Elsner ohne Bedenken bei Wiederaufnahme der Karibik-Deals: "Risiko sehr gering!"

Zwettler: Elsner wollte nicht schwächer antreten Flöttl: Letztverantwortung bei Off-Shore-Firmen

Am siebenten Verhandlungstag im BAWAG-Prozess standen die Begleitumstände um die Wiederaufnahme der Karibik-Geschäfte im Jahr 1995 durch den damals neu angetretenen Generaldirektor Helmut Elsner im Mittelpunkt der Einvernahmen. Diese sogenannten "Karibik-2"-Geschäfte kulminierten - nach mehreren Investitionsphasen mit Totalverlusten - im Jahr 2000 in einem Gesamtverlust von über 1,4 Mrd. Euro für die Bank. Die Idee zur Wiederaufnahme stammte von Elsner selber, wie er heute offen bekannte. Elsner wollte damit die Ertragslage der Bank verbessern. Bedenken wegen zu hohen Risikos hatte er damals offenbar keine.

Während Elsners Einvernahme wurde eine kurze Pause eingelegt, weil er sich nicht gut fühlte. Die weitere Vernehmung wurde mit einer Sauerstoffflasche neben dem Angeklagten, der daraus Sauerstoff erhielt, fortgesetzt.

Zu Beginn erörterte Richterin Claudia Bandion-Ortner gemeinsam mit den teils abgesondert vernommenen neun Angeklagten und den Verteidigern die beiden von den Professoren Gerhard Frotz und Christian Nowotny erstellten Gutachten, wonach die Sondergeschäfte letztlich keine wirtschaftliche Einheit bilden und damit nicht unter die Großkreditbestimmungen fallen würden. Dem widersprach Investmentbanker Wolfgang Flöttl, die Letztentscheidung bei allen diesen Gesellschaften sei nur bei ihm gelegen.

Initiative zur Wiederaufnahme von Elsner
Die Initiative zur Wiederaufnahme der Geschäfte der BAWAG mit Flöttl im Jahr 1995 stamme von ihm, sagte Elsner. Als Gründe dafür nannte er die nach seiner Amtsübernahme von seinem Vorgänger Walter Flöttl im Mai 1995 für ihn absehbare schlechtere Ertragslage der BAWAG, die er mit den von ihm erwarteten Erträgen aus den Flöttl-Geschäften offenbar verbessern wollte. Dies erläuterte Johann Zwettler. Die Bank hätte im Jahr 1995 ein um 20 Prozent schlechteres Ergebnis erwartet. Elsner habe daraufhin gesagt, "so können wir nicht antreten".

Wolfgang Flöttl habe immer von einem "geringen Risiko" seiner Geschäfte gesprochen, sagte Elsner, jetzt höre er von Flöttl zum ersten Mal, dass dieser das Risiko höher darstelle. Durch die Überdeckung des eingesetzten Kapitals sei das Risiko für die Bank aber sehr gering gewesen. Flöttl selber habe zunächst keine neuen Geschäfte mit der BAWAG gewollt.

Elsner betonte auch, er habe sich damals über die Vermögensverhältnisse von Flöttl informiert, dessen Vermögen in Presseberichten auf eine Mrd. Dollar (723 Mio. Euro) geschätzt worden sei. Die Wiederaufnahme der Karibik-Geschäfte war 1995 einstimmig vom BAWAG-Vorstand beschlossen worden, und zwar von Elsner, Johann Zwettler, Hubert Kreuch und Josef Schwarzecker. "Wir werden diesen mit äußerst geringem Risiko behafteten Geschäftszweig der Fremdwährungsspekulationen wieder aufnehmen", zitierte die Richterin aus dem Vorstandsprotokoll. Im Zuge einer "Selbstbindung" habe er diese Entscheidung auch dem Aufsichtsrat vorgelegt, obwohl die Causa nicht aufsichtsratspflichtig gewesen wäre, betonte Elsner. Diese Selbstbindung sei er wegen des "Wirbels" um die ersten Flöttl-Geschäfte eingegangen.

"Die Bank hat nicht spekuliert"
"Die Bank hat nicht spekuliert, die Bank hat finanziert", so Elsner. Für die Bank seien es Kreditgeschäfte mit Flöttl mit einer fixen Zinsmarge gewesen. "Das andere war ihm überlassen. Dass er alles verliert, war nicht vorauszusehen", so Elsner.

"Ließ mich von Elsner breitschlagen"
Flöttl schilderte die Wiederaufnahme der Geschäfte mit der BAWAG im Jahr 1995. "Ich habe mich breitschlagen lassen", sagte er, Elsner habe ihn angerufen und einen "moralischen Appell" an ihn gerichtet aber keinen Druck ausgeübt, Elsner habe argumentiert, er habe früher Walter Flöttl geholfen, nun soll ihm sein Sohn helfen für die Bank Geld zu verdienen.

Er war in Erinnerung an den "Wirbel" 1994 um die Geschäfte zuerst gegen neue Geschäfte mit der BAWAG, so Wolfgang Flöttl. "Sie haben aber sehr gut verdient dabei", warf die Richterin ein. Flöttl jun. entgegnete, er habe etwa bei den der BAWAG abgekauften Russland-Forderungen die Hälfte verloren und im Zuge der Aufregung einige seiner sonstigen Kunden verloren. "Ich wollte keinen Medienrummel", Elsner habe ihm aber versichert, er habe mit BAWAG-Aufsichtsratspräsident Herbert Tumpel, damals Vertreter des Eigentümers ÖGB, darüber gesprochen.

Wolfgang Flöttl betonte, er habe Elsner auf das "gewisse Risiko" bei derartigen Geschäften verwiesen. Informationen über seine persönlichen Vermögensverhältnisse habe er Elsner nicht gegeben, "das muss er aus der Zeitung haben". Insbesondere eine von Elsner genannte amerikanische Einkommenssteuererklärung habe er ihm sicher nicht vorgelegt, weil er 1988 auf die Bermudas übersiedelt und daher nicht in den USA steuerpflichtig gewesen sei. Auch Fotos seiner Kunstsammlung habe er Elsner nicht gezeigt. Sein Vermögen habe sich nicht auf eine Mrd. Dollar (728 Mio. Euro) , sondern am Höhepunkt auf 300 Mio. Dollar belaufen.

(apa/red)