Elizabeth T. Spira von

Wohltuend normal & schonungslos brutal

David Pesendorfer über den Erfolg der Elizabeth T. Spira

Elizabeth T. Spira - Wohltuend normal & schonungslos brutal © Bild: NEWS

Das Gesicht dieser Frau hat kein Beauty-Doc gedehnt und gebotoxt. Dieses Gesicht erzählt noch Geschichten. Die Geschichte eines Kindes aus jüdischem Elternhaus etwa, das von seinen Lehrern antisemitisch gemobbt wird. Die Geschichte eines zornigen Twens, der bei einer Rauferei in der Alpenvereinshütte einem Altnazi die Nase bricht.

Die Geschichte einer nimmermüden Chronistin, die in ihren "Alltagsgeschichten" und – in abgeschwächter Form – auch in ihren "Liebesg'schichten" dieses Land so zeigt, wie es niemals mehr sein will.

Dennoch, und das ist der eigentliche Erfolg der Elizabeth Toni Spira, steht dieses Gesicht nicht einmal an den umnebeltsten Biertischen für Nestbeschmutzung, sondern für ziemlich konkurrenzlose Breitenwirkung: Spira, das ist der letzte große Publikumsliebling unseres öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die Letzte, die regelmäßig ein Millionenpublikum an die Bildschirme fesselt.

Warum? Weil sie trotz ihrer schonungslosen Brutalität so wohltuend normal ist. So normal wie ihr Gesicht mit den ungebügelten Falten. So normal wie wir. Und weil uns die "Spira-Figuren" stets aufs Neue mit wohligem Schauer erfüllen. Denn die sind nicht so normal wie wir. Nein, die "Spira-Figuren", das sind gottlob immer die anderen.