Ellen Müller-Preis mit 95 Jahren verstorben:
1932 in Los Angeles Fecht-Olympiasiegerin

Erlag im Krankenhaus Lainz einem Nierenversagen Drei weitere Fecht-Weltmeistertitel 1947, 1949, 1950

Ellen Müller-Preis mit 95 Jahren verstorben:
1932 in Los Angeles Fecht-Olympiasiegerin

Der österreichische Fechtsport hat seine erfolgreichste Athletin verloren. Ellen Müller-Preis, die im Krankenhaus Lainz (Wien) im Alter von 95 Jahren einem Nierenversagen erlegen ist, war Österreichs einzige Fecht-Olympiasiegerin (1932 in Los Angeles) und 1949 erste Sportlerin des Jahres in Österreich. Zudem gewann sie drei Weltmeister-Titel.

Ihren letzten großen Auftritt hatte Müller-Preis im Mai 2007, als zu Ehren ihres 95. Geburtstages ein Fest mit zahlreicher Prominenz aus Sport, Kultur und Politik organisiert worden war. Das Geheimnis ihres Alters erklärte sie damals im APA-Interview so: "Das sind zum einen die Gene als Geschenk eines Allmächtigen. Zum Teil liegt das auch daran, wie man sein Leben aufbaut und formt. Ich bin immer noch sehr neugierig und verstehe mich mit der Jugend sehr gut. Und natürlich liegt das zum Teil auch am Sport."

Die multitalentierte Sportlerin Ellen Müller (geboren am 6. Mai 1912 in Berlin) war 1930 als 18-jähriges Mädchen zu ihrer Tante, der Leiterin des Wiener Fechtsaals, von Deutschland nach Wien gekommen, um hier Unterricht zu erhalten. Dank ihres großen Talents wurde Ellen nur ein halbes Jahr später österreichische Staatsmeisterin und im Jahr darauf Dritte der EM in Wien. Als Doppelstaatsbürgerin fragte sie zuerst beim deutschen Verband um die Entsendung zu den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles an, wurde aber abgelehnt.

In Wien fand sie hingegen Gehör. Also reiste sie für Österreich per Ozeandampfer zu den Sommerspielen in die USA. Die 20-Jährige holte Gold, es sollte das bis heute einzige in der Geschichte des heimischen Fechtverbandes bleiben.

Große sportliche Erfolge
In ihrer unglaublichen Laufbahn gewann Ellen Müller-Preis 1936 in Berlin und 1948 in London auch noch zwei olympische Bronzemedaillen. Dazu kamen drei Weltmeister-Titel (1947, 1949, 1950) sowie zwischen 1931 und 1957 acht weitere WM-Medaillen und 21 nationale Meistertitel. Die Bronzene 1948 war auch das letzte Olympia-Edelmetall für Österreichs Fechtsport.

Als 44-Jährige erreichte Müller-Preis 1956 bei Olympia in Melbourne noch einmal das Finale. Nach Beendigung ihrer aktiven Sportkarriere war die Professorin für Deutsch und Turnen lange auch Trainerin bei den Klubs in Mödling und Wiener Neudorf.

Unterrichtete zahlreiche Schauspieler
Die gebürtige Berlinerin, Tochter eines Steirers und einer Rheinländerin, auf den Sport zu reduzieren, wird der großen Dame aber nicht gerecht. Die Mutter zweier Söhne war nach ihrer über rund drei Jahrzehnte gehenden Karriere auch Pädagogin und Fechtmeisterin. Als Universitätsprofessorin an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst und dem angeschlossenen Reinhard-Seminar brachte sie unzähligen Künstlern von Burg und Oper die Kunst des Bühnen-Fechtens bei.

Durch ihre Schule gingen viele bekannte Schauspieler wie Helmut Lohner, Gertraud Jesserer oder Erika Pluhar, auch mit Herbert von Karajan oder Michel Heltau hatte Müller-Preis beruflich zu tun. Bis ins hohe Alter unterrichtete sie auch Atemtechnik und pflegte bis zuletzt einen intensiven Kontakt nicht nur zu ihren Studenten, sondern auch zur Sportszene.

Letztes Jahr noch in Australien
So war Müller-Preis zuletzt 2004 auch bei den Olympischen Sommerspielen in Athen. Das IOC hatte sie für nur zwei Tage eingeladen, deshalb bezahlte Müller-Preis den Rest des fast zweiwöchigen Aufenthaltes selbst. Noch im Vorjahr war die reiselustige Dame, die ihren Haushalt in Wien selbst führte, in Australien.

Österreich verlor mit Müller-Preis aber nicht nur seine erfolgreichste Fechterin, sondern auch eine faire Sportlerin, die stets Vorbild war und sich entschieden gegen Doping und für Fairness aussprach: "Mit der richtigen Auffassung vom Leben hat man auch so Erfolg. Wir haben sehr häufig die Treffer selbst angesagt, denn wir waren sehr fair zueinander. Man sollte lieber verlieren, als unfair zu sein".

(apa/red)