Junge Kunst von

Elli Bauer: "Die Männer
geben sich den Kelch weiter"

Die junge Kabarettistin über ihren Start in einer - bis dato - Männerdomäne

Elli Bauer © Bild: Martin Schneider

Fragt man Elli Bauer nach ihrem Beruf, antwortet die 32-jährige mit „Kabarettistin“. Etwas, das wohl nicht allzu viele 32-jährige Frauen in Österreich von sich sagen. Seit wenigen Monaten bespielt die junge Frau die Kabarett-Bühnen Österreichs und hat ihre Leidenschaft zum Vollzeit-Job gemacht. Mit News.at sprach sie über ihre Anfänge als junge Frau in einer Männerdomäne sowie darüber, was Humor bewirken kann und wer über welche Witze lacht.

News.at: Frau Bauer, beginnen wir am Anfang: Wie sind Sie zum Kabarett gekommen?
Elli Bauer: Ich bin Halb-Schottin und mit sehr viel British Comedy aufgewachsen. Das habe ich geliebt, auch wenn ich als Kind nicht immer alles verstanden habe. Und ich habe immer schon gerne Leute zum Lachen gebracht, schon in der Volksschule.

Sie sind seit kurzem hauptberuflich Kabarettistin. Wie schwer war dieser Schritt, wie groß das Risiko?
Ich habe schon vor mehreren Jahren ein wenig begonnen aber da habe ich mich noch nicht so richtig getraut. Es ist zwar damals schon gut angekommen, aber ich war noch nicht selbstbewusst genug. Das Schwierige ist natürlich das finanzielle Drüberkommen am Anfang. Da muss man sich ein bisschen einschränken. Aber für mich war das so: Wenn ich‘s probieren will, dann muss ich es ganz probieren, sonst habe ich es nie probiert. Mit dem „Alter“ bin ich jetzt auch ein bisschen selbstbewusster geworden und das braucht man auch.

Kann man davon leben?
Ja. Es ist aber immer die Frage, wie man lebt. Mit Einschränkungen halt.

Gibt es einen Plan B, sollte es nicht funktionieren?
In meinem Kopf gibt es derweil keinen Plan B. Aber ich sehe das realistisch: Wenn es sich nicht mehr ausgeht, dann suche ich mir eine Anstellung.

Elli Bauer
© Martin Schneider Elli Bauer macht Musikkabarett

Wie kann man sich Ihr Kabarett vorstellen?
In erster Linie ist es ein Musikkabarett, ich erzähle Geschichten und singe Lieder. Es gibt den englischen Begriff „observational comedy“, also im Grunde sind es lustig verpackte Alltagsbeobachtungen.

Wer sind Ihre großen Vorbilder?
Im englischsprachigen Bereich ist das der Schotte Billy Connolly, das ist ein alteingesessener Stand-Up-Comedian. Und Sandy Toksvig , eine Britin.

Und im österreichischen Bereich…?
Hader steht über allem.

»Die Männer geben sich den Kelch untereinander weiter «

Wie schwer hat man es als junge Frau in der österreichischen Kabarettszene?
Da gibt es zwei Ebenen für mich: Ich beobachte Dinge, die sich aber nicht decken mit dem, was ich erlebe. Ich beobachte schon Schwierigkeiten für Frauen aus den gleichen Gründen, aus denen wir es immer schwer haben. Die Männer geben sich den Kelch untereinander weiter weil die, die den Ton angeben, meistens immer noch Männer sind. Andererseits gibt es gerade einen großen Hype und Strom von jungen, weiblichen Comedians und Kabarettistinnen. Das wird immer mehr und stärker und auch viel sichtbarer.

Und Ihre persönlichen Erfahrungen?
Ich persönlich hatte nie Schwierigkeiten.

Bis jetzt war das Kabarett eher eine Männerdomäne. Warum? Waren Frauen nicht so lustig?
Das ist ganz vielschichtig. Ich glaube, dass Frauen vielmehr beigebracht worden ist, zu gefallen und angepasst zu sein. Bringt man aber etwas auf die Bühne, dann ist das meistens „edgy“. Das heißt, man spricht etwas an, wo man normalerweise nicht so drüber redet. Das ist ein Verhalten, das Frauen nach wie vor leider nicht so beigebracht wird.

»Comedian-sein ist bei weitem nicht nur Gabe, sondern wie alles, auch eine Übungssache«

Außerdem werden Frauen schneller kritisiert und dadurch trauen sie sich nicht so schnell auf die Bühne. Dabei ist Comedian-sein bei weitem nicht nur Gabe, sondern wie alles, auch eine Übungssache. Und da ist meine Befürchtung, dass Frauen viel zu sehr perfekt sein wollen, bevor sie überhaupt auf die Bühne gehen. Männer arbeiten viel eher mit dem „Schauen wir mal“-Prinzip, eben auch weil sie nicht so schnell kritisiert werden, wenn sie Fehler machen.

