Elite-Uni in Gugging: Finanzierungsplan steht bereits, Herbst-Start verzögert sich

Kostenvoranschlag beläuft sich auf 571,5 Mio. Euro Gehrer: Forscher werden erst in zwei Jahren arbeiten

Auf dem Weg zu einer "Elite-Uni" hat die Regierung am Tag nach dem Einbringen eines Initiativantrags im Parlament am Donnerstag nachgelegt. Im Ministerrat wurde der Finanzierungsplan beschlossen und eine Paragraf-15a-Vereinbarung mit Niederösterreich abgesegnet. Gleichzeitig räumte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer ein, dass die ersten Forschergruppen erst in zwei Jahren arbeiten werden. Der Präsident und die Verwaltung sollen aber bereits im Herbst ihre Tätigkeit aufnehmen. Komitees sollen jetzt unter anderem bei der Suche nach Wissenschaftern und Forschungsfeldern helfen.

Für die ersten zehn Jahre des "Institute of Science and Technology - Austria" in Gugging (NÖ) werden insgesamt Kosten von 571,5 Mio. veranschlagt: Für den laufenden Betrieb des Spitzenforschungsinstituts sind 455 Mio. Euro reserviert. Davon entfallen auf den Bund zunächst 195 Mio., auf das Land Niederösterreich 30 Mio. und auf Drittmittel 135 Mio. Euro. Darüber hinaus verdoppelt der Bund eingeworbenen Drittmittel bis zu einem Betrag von 95 Mio. Euro. Die einmaligen Errichtungskosten von 80 Mio. Euro für Gebäude und Infrastruktur werden von Niederösterreich getragen. Dazu kommen vom Land übernommene Grundstückskosten von 35 Mio. Euro und Kosten für eine Verkehrsanbindung von 1,5 Mio. Euro.

Bedeckt hielt sich der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, zum finanziellen Beitrag der Industrie. Der von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel genannte Betrag von 30 Mio. Euro sei lediglich ein Rahmen.

Komitee-Gründungen
Zur Suche nach Wissenschaftern und einem ersten Präsidenten werden außerdem neue Komitees gegründet. Ein "National Committee" unter dem Vorsitz von Wissenschaftsrats-Chef Jürgen Mittelstraß soll das Projekt mit der nationalen und europäischen Exzellenzstrategie abstimmen. Ein von der IV finanziertes "International Committee" wiederum soll "grundlegende Empfehlungen für die Vorgangsweise in der Gründungsphase und für den weiteren Aufbau" des Instituts erarbeiten. Dazu zählen die Definition der Forschungsthemen, eine Methode zur Findung der ersten leitenden Forscher sowie ein Anforderungsprofil für den ersten Präsidenten. Außerdem soll das Komitee Vorschläge für die Zusammensetzung jenes von der Regierung beschickten Beirats liefern, der den ersten Präsidenten des Instituts bestellt.

Kritik an der Machtfülle des Kuratoriums, des obersten Leitungsorgans des Instituts, übte der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald. Damit seien "alle Befürchtungen bei weitem übertroffen" worden. Dieses legt Organisation und strategische Ausrichtung fest, genehmigt das Budget und bestellt sämtliche Leitungsfunktionen. In ihm vertreten sind vier von der Regierung bestellte Mitglieder sowie drei vom Land Niederösterreich berufene Personen mit je einer Stimme. Eventuelle weitere Mitglieder haben insgesamt nur eine Stimme. SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal befürchtet einen "reinen ÖVP-Aufsichtsrat".

Gehrer verwies auf internationale Gepflogenheiten: Das Kuratorium sei ein "Kontrollorgan", in dem Vertreter jener Institutionen säßen, die die finanziellen Grundlagen garantieren. Der Initiativantrag basiere im Wesentlichen auf Vorschlägen des Wissenschafter-Gremiums um den Physiker Anton Zeilinger. Falls es "missverständliche Formulierungen" gebe, könnten diese bis zum geplanten Nationalratsbeschluss Ende März noch geändert werden.

(apa/red)