Opernkritik von

Seelenqualen einer Königin

Mit Rossinis "Elisabetta" zeigt das Theater an der Wien, wie spannend Oper sein kann

Elisabetta © Bild: Herwig Prammer

Im Königsdrama um die englische Regentin Elisabeth I. zeigt Dirigent Jean-Christoph Spinosi wie intensiv und dramatisch Rossini klingen kann. Mit seinen Originalklängern, dem Ensemble Matheus, generiert er aus einem klug, aber wenig spektakulär komponierten Werk, faszinierendes Musiktheater mit einem exzellenten Sänger-Ensemble.

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Gioachino Rossini war ein ingeniöser Verwerter seiner eigenen Werke. Die Ouvertüre seiner "Elisabetta - Regina d’Inghilterra" ist bekannt, fast Takt für Takt hat Rossini sie von seiner heute meist gespielten Oper, "Il Barbiere di Siviglia" aus dem Jahr 1816 übernommen. Aber auch für die Geschichte des pfiffigen Friseurs griff er auf Vorhandenes zurück. Das Original stammt aus einem früher komponierten Werk, der 1813 komponierten Oper "Aureliano in Palmira". Das spricht weder gegen den Recycler Rossini, noch gegen das Werk. Die Koloraturen sind anspruchsvoll, die Musik ist ein Katalysator für große Emotionen.

Elisabetta
© Herwig Prammer

Regisseurin Amélie Niermeyer zeigt die Figuren als Gefangene ihres gesellschaftlichen Status und ihrer Gefühle. Elisabetta liebt den Feldherrn Leicester, der aber ist verheiratet und versucht seine Frau, eine Tochter Marys, ihrer ehemaligen schottischen Feindin, zu verbergen. Die Königin schlüpft für Amtshandlungen in opulente Reifrockroben, die auf einem fahrbaren Untersatz stehen. Elisabetta ist nicht Herrin über ihre Schritte, sondern muss sich der Staatsräson fügen. Das erzeugt Beklemmung, die Alexander Müller-Elmaus Bühne, auf der dunkle, goldene Wände verschoben werden, noch verstärkt. Am Ende herrscht Vergebung. Der Intrigant und Bösewicht Norfolk wird vernichtet.

Elisabetta
© Herwig Prammer

Rossinis Koloraturen verlangen jedem im Ensemble Enormes ab. Die Kanadierin Alexandra Deshorties verkörpert die Elisabetta mit einem Höchstmaß an Intensität und passt die bravourösen Koloraturarien ihrem Schauspiel an. Norman Reinhardt ist ein exzellenter Leicester, der mit seinem klaren Tenor Spannung erzeugt. Barry Banks ist darstellerisch und gesanglich ein formidabler Gestalter und die Idealbesetzung für den Bösewicht Norfolk. Von Ilse Eerens (Matilde) und Natalie Kawalek (Enrico) lässt sich nur Bestes berichten. Erik Arman (Guglielmo) komplettiert elegant.

Elisabetta
© Herwig Prammer

Theater an der Wien

Aufführungen am: 19. / 21. / 24. / 26. / 28. März 2017, 19.00 Uhr

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