Elsner bezeichnet Gutachten als "Unfug":
Sein Anwalt präsentiert 180 neue Fragen

Angeklagter ortet "kognitive Dissonanz" bei Kleiner Weiterer Zeuge Partik wird auf Zypern gesucht

Elsner bezeichnet Gutachten als "Unfug":
Sein Anwalt präsentiert 180 neue Fragen © Bild: Reuters/Neubauer

Am Tag 86 im BAWAG-Prozess hat sich eine weitere Verlängerung des Verfahrens abgezeichnet. Nachdem Gutachter Fritz Kleiner Fragen zu seiner Expertise beantwortete, richtete die Verteidigung von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner rund 180 neue Fragen an den Sachverständigen. Richterin Claudia Bandion-Ortner warnte ausdrücklich vor einer Verzögerung. Elsner attackierte den Sachverständigen, er bezeichnete dessen Gutachten als "Unfug" und wollte prüfen lassen, ob Kleiner an "kognitiver Dissonanz" leide. Kleiner zeigte sich von allen Angriffen ungerührt.

Die zeitliche Problematik bei der Befragung: Elsners Anwalt Wolfgang Schubert will seine weiteren Fragen nur in Anwesenheit des Sachverständigen stellen, dieser ist jedoch ab Donnerstag auch im Herberstein-Prozess in Graz als Gutachter tätig. Erst am 14. April wird Kleiner dann wieder beim BAWAG-Prozess anwesend sein können, um die an ihn gestellten Fragen zu beantworten. Anwalt Schubert war heute Nachmittag wegen eines anderen Termins selbst nicht anwesend, der Fragenkatalog wurde von seinem Konzipienten Philipp Strasser verlesen. Bisher hat Elsners Verteidigung 552 Fragen zum Kleiner-Gutachten gestellt, etwa genau so viele Fragen sollen noch folgen. "Wir sind schon bei Frage 550, es geht vorwärts", kommentierte die Richterin. Auch der Angeklagte Wolfgang Flöttl kündigte Fragen an den Sachverständigen an.

"Blitzschlag" oder "Brandstiftung"
Bildhafte Vergleiche von Flöttls Handelsverhalten und den Sondergeschäften der BAWAG sorgten am Vormittag für Erheiterung im Gerichtssaal. Ex-BAWAG-Chef Johann Zwettler verteidigte das anhaltende Vertrauen des Bank-Vorstands in Flöttl nach dem ersten großen Totalverlust, Flöttl habe die Spekulationsverluste quasi auf einen "Blitzschlag" zurückgeführt. Anders sah dies Staatsanwalt Georg Krakow, der Flöttl fahrlässige Brandstiftung vorwarf. Richterin Bandion-Ortner witzelte, man werde wohl noch einen Brandsachverständigen brauchen.

"Flöttl hätte kleinere Brötchen backen müssen und nicht so hohe Einsätze machen, dann wäre auch das Risiko kleiner gewesen", erklärte der Sachverständige. Flöttl musste einräumen, dass er dem BAWAG-Vorstand im April 1999 nicht konkret den Verlust genannt hatte, den die Hapenny-Option bis dahin erlitten hatte. "Ich habe gesagt, dass die Option nicht erfolgreich war. Ich habe nicht gesagt wie hoch der Verlust war". Allerdings hätte der BAWAG-Vorstand durch genaues Verfolgen der Yen-Dollar-Charts auch selber den Verlust der Option erkennen können, meinte Flöttl: "Das hätte der Portier auch machen können".

Weiterer Zeuge wird geladen
Der von Elsners Verteidigung beantragte Zeuge Gerhard Partik soll vor Gericht geladen werden, um über die Karibik-1-Geschäfte mit Flöttl Auskunft zu geben. Partik war bis 1995 BAWAG-Vorstand. Da der Pensionist derzeit auf Zypern lebt, solle die Sonderkommission BAWAG Kontakt zu Partik herstellen. "Wir können ihn nicht zwingen, dass er herkommt", gab Richterin Bandion-Ortner zu bedenken.

Der weitere Zeitplan: Am Donnerstag und nächste Woche am Montag wird die Richterin aus dem Akt verlesen sowie Fragen an die Angeklagten stellen. Am Dienstag kommt der Sachverständige Thomas Keppert, der sein letztes Teilgutachten präsentieren wird. Auch über die Zulassung der heute gestellten neuen Fragen an Kleiner muss das Gericht beraten und entscheiden.
(apa/red)