Elsner scheitert auch im 13. Anlauf: Ex-
Bawag-Boss muss hinter Gittern bleiben

Richter weist den 13. Enthaftungsantrag Elsners ab 74-Jähriger ist für das Gericht nicht "sterbenskrank"

Elsner scheitert auch im 13. Anlauf: Ex-
Bawag-Boss muss hinter Gittern bleiben © Bild: Reuters/Neubauer

Der ehemalige BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner muss weiter im Gefängnis bleiben. Richter Christian Böhm hat den mittlerweile 13. Enthaftungsantrag von Elsners Rechtsanwälten abgewiesen, nachdem er Elsner in der Krankenanstalt in der Justizanstalt Josefstadt aufgesucht und ein beigezogener Kardiologe ein schriftliches Gutachten über das aktuelle Befinden des 74-Jährigen vorgelegt hatte. Elsners Rechtsbeistand Wolfgang Schubert kritisierte die Verlängerung der U-Haft als "völlig unverständlich"

"Aufgrund des Gesundheitszustands besteht kein Grund, die U-Haft aufzuheben", gab Gerichtssprecherin Christina Salzborn nach der Haftprüfungsverhandlung bekannt. Der Richter habe sich ein persönliches Bild von Elsner gemacht und auf Basis der Ausführungen des beigezogenen Kardiologen Gerhard Kronik entschieden.

"Herrn Elsner geht es den Umständen entsprechend nicht schlecht", sagte Salzborn. Dass dieser herzkrank ist, sei seit längerem bekannt. Beim früheren BAWAG-Chef handle es sich "um keinen gesunden, fitten, 74-jährigen Pensionisten", räumte die Gerichtssprecherin ein. "Aus dem Krankenbild ergibt sich aber nicht, dass Elsner sterbenskrank ist, wie zuletzt kolportiert wurde", betonte Salzborn.

Die Verlängerung der U-Haft ist nicht rechtskräftig. Elsners Rechtsbeistand Wolfgang Schubert behielt sich Rechtsmittel vor, während die Staatsanwaltschaft, die sich gegen Elsners Enthaftung ausgesprochen hatte, mit der Entscheidung naturgemäß einverstanden war.

Anwältin enttäuscht
Schubert zeigte sich im Gespräch mit der APA vom neuerlich abgewiesenen Antrag auf Enthaftung enttäuscht. Der von der Justiz beigezogene Kardiologe habe zwar ein schriftliches Gutachten erstellt, an der Haftprüfung aber nicht persönlich teilgenommen: "Unserem Antrag, die Haftprüfung zu erstrecken und den Kardiologen zu laden, damit dieser sein Gutachten erörtern kann, wurde nicht entsprochen. Darüber hinaus hat der Richter zahlreiche weitere Anträge abgewiesen."

Elsner sei im Rahmen der Haftprüfung "überhaupt nicht medizinisch untersucht worden". Vor dem Termin habe allerdings der Anstaltsarzt am Dienstagmorgen auf der Krankenabteilung in der Justizanstalt Josefstadt bei Elsner Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen festgestellt und dem 74-Jährigen davon abgeraten, an der Haftprüfungsverhandlung teilzunehmen.

"Aus Sicht des Anstaltsarztes musste man befürchten, dass diese bei Herrn Elsner eine gefährliche Situation herbeiführen kann, die sich bis zur Lebensgefahr verstärken hätte können", meinte Schubert.

Die Haftprüfung habe daher ohne Elsner begonnen. Nachdem man im Halbgesperre des Straflandesgericht eineinhalb Stunden die Haftfrage erörtert hatte, habe sich der Richter dazu entschieden, Elsner in der Krankenabteilung aufzusuchen. Dieser sei in sichtlich angeschlagenem Zustand in seinem Bett gelegen und habe Sauerstoff bekommen, berichtete der Anwalt.

"Im Bett zusammengesunken
Nach kurzer Zeit habe der Richter noch am Krankenbett verkündet, dass die Haft verlängert werde. Auf die Frage, wie Elsner darauf reagiert habe, erwiderte Schubert: "Er ist im Bett zusammengesunken. Schlimm."

Aus Sicht Schuberts "hat sich die Justiz überhaupt nicht mit unseren Argumenten befasst, die für die Freilassung sprechen". Auf ein Privatgutachten eines Salzburger Internisten und Kardiologen, der unter Berufung auf Erkenntnisse des Anstaltsarztes Klaus Kaiser-Mühlecker und eines Herzspezialisten am Wiener Wilhelminenspital sowie eigener Untersuchungen bei Elsner eine "Verschlechterung der Gesamtsituation" festgestellt hatte, sei "nicht eingegangen worden".

Helmut Elsner ist im Juli 2008 in der BAWAG-Affäre wegen Untreue, schweren gewerbsmäßigen Betrugs und Bilanzfälschung nicht rechtskräftig zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er befindet sich seit fast drei Jahren in U-Haft.

(apa/red)

Kommentare

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Enthaftung? Da sparen Menschen teilweise über 50ig Jahre und tragen
ihr gesamtes Geld zur Bawag, welches dann ver-spekuliert
wird bzw. veruntreut und der Herr Elsner lebt wie ein toller
Hecht mit Villa, Penthouse, Porsche und Luxus pur und nun
will der Enthaftung?

Wenn das mal durchgehen würde, dann wäre das eine
absolute Sauerei und Verarschung für alle Geschädigten!

Wollen wir nicht auch gleich alle Mörder und Vergewaltiger
wegen Bluthochdruck enthaften? Gleiches Recht für ALLE!!

Soll der Elsner im Knast sterben ... was der anderen
Menschen angetan hat ist mehr als "ein" Verbrechen!
Der hat Familien ruiniert und macht nun einen auf
Opfer!

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Re: Enthaftung? Ganz so sehe ich das nicht. Nicht dass der Herr nicht - wenn rechtskräftig verurteilt - eine Strafe verdient hätte.

Aber die anderen Beteiligten in diesem Fall sind in Freiheit, es besteht keine Fluchtgefahr und der Mann ist gebrochen und am Ende.

Ich bin für eine Entlassung bis zur HV, meinetwegen mit Hausarrest, denn was für andere gilt muß auch für ihn gelten. Als Beispiel hier nur die zwei jungen Männer, die auf lustig einen alten Mann gestossen haben, der dann gestorben ist....

katom5 melden

Re: Enthaftung? Ich finde das schon eine Frechheit wie hier mit dem Herrn Elsner umgegangen wird.
Ja sicher hat er viel Unsinn gemacht und das wird er auch nicht wieder gutmachen können.
Aber nur weil unsere Justiz unfähig ist und extra langsam muss man eine Person in dieser Lage nicht über 3 Jahre in U-Haft stecken.
Er hat ja niemanden ermordet oder verletzt.
Ist unser überall als hochzivilisiertes Land bereits soweit gesunken dass wir uns am Leid anderer erfreuen.
Schämts euch alle miteinander.
Er hat doch eh nichts von seinem Luxus heraußen
Es wurde ihm eh alles genommen.

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