Die wichtigsten Fragen und
Antworten zum ELGA-Start

Am Mittwoch startet die Elektronische Gesundheitsakte - was Sie wissen müssen

Nach jahrelangen Vorbereitungen, mehreren Verschiebungen und beinahe endlosen Diskussionen startet am Mittwoch die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) in ihre erste Ausbaustufe. Den Anfang machen Spitäler in Wien und der Steiermark, gleichzeitig geht das ELGA-Portal in Vollbetrieb. Die Verantwortlichen schließen Kinderkrankheiten nicht aus, erwarten bei der Einführung des Systems aber keine größeren Probleme. News.at beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zur Elektronischen Gesundheitsakte.

von ELGA im Einsatz © Bild: APA/Harald Schneider

Was ist ELGA?

Die Elektronische Gesundheitsakte ist ein Informationssystem, das den Patienten sowie ihren behandelnden Ärzten, Spitälern, Pflegeeinrichtungen und Apotheken einfachen Zugang zu Gesundheitsdaten bringt. Die dort entstandenen Daten bzw. Befunde werden vernetzt, es wird nichts zentral gespeichert. Schlüssel zu den Daten ist die E-Card.

Der Start von ELGA wird von einer Informationskampagne begleitet. Geplant sind Inserate, Advertorials, Banner in Onlinemedien und Hörfunkspots. In Wien und der Steiermark wird im Regionalrundfunk informiert. Zusätzlich gibt es Folder und Mitarbeiter-Information in den Spitälern.

Wann und wo startet ELGA?

Zunächst ab 9. Dezember in öffentlichen Spitälern in der Steiermark und in Wien. Dann folgen die Krankenhäuser in Niederösterreich und Kärnten sowie jene der Sozialversicherung (vor allem die sieben Unfallkrankenhäuser der AUVA). Zug um Zug werden 2016 alle öffentlichen Spitäler mit ELGA arbeiten.

Die Geschäftsführerin der ELGA GmbH, Susanne Herbek, ist von einem guten Start überzeugt. "Ich bin zuversichtlich, dass das ELGA-System laufen wird." Auch der zuständige stellvertretende Generaldirektor im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Volker Schörghofer, meint: "Wir werden den 9. Dezember hinkriegen." Er gibt aber zu: "Es wird kein Spaziergang", es handle sich um einen sehr komplexen Vorgang. Deshalb könnte es seiner Einschätzung nach am Anfang vielleicht auch noch "etwas holpern", was bei einem so großen Projekt aber nicht ungewöhnlich wäre.

Ab Mitte 2016 können auch Vertragsärzte, Gruppenpraxen, selbstständige Ambulatorien sowie Apotheken ELGA nutzen. Die E-Medikation wird zunächst in der steirischen Region Deutschlandsberg eingeführt und steht danach für die freiwillige Verwendung zur Verfügung. Verpflichtend werden ELGA und E-Medikation im niedergelassenen Bereich erst ab Mitte 2017. Später werden auch private Krankenhäuser sowie Zahnärzte ELGA verwenden.

Was ist die E-Medikation?

Die E-Medikation (sie ist ein Teil von ELGA) ist eine Datenbank, in der jene Medikamente gespeichert werden, die dem Patienten vom Arzt verordnet wurden. Vermerkt wird auch, ob der Patient das Medikament in der Apotheke abgeholt hat, Schlüssel ist hier ein QR-Code am Rezept. Zur Vermeidung von Wechselwirkungen können die Apotheken auch die rezeptfreien Arzneimittel speichern, die dem (mittels E-Card identifizierten) Patienten verkauft wurden.

Was wird gespeichert?

Anfangs werden ärztliche und pflegerische Entlassungsbriefe, Labor- und Radiologiebefunde aus den teilnehmenden Spitälern (später auch aus dem niedergelassenen Bereich) abrufbar sein. Es werden nur neue Befunde aufgenommen. Die Daten werden in einem speziellen, interaktiven Format zur Verfügung gestellt. Weitere Befundarten sollen folgen, in Zukunft auch Röntgenbilder und Ähnliches. Natürlich werde es aber auch weiterhin Ausdrucke geben, die Daten und Akten seien nicht ausschließlich elektronisch verfügbar, beruhigte Herbek bei einer Informationsveranstaltung im vergangenen Herbst.

© Video: NEWS.AT

Für Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger ist der Start in Wien und der Steiermark "die Nagelprobe, ob es funktioniert oder nicht". Ob die Ärzte das neue System voll annehmen werden, lässt er noch offen. Wenn das System funktioniert, es den Ablauf im Spital erleichtert und die Arbeitszeit nicht noch mehr beansprucht, werden es die Ärzte auch nutzen. Wenn aber die Benutzerfreundlichkeit nicht ausreichend und es für die Ärzte nicht praktikabel sei, dann kann sich Wechselberger auch vorstellen, dass sich die Ärzte "wehren". Das wisse er aber noch nicht.

Derzeit hat der Ärztekammer-Präsident noch die Sorge, dass ELGA den Ablauf im Spital hemmt und die Administration zunimmt. Weil es noch keine integrierte EDV-Lösung, sondern auch noch eine Speicherung von PDF-Dokumenten gebe, sei die Suchfunktion eingeschränkt. Das sei am Anfang noch kein großes Problem, mit der steigenden Anzahl von gespeicherten Dokumenten werde eine Reform aber dringend.

Was bringt das alles?

Patienten können ihre eigenen Befunde und ihre Medikamentenübersicht via Internet zeit- und ortsunabhängig abrufen, ausdrucken und speichern. Die Vernetzung der Daten soll zu einem besseren Informationsfluss zwischen den Gesundheitsdienstanbietern führen. Die Ärzte werden mit konkreten, patientenbezogenen Informationen in Diagnostik und Therapie unterstützt.

