Elisabeth Bleyleben-Koren: Die designierte
Chefin der Erste Bank im FORMAT-Porträt

60-Jährige wollte eigentlich Chemiestudium beginnen "Eiserne Lady" punktet mit zahlreichen Fähigkeiten

Elisabeth Bleyleben-Koren: Die designierte
Chefin der Erste Bank im FORMAT-Porträt © Bild: Format/Beck

In knapp drei Monaten, am 9. Oktober, wird Elisabeth Bleyleben-Koren 60 Jahre alt. Zuvor, am 11. August, erklimmt sie die ultimative Sprosse der Karriereleiter und wird als Vorstandsvorsitzende der Erste Bank Oesterreich die erste Frau, die in diesem Land eine Großbank führt. "Eigentlich wollte ich Chemie studieren, aber mein Vater hat gemeint, ein kurzes Studium mit vielfältigen Berufschancen wäre besser, und als gehorsame Tochter habe ich eben Jus studiert.", gibt sie im Gespräch mit FORMAT zu. Dabei hätte sie weder eine Laufbahn als Richterin noch als Anwältin oder Staatsanwältin interessiert.

Dass es schließlich eine Bankkarriere wurde, die so erfolgreich war, wie sie sich das "nie, nie, nie, nie vorgestellt hätte, kam unerwartet. Ich wollte einfach nur einen interessanten Job, mit dem ich mich selbst erhalten kann." Und sie wollte etwas leisten. "Man ist mir so oft mit der Einstellung begegnet, was will denn das Ministertöchterl. Das Protektionskind braucht eh nicht zu arbeiten, die soll sich einen Mann suchen. Da habe ich mir früher selbst sehr viel Druck gemacht, weil ich beweisen wollte, dass ich etwas leisten will und kann." Das ist ihr nachhaltig gelungen.

Seit 1977 in der Erste Bank
Im März 1973, vier Monate nach ihrer Promotion, bekam sie ihren ersten Job in der Creditanstalt. Vier Jahre später wechselte Koren - noch ohne Bleyleben - in die Erste österreichische Spar-Casse, der sie für den Rest ihrer Laufbahn treu geblieben ist. 1997 stieg sie in den Vorstand auf, 1999 wurde sie Nummer zwei neben Andreas Treichl. Nun, nach der Neustrukturierung des Konzerns, übernimmt sie mit der Erste Bank Oesterreich das Spitzeninstitut des Sparkassensektors. Damit erntet die ebenso zähe wie zierliche Mödlingerin die Früchte ihrer - nach eigener Einschätzung - bisher größten Leistung.

"Liebe Frau Doktor und tun S' heiraten"
Beim Thema Frau und Karriere, dem die "Business Woman of the Year 1997" in keinem Interview entgeht, bekommt sie unwillkürlich genervte Züge. Sie hält es für weit überschätzt: "Da haben sich die Rollenbilder schon stark gewandelt. Noch sind wenige Frauen in Toppositionen, aber das wird sich in den kommenden Jahren ändern. Für Männer ist es genauso hart, sich bei Spitzenjobs durchzusetzen, und man braucht immer auch Glück und die Gunst der Stunde." Zu Beginn ihrer Laufbahn, als die Rollenbilder noch andere waren, gab es freilich einiges, was den Koren'schen Anekdotenschatz bereichert hat. "Ich war mich bei der Bundeswirtschaftskammer vorstellen und wollte mich dort auf Steuerrecht spezialisieren. Der Personalchef hat gemeint:, Liebe Frau Doktor, machen S' doch das Gerichtsjahr, und tun S' heiraten. Außerdem nehmen wir keine Frauen in der Steuerabteilung.' Da bin ich halt zur Creditanstalt gegangen."

Und das war die bis heute wohl folgenreichste Wendung in ihrem Leben: Ein Trainee-Programm brachte ihr einerseits die Erkenntnis, dass Banking genau das Richtige für sie wäre, und andererseits die Bekanntschaft ihres späteren Ehemannes Alfred Bleyleben.

Eiserne Lady
Ihre extreme Korrektheit und Präzision, eine stets aristokratisch-aufrechte Körperhaltung, die Orthopäden begeistert und gleichzeitig arbeitslos macht, und ihr perfekter, immer edler Kleidungsstil haben ihr Beinamen wie Eisprinzessin oder Eiserne Lady eingetragen. Dazu kommen Fähigkeiten wie extreme Ausdauer und Hartnäckigkeit sowie ein enormes Arbeitspensum, das nicht zuletzt Grundlage ihres beruflichen Erfolges war. Anders als Andreas Treichl, als dessen Stellvertreterin sie seit neun Jahren fungiert und der durch glanzvolle Übernahmen, große Visionen und Spontanität das äußere Bild des Konzerns bestimmt, hat Bleyleben-Koren immer mehr nach innen gewirkt. Präzise Umsetzung, genaue Pläne und enorme Effizienz sind ihre Stärken.

"Politiker verstecken sich hinter Brüssel"
Diese kompromisslosen Werte und eine Direktheit, die ehemalige Kollegen als bis hin zum Verletzenden beschreiben, haben einen anderen Karrierepfad von vornherein ausgeschlossen. Für die Ministertochter kam eine aktive politische Rolle nie infrage: "Ich bin familienbedingt politisch sehr interessiert. Aber ich habe bei meinem Vater gesehen, wie unbedankt und hart dieser Job ist." Den aktuellen Zusammenbruch der Koalition sieht sie als notwendig an: "Das war schon richtig abstoßend zu beobachten, wie hier miteinander umgegangen wurde. Die Frage ist nur, ob es nach der nächsten Wahl Alternativen gibt und wie man die politikverdrossenen Wähler dazu bringen wird, überhaupt ihre Stimme abzugeben." Dies werde nur mit vielen neuen und glaubwürdigen Köpfen möglich sein. Auch die EU-Verdrossenheit macht der Bankerin zu schaffen: "Natürlich ist Österreich einer der größten Profiteure, alleine wegen der Tausenden Arbeitsplätze, die die Osterweiterung gebracht hat. Aber wer erklärt das denn den Bürgern? Bei allem, was unangenehm ist, verstecken sich die Politiker hinter Brüssel, das Positive bewerben sie als eigene Leistung. Es gibt einfach niemanden, der konsequent die Vorteile Europas erklärt."

Privates Glück
Mit ihrem um 26 Jahre älteren Ehemann Alfred Bleyleben, mit dem sie mittlerweile fast 25 Jahre verheiratet ist, sei sie "einfach glücklich". "Er ist mein Lebensmittelpunkt", betont sie, nur für den Fall, dass man glauben könnte, es sei die Bank. "Ich habe noch viel vor und bin mit meinem Leben sehr zufrieden." Und Zufriedenheit ist in der Welt von Bleyleben-Koren das eigentliche Ziel menschlichen Lebens.

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