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Was wurde
eigentlich aus Elga?

Wer die elektronische Gesundheitsakte schon nutzt und was die Ärztekammer kritisiert

Vernetzte Gesundheitsdaten © Bild: Istockphoto.com/ipopba

Mittlerweile ist es still um die elektronische Gesundheitsakte - kurz Elga - geworden. Das wirft die Frage auf: Wie sieht es heute eigentlich mit der Vernetzung der Gesundheitsdaten von Herr und Frau Österreicher aus?

Rund 8,5 Millionen Österreicher sind laut Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVB) Versicherte oder mitversicherte Angehörige. Auch wenn es vielen vielleicht nicht bewusst ist, hatten bis Ende Jänner 2018 immerhin 4.330.000 Bürger Elga-Kontakte, wie der HVB mitteilt. Insgesamt 266.000 Versicherte sind bis zu diesem Zeitpunkt aus Elga ausgestiegen, wobei 238.000 Abmeldungen zum Start der elektronischen Gesundheitsakte im Dezember 2015 erfolgt sind.

»Die Ärzte würden das System gerne verwenden, wenn es die Arbeit tatsächlich erleichtern würde«

Und wo kommt die vernetzte Gesundheitsakte bereits zum Einsatz? Vor allem Spitäler haben aktuell die Möglichkeit damit zu arbeiten: "Von 50.000 öffentlich verfügbaren Spitalsbetten sind derzeit 43.000 mit Elga hinterlegt, das sind also knapp 86 Prozent", sagt ein Sprecher des HVB. 12,6 Millionen elektronische Befunde seien mit Stand Ende Jänner 2018 verfügbar. Große Krankenhausträger können Elga teilweise seit 2015 nutzen. Doch das tue kaum jemand, teilt Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte mit. Das System sei nach wie vor unübersichtlich, die Usability dementsprechend schlecht. "An unserer Meinung über Elga hat sich nichts geändert. Die Ärzte würden das System gerne verwenden, wenn es die Arbeit tatsächlich erleichtern würde", sagt er.

Trotz Kritik sollen sämtliche Kassenärzte und Apotheken bald ebenfalls verpflichtend in das System eintauchen: Die Elga-Verordnungsnovelle regelt für diese Gesundheitsdienstanbieter ab März 2018 bis September 2019 die schrittweise Einführung von Elga nach politischen Bezirken. Seit 8. März 2018 steht die Elga Kassenärzten und Apotheken im steirischen Bezirk Deutschlandsberg zur Verfügung, es folgen ab 29. März die Bezirke Hartberg-Fürstenfeld, Leibnitz, Südoststeiermark und Weiz.

E-Medikation gestartet

In Vorarlberg fiel schon im Jänner 2018 der Startschuss für die sogenannte E-Medikation. Nach und nach sollen die anderen Bundesländer folgen (siehe Grafik unten). Die E-Medikation ist eine Teilfunktion von Elga, bei der von Ärzten verordnete und in der Apotheke gekaufte Medikamente in einer E-Medikationsliste für ein Jahr gespeichert werden. Wechselwirkungen sollen so besser überprüft werden können. Vorausgesetzt der Patient ist bei Elga, sind behandelnde Ärzte verpflichtet, das verschriebene Medikament als E-Medikation zu speichern. Das Rezept erhält einen speziellen Code. Der Rezeptcode wird wiederum in der Apotheke gescannt und daraufhin erscheint das Medikament in der E-Medikationsliste als "abgeholtes Arzneimittel". Patienten können die Liste auf dem Elga-Portal einsehen. Neben dem Arzt hat auch die Apotheke nach Stecken der E-Card Zugriff auf die gesamte Medikamentenliste.

e-Medikation Einführung
© News.at

Elga-Verantwortliche und der Hauptverband heben immer wieder die hohen IT- und Sicherheitsstandards des Systems hervor. Zugreifen dürfen nach Elga-Gesetz nur jene Ärzte und Gesundheitseinrichtungen, die gerade den betreffenden Patienten behandeln. Kommt der Verdacht des Datenmissbrauchs auf, können sich Betroffene an die Elga-Ombudsstelle wenden. Im Fall von unbefugten Zugriffen drohen Geldstrafen in der Höhe von mehreren 10.000 Euro oder eine Haftstrafe von bis zu einem halben Jahr bei vorsätzlichem widerrechtlichen Verlangen von Gesundheitsdaten.

