Elsner wird an Österreich ausgeliefert: Gericht in Aix schloss langes Verfahren ab!

Europäischer wurde Haftbefehl über Nacht ausgestellt 3 Gerichtstermine wegen "schlechter Gesundheit"

Über Nacht war am 13. September auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Wien ein Europäischer Haftbefehl gegen den früheren BAWAG-Chef Helmut Elsner ausgestellt worden. Schon am nächsten Tag klickten die Handschellen in Elsners Villa im südfranzösischen Mougin. Seither aber schleppte sich das Verfahren, weil Elsners Anwälte unter Hinweis auf seine angeschlagene Gesundheit mehrmals die Entscheidung des Gerichts hinauszögerten.

Elsner war verhaftet worden, nachdem er sich einer Verhandlung in Wien nicht gestellt hatte, obwohl er vorher mehrmals pünktlich erschienen war. Der 71-Jährige hatte dafür Herzprobleme als Grund angegeben. Nicht zuletzt Medienberichte wonach Elsner mit seinem Porsche unterwegs sei, ließen die Staatsanwaltschaft an der Krankengeschichte zweifeln. Dennoch wurde der Österreicher nach seiner Verhaftung in einer Rettung zum Gericht in Aix-en-Provence gebracht und von einem Amtsarzt untersucht.

Im Gefängnis "les Baumettes" in Marseille blieb er aber nur ein Wochenende, dann hatte sich nach Angaben seines Anwaltes Wolfgang Schubert sein Gesundheitszustand "dramatisch verschlechtert", er kam am 18. September in das Spital "La Timone". Weder die österreichische noch die französische Staatsanwaltschaft sahen aber seinen Zustand als bedrohlich an.

Als Elsner zur ersten Auslieferungsverhandlung am 20. September nicht erschien, beschloss das Gericht, ihn im Spital einzuvernehmen, was am 25. September geschah. Elsner machte dort seinen schlechten Gesundheitszustand geltend, um eine Auslieferung zu verweigern. Das Gericht tagte am 27. nochmals und beschloss, einen Gutachter zu beauftragen, Elsners Transportfähigkeit zu bewerten. Zugleich wurde Elsner gegen Zahlung einer Kaution von 1 Mio. Euro und Abgabe seines Passes auf freien Fuß gesetzt.

Die Kaution erlegte der Geschäftsmann Martin Schlaff am 4. Oktober. Elsner nutzt dies, um zunächst in seine Villa zurückzukehren, von wo aus er rasch in ein Privatspital in Mougin gebracht wurde. Seine Anwälte nannten die "Medienhatz" gegen ihren Mandanten als Auslöser für Elsners Abreise. Der Transport zurück nach Mougin sei auch nicht unter besseren Bedingungen erfolgt als die Fahrt bei seiner Verhaftung, stellte der Staatsanwalt bei der nächsten Verhandlung trocken fest.

Das amtliche Gutachten lag am 10. Oktober vor und beschied Elsner "a priori" Transportfähigkeit. Die Republik Österreich ist auch bereit, eine Flugambulanz zu organisieren, also sollte der Österreicher rasch wieder heimgebracht werden, so das Plädoyer des Staatsanwalts bei der dritten Verhandlung am 17. Oktober. Anwalt Baudoux wollte aber nicht so schnell aufgeben und legte zwei Schreiben von zwei Kardiologen aus dem privaten Spital vor, wonach sich Elsners Zustand verschlechtert habe und ein Transport ein hohes Risiko darstellen würde.

Dem folgte das Gericht von Aix-en-Provence nicht und verfügte mit Urteil vom 19. Oktober Elsners sofortige Überstellung nach Österreich. Sein Anwalt will dagegen berufen, was Elsners Heimtransport abermals verzögern würde. (apa/red)