Wie war das bei Ihnen? Sind Sie ermutigt worden, auf die Bühne zu gehen?
Ja! Von all meinen Freunden und meiner Familie. Ich habe eine Wahnsinns-Unterstützung seit ich klein bin. Aber ich falle bestimmt auch in dieses Raster. Ich übe … sehr viel, sagen wir einmal so.

Unterscheidet sich der Humor von Männern und Frauen? Wie?
Ich denke, immer weniger. Ich habe das Gefühl, dass Männer derzeit vielleicht noch eine Spur derber sind und sich mehr kontroverse Themen erlauben können. Von Frauen kennt man eher noch dieses „hysterische lustig sein“ aus dem Fasching. Das wird aber deutlich weniger.

Machen Sie auf der Bühne Ihr Frau-sein zum Thema? Wird das von einer Frau vielleicht sogar erwartet?
Ich glaube schon, dass das viele gemacht haben. Ich versuche aber, so gut wie möglich, nicht mit dem Finger drauf zu zeigen, sondern ich verwende Themen, die wirklich Frauen betreffen ohne zu sagen: „Das ist für die Frauen“.
Ich singe zum Beispiel ein Lied über einen Frauenarzt-Besuch und das kann natürlich nur ich als Frau so erzählen. Und es können auch nur Frauen bis zu einem gewissen Grad verstehen.

Wie reagiert das Publikum auf so einen Frauenarzt-Song?
Das ist lustig. Bei dem Lied bekomme ich Reaktionen von kompletter Stille bis zu johlendem Gelächter. Es kommt immer drauf an, wer im Publikum sitzt. Lachen ist ja so eine gruppendynamische Sache. Es stellt sich oft die Frage: Traue ich mich zu lachen?
Die älteren Herren sind meistens überfordert. Aber das spreche ich nachher an, und dann lachen alle und es passt wieder.

In Salzburg gibt es seit kurzem ein eigenes Frauenkabarett-Festival . Denken Sie, ist sowas nötig bzw. zielführend?
Diese Dinge haben zwei Seiten für mich. Auf der einen Seite wird garantiert, dass Frauen überhaupt eine Auftrittsmöglichkeit bekommen. Andererseits kann man sich natürlich die Frage stellen, warum man nicht einfach ein Kabarettfestival macht. Aber ich denke, im Moment ist so etwas noch sehr wichtig.

Elli Bauer
© Martin Schneider "Mein Programm ist sozialpolitisch aber nicht parteipolitisch"

Spielt in Ihrem Kabarett die Politik auch ein Thema?
Wenig. Es kommt vor, aber es ist kein Hauptfokus von mir. Ich würde sagen, mein Programm ist sozialpolitisch aber nicht parteipolitisch.

Wollen Sie einfach nur lustig sein, oder auch etwas verändern oder auf Missstände hinweisen o.ä.?
Ich bin keine Fingerzeigerin, das mag ich gar nicht. Ich erzähle lieber, was ich mir denke und die Leute können sich dann etwas dazu denken.

»Jede Personengruppe sucht sich die Kunst, die bequem für sie ist.«

Kann das Kabarett, kann Humor etwas verändern in einer Gesellschaft?
Ich würde gerne sofort „Ja“ sagen. Natürlich sucht sich jede Personengruppe die Kunst, die bequem für sie ist. Das heißt, man sucht sich eher die, die die eigene Meinung bestärkt.

Ob es etwas bewirken kann? (überlegt…) Wenn jemand sehr sehr originell ist und wirklich neue Dinge aufreißt, kann es zumindest dazu führen, dass ein Thema am Tisch liegt. Und das kann auf jeden Fall was bringen.
Mein Wunsch als Künstlerin ist es natürlich, dass ich irgendjemanden über irgendetwas zum Nachdenken bringe, weil alles, was ein Denkanstoß ist, kann etwas weiterbringen.

Sie touren viel. Gibt es Unterschiede in Österreich je nach Region im Publikum? Findet die Linzerin etwas lustiger als der Grazer?
Ich merke den größten Unterschied im Alter. Ich habe zum Beispiel „Herr der Ringe“-Anspielungen oder Social-Media-Anspielungen, da gibt es wirklich einen großen Cut. Wenn ich vor Älteren spiele, erkläre ich zum Beispiel, was Tinder ist, bevor ich meinem Tinder-Song spiele.

Gibt es das typische Elli-Bauer-Publikum?
Nein, noch nicht. Aber ins Kabarett gehen eher ältere Leute. Es wird ja immer dieser Unterschied zwischen Kabarett und Comedy gemacht. Und bei Stand-Up-Comedians gibt es tendenziell ein jüngeres Publikum.

Was ist der Unterschied zwischen Comedy und Kabarett?
Da bin mir nie so ganz sicher…(lacht) . Stand-Up ist eher aus dem Moment heraus und Kabarett ist eher ein Programm mit rotem Faden, und - vielleicht im österreichischen - einem nachdenklichen Moment. Das wäre spontan der Unterschied, der mir einfällt.

Weitere Infos und Live-Termine von Elli Bauer finden Sie hier.

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