"Die Informationsinfrastruktur von Elga funktioniert seit dem Start des Rollouts ausgezeichnet", teilt der Sprecher des HVB mit. Viele IT-Systeme seien im Zuge der Einführung nachjustiert worden. Eine ausschließlich verschlüsselte Kommunikation, die persönliche Identifikation der einzelnen Anwender und die eindeutige Identifikation der Patienten würden unter anderem die höchsten Sicherheitsstandards garantieren. Ein weiteres Anliegen sei die anwenderfreundliche Gestaltung der Informationsgewinnung, die bei mehreren EDV-Systemen bereits zufriedenstellend durchgeführt worden sei.

Was die Ärztekammer kritisiert

Die Ärztekammer sieht das anders: Der Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer kritisiert, dass die Ärzte mit "vorsintflutlichen EDV-Tools" arbeiten müssten. Elga beinhalte kein modernes IT-System, mit dem man arbeiten könne, sagt Harald Mayer. Er prangert die aufwendige Suche nach den richtigen Befunden an: Eine gute Suchfunktion fehlt, stattdessen findet man eine Anhäufung von PDF-Dateien. Damit steigt der Zeitaufwand für den Arzt.

Erst eine Arbeitserleichterung würde einen Vorteil für Patient und Arzt bringen. Momentan sehe die Lage aber so aus, dass er den Befund schneller zur Hand habe, wenn er ihn durch den Patienten telefonisch vom zuständigen Gesundheitsdienstanbieter anfordern lasse, wie Mayer mitteilt. Zudem hätten Ärzte bereits vor Elga innerhalb eines Bundeslandes Einsicht in Befunde großer Krankenhausträger gehabt.

Die Elga GmbH weist den Vorwurf eines veralteten EDV-Systems zurück. Man müsse zwischen dem eigenen IT-System in einem Spital oder einer Praxis und der von Elga bereitgestellten Service-Infrastruktur unterscheiden, wie Martin Hurch von der Elga GmbH mitteilt. "Elga läuft im EDV-System des jeweiligen Gesundheitsdienstanbieters und stellt kein eigenes Tool bereit", sagt Hurch. In Österreich gebe es über 80 verschiedene Softwareanbieter für Ordinationssysteme. Es komme also darauf an, mit welchem System das Spital oder der Arzt arbeite und ob dieses veraltet sei. Es liege daher in der Hand des Gesundheitsdienstanbieters, veraltete Software modernisieren zu lassen.

»Sinnvoll ist nur eine Gesamtkrankengeschichte«

Mayer sieht allerdings ein weiteres Problem. Spitäler und Ärzte wissen nach jetzigem Stand nicht, welche Befunde Patienten im System lassen und welche sie herausnehmen. "Sinnvoll ist nur eine Gesamtkrankengeschichte. Solange der Patient einzelne Befunde sperren kann, ist das Ganze sinnlos", sagt der Mediziner. In diesem Zusammenhang sind auch Wechselwirkungen schwieriger zu diagnostizieren. Denn erfahrungsgemäß werden meist nicht die harmloseren Medikamente verschwiegen, sondern heiklere wie Psychopharmaka. Genau das sind aber jene Medikamente mit starken Neben- und Wechselwirkungen.

Was muss sich also ändern? Nach Ansicht der Ärztekammer gehört Elga reformiert und dafür muss Geld in die Hand genommen werden. Bleibt Elga so wie es ist, prognostiziert Mayer spürbare Folgen für Patienten: Ärzte werden täglich weniger Patienten untersuchen können, da ein Kassenarzt durch die verpflichtende Verwendung von Elga im Durchschnitt pro Patient fünf Minuten länger brauchen wird. Das kann zu einer Versorgungsverschlechterung führen. "Der Patient wird der Leidtragende sein. Das ist eine Tatsache", sagt Mayer.

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