"Eluana ist ermordert worden": Berlusconi wirft mit massiven Beschuldigungen um sich

Sieht die Mitschuld an Eluanas Tod beim Präsidenten Koma-Tote: Staatsanwaltschaft von Udine ermittelt

"Eluana ist ermordert worden": Berlusconi wirft mit massiven Beschuldigungen um sich

Auch nach dem Tod der Italienerin Eluana Englaro nach 17 Jahren im Wachkoma sorgt ihr Fall für Kontroversen in Italien. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi betonte, er bedauere, dass "die Initiative der Regierung zur Rettung eines Menschenlebens verhindert worden ist". Damit gab er indirekt dem Staatspräsidenten Giorgio Napolitano die Mitschuld für den Tod der Patientin. Das Staatsoberhaupt habe die Unterschrift unter einen Erlass verweigert, der die Ärzte der 38-Jährigen zu lebenserhaltenden Maßnahmen verpflichten sollte, warf der Regierungschef dem Präsidenten vor.

"Ich habe ein ruhiges Gewissen, weil ich weiß, dass ich das Richtige getan habe. Eluana ist nicht eines natürlichen Todes gestorben. Sie ist ermordet worden, während andere über die Verfassungsmäßigkeit einer Eilverordnung der Regierung diskutierten", wurde Berlusconi von der rechten Tageszeitung "Libero" zitiert. Sein Kabinett habe einen "Kampf fürs Leben" geführt. "Ich hätte nie gedacht, dass darüber so viel politischer Streit entstehen würde", so der Premier.

Eluanas Tod
Die Frau, deren künstliche Ernährung am Samstag abgebrochen worden war, starb am Montagabend und damit deutlich früher, als von den Ärzten erwartet. Diese hatten vorausgesagt, dass die Patientin auch ohne Nahrung und Flüssigkeit noch "12 bis 14 Tage" leben könne. Über die Hintergründe von Eluanas Tod wird nun heftig diskutiert. Die Leiche wurde obduziert.

Eluana sei unerwartet an Herzversagen gestorben, nachdem ihre Nieren aufgehört hatten, zu funktionieren, teilten die Ärzte der Klinik "La Quiete" in der norditalienischen Stadt Udine mit, die die Frau bis zuletzt betreut hatten. In katholischen Kreisen glaubt man an diese Version nicht. "Sie ist nicht gestorben, sie ist getötet worden", hieß es in einem Kommentar der katholischen Tageszeitung "L'Avvenire", Sprachrohr der italienischen Bischofskonferenz CEI, die bis zuletzt appelliert hatte, Eluana das Leben zu retten.

"Regierung müsse schweigen"
Staatspräsident Napolitano erklärte, er empfinde "tiefe Anteilnahme an der Trauer der Angehörigen Eluana Englaros". Jetzt müsse die Politik schweigen, um der Trauer Raum lassen. Es sei wichtig, dass die großen nationalen Parteien die bestehende Gesetzeslücke zum Thema Sterbehilfe unverzüglich schließen.

Die Regierung will jetzt ein Gesetz über Patientenverfügungen vorbereiten, teilte Sozialminister Maurizio Sacconi mit. "Wir machen trotz Eluanas Tod weiter. Wir müssen einen weiteren Fall Englaro verhindern", kommentierte Sacconi. Eluanas Tod dürfe zu keinem Präzedenzfall werden, der in Italien die Tore der Euthanasie öffne.

Vatikan will Ton mildern
Der vatikanische Pressesprecher Pater Federico Lombardi rief die Öffentlichkeit auf, den Ton zu mildern. "Eluana ist jetzt im Frieden. Wir hoffen, dass nach den heftigen Diskussionen die Öffentlichkeit einen konstruktiven Weg findet, um das Leben bis zum Ende zu respektieren", erklärte Lombardi.

Der Vater der Patientin, Beppino Englaro, der seit zehn Jahren für das Sterberecht seiner Tochter kämpfte, bat seine Freunde, ihn in diesem Moment der Trauer alleinzulassen. "Ja, Eluana hat uns verlassen. Ich will nichts dazu sagen. Ich habe alles allein gemacht und niemand soll sich um mich kümmern", sagte Englaro. Eluana wird sehr wahrscheinlich in der Ortschaft Paluzza bei Udine unweit der österreichischen Grenze beerdigt werden, aus der die Familie Englaro stammt. Dort sind auch ihre Großeltern begraben.

(apa/red)