Erklärung von ELGA
© APA/Martin Hirsch

Als größten Vorteil von ELGA sieht Schörghofer ebenso wie sein Generaldirektor Josef Probst, dass die Österreicher künftig "Herr über ihre Gesundheitsdaten" werden - und das 24 Stunden am Tag. Pharmig-Präsident Robin Rumler erwartet daher auch, dass die Gesundheitskompetenz der Österreicher steigen wird. Für den steirischen Gesundheits-Landesrat Christopher Drexler eröffnet ELGA "neue Möglichkeiten in der Qualität im Gesundheitswesen. Neben der zielgerichteten Unterstützung der Ärzte stärkt ELGA vor allem die Rechte der Patienten, Diagnose- und Behandlungsverläufe werden transparenter." Und Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser verweist darauf, dass ELGA den Patientinnen und Patienten Mehrfachuntersuchungen erspart.

Wie kann ich selbst auf ELGA zugreifen?

Die eigenen Gesundheitsdaten sind über das ELGA-Gesundheitsportal (www.gesundheit.gv.at) abrufbar, zugegriffen wird über eine gesicherte Internetverbindung. Für den Einstieg ist die Handy-Signatur bzw. die Bürgerkarte notwendig. Hier kann auch die ELGA-Teilnahme widerrufen und wieder aufgenommen werden und Zugriffsrechte verwaltet werden.

Wer hat außer mir Zugriff?

ELGA-Daten eines Patienten sind ausschließlich jenem Arzt (oder sonstigen Gesundheitsdiensteanbieter) zugänglich, bei dem er oder sie aktuell in Behandlung oder Betreuung ist. Behörden, Versicherungen oder Betriebsärzte haben keinen Zugriff. Bei Missbrauch drohen Strafen.

Außerdem kann man über das ELGA-Portal Befunde elektronisch sperren, sodass ein anderer Arzt ihn nicht abrufen kann, sagt Herbek. Der Patient sehe den Befund dennoch. Will oder kann man den Befund elektronisch nicht sperren, können Patienten einem Arzt sagen: "Ich möchte nicht, dass Sie heute auf meine ELGA zugreifen." Dazu habe der Patient das Recht.

Ist ELGA sicher?

Die Betreiber sagen ja. Sie betonen, dass beim Abruf höchste Sicherheitsstandards angewendet werden. Auch eine Betrugserkennungssoftware wird eingesetzt. Jeder Zugriff wird mitprotokolliert und kann vom Patienten eingesehen werden. Auf der E-Card selbst werden keine Gesundheitsdaten gespeichert.

Vor der Inbetriebnahme von ELGA wurden sogenannte "Penetration-Tests" durchgeführt. Dabei wurde von speziellen Firmen bewusst versucht, das System zu knacken. Schörghofer versicherte, dass ELGA nur gestartet werde, wenn kein Sicherheitsproblem bestehe. "ELGA muss nach allen Regeln der Kunst sicher sein."

Die Organisation "ARGE Daten" argumentiert jedoch, dass gerade mit der dezentralen Speicherung das Risiko steigt. Zugriffsberechtigte wie beispielsweise die ELGA-Ombudsstellen könnten "zur besseren Übersichtlichkeit Daten herunterladen und speichern", befürchtet Hans Zeger, Obmann der "ARGE Daten". Damit seien Sicherheitsprobleme vorprogrammiert.

Kann ich mich von ELGA abmelden?

Ja. Möglich ist der Widerspruch ("Opt out") am ELGA-Portal, aber auch schriftlich bei der ELGA-Widerspruchsstelle. Bisher haben sich 225.000 Personen abgemeldet.

Was kostet ELGA?

Die Patienten müssen für ELGA nicht zusätzlich zahlen, kostenlos ist das System aber natürlich nicht. Rund 130 Millionen Euro haben Bund, Länder und Sozialversicherung seit 2010 und noch bis 2017 in das System gesteckt. Die laufenden Kosten pro Jahr werden ab 2018 rund 18 Millionen betragen, wird geschätzt. Gleichzeitig erwartet man sich ab 2017 eine Kostendämpfung von 129 Millionen pro Jahr (durch die Vermeidung von Mehrfachmedikation, Doppelbefunden etc.). Die Ärztekammer pocht auf eine Abgeltung der in den Ordinationen nötigen Investitionen, die sie vom früheren Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) erhalten habe. Details und die Höhe sind noch nicht geklärt, Verhandlungen dazu laufen noch.

Kommentare

Ein weiterer, allerdings gewaltiger Schritt, zur totalen Überwachung. Nur begreifen die Menschen nicht was hier punktmäßig, vor sich geht. Ein Teil des großen Planes, der Bargeldverbot, vollkommene E-Maildatenspeicherung, Verbot von Goldbesitz, Aufhebung der Niederlasssungsfreiheit beinhaltet.
Noch kann man sich abmelden. Das wird aber bald aufgehoben werden. Das steht im Gesamtplan.



ich hab mich schon lang abgemeldet... brauch so einen schmarrn nicht. und vor allem: die BIG PHARMA lauert schon auf solche daten ....

wassolldenndas melden

Man liest oben:
Die dort entstandenen Daten bzw. Befunde werden vernetzt, es wird nichts zentral gespeichert. Schlüssel zu den Daten ist die E-Card.

Bitte warum kann ich als Patient dann meine Daten ohne Lesegerät über das Internet abrufen, wenn nichts zentral gespeichert wird?

Kann mir jemand das erklären bitte?

Oberon
Oberon melden

Ich stell mir das vor wie beim online-banking. Da bekommt man einen Zugangscode, mit dem man auf sein Konto zugreifen kann. Bei ELGA ist es dann halt die Soz.Vers.Nr.

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