haben zwar den EM-Auftrag nicht erhalten, müssen uns aber trotzdem für die Renovierung der Stadien einsetzen", kommentierte die italienische Sportministerin Giovanna Melandri.

Wütend reagierten italienische Medien auf die EM-Pleite Italiens in Cardiff. "Der italienische Fußball ist alt und müde. Zwei kleinere Fußballföderationen haben jetzt den Auftrag für die Organisation der EM verdient", kommentierte die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera".

"Internationaler Fußball blickt nach Osten"
Die Absprachenskandale und die Gewaltwelle der vergangenen Monate hätten das Image Italiens zu stark beeinträchtigt. "Harter Schlag für Italien. Während man in Kiew und in Warschau auf den Plätzen feiert, muss Italien eine verheerende Niederlage hinnehmen. Italien erlebt eine Krise, die mit kaltem Realismus auch im Ausland beobachtet wird. Es geht um eine Krise der Werte und der Glaubwürdigkeit. Der internationale Fußball blickt jetzt in Richtung Osten", kommentierte die italienische Sporttageszeitung "Gazzetta dello sport".

"Große Demütigung"
Die Turiner Tageszeitung "La Stampa" sprach von einer "großen Demütigung für ganz Italien" und leistete sich im Zorn auch den einen oder anderen verbalen Fehltritt: "Italien hat sich des Auftrags für die EM von Polen und der Ukraine berauben lassen. Einer Allianz armer Länder, ohne Fußballtradition, ohne beachtenswerte Stadien und ohne asphaltierten Straßen, um sie zu erreichen. Eine Mischung aus Oberflächlichkeit und Arroganz hat dafür gesorgt, dass Italien in Cardiff dieses Debakel erleben musste."

(apa/red)