Elfriede Jelinek: Zahlreiche Aufführungen, Veranstaltungen und Kinotag zum 60er

"Das Werk" und "Ernst ist das Leben" im Burgtheater Umfassende Symposien in Wien und Mürzzuschlag

Am Wiener Burgtheater wird zwar an Elfriede Jelineks Geburtstag Tschechows "Der Kirschgarten" gespielt. Im Akademietheater steht jedoch als Geburtstagsvorstellung Jelineks Kaprun-Drama "Das Werk" in Nicolas Stemanns Inszenierung, auf dem Spielplan. Ab 29. Oktober wird dort auch Falk Richters Inszenierung von Oscar Wildes "Ernst ist das Leben (Bunbury)" in Elfriede Jelineks Übersetzung aus den Depots geholt. Die Uraufführung von Elfriede Jelineks neuestem Stück "Über Tiere" ist für April 2007 im Kasino in der Regie von Ruedi Häusermann geplant.

Am Geburtstag selbst gibt es auch Gelegenheit, ins Kino zu gehen und an Jelinek zu denken: Die Autorin hat die Einladung des Filmfestivals Viennale angenommen, anlässlich ihres Geburtstags eine kleine Spezial-Reihe von Filmen zusammenzustellen. "It's a gift" versammelt dabei nicht jene Streifen, zu denen sie das Drehbuch geschrieben (wie "Malina", "Die Ausgesperrten", "Was die Nacht spricht") oder bei denen sie die Romanvorlage verfasst hat ("Die Klavierspielerin"), sondern legt eine ganz spezielle Fährte zwischen Psycho- und Horrorthrillern (von Jacques Tourneurs "Cat People" über "Vertigo" und "Carnival of Souls" bis zu "Lost Highway"), dem ersten Fassbinder-Spielfilm "Liebe ist kälter als der Tod" und Ulrike Ottingers zweifachem Frauen-Psychogramm "Bildnis einer Trinkerin".

Symposien in Wien und Mürzzuschlag
Zu Elfriede Jelineks 60. Geburtstag veranstaltet das Elfriede Jelinek-Forschungszentrum vom 20. bis 26. Oktober ein Symposium. Unter dem Titel "Elfriede Jelinek: 'Ich will kein Theater' - Mediale Überschreitungen" werden, ausgehend von ihrer Theaterarbeit, Bezüge der Autorin zu den verschiedenen Kunstformen untersucht. Schon zuvor, nämlich von 13. bis 15. Oktober, gibt es im kunsthaus muerz in Mürzzuschlag das Symposium "Lob der Oberfläche. Zum Werk von Elfriede Jelinek".

Jelineks Gattungsüberschreitungen, ihr Umgang mit Medien wie Klang/Akustisches, Hörspiel, Film/Video, Musik, Oper, Tanztheater, bildende Kunst und Installation werden in Wien ebenso behandelt wie "intermediale Realisierungen ihrer Texte am Theater (z.B. durch Einar Schleef, Ulrike Ottinger, Christoph Schlingensief und Nicolas Stemann) und durch KünstlerInnen anderer Sparten wie Olga Neuwirth, VALIE EXPORT und Elke Krystufek", so die Organisatoren.

Auftakt bildet ein Eröffnungsabend am Geburtstag selbst, der im Cafe Stein unter dem Titel "Gina, Nina und Amina: girls, girls, girls" ein "assoziatives DJ-Set" bietet. An sechs thematischen Schwerpunkttagen soll in der Alten Schmiede, der Universität Wien, dem Votivkino und der Musik-Uni gezeigt werden, "dass Jelinek über ihre Romane und Dramen hinaus mit den unterschiedlichsten Gattungen und Medien arbeitet, sie miteinander vernetzt oder gegeneinander setzt und dadurch komplexe Texturen entwickelt." Bei dem interdisziplinären Symposium werden Wissenschafter und Praktiker gleichermaßen zu Wort kommen.

Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen
Das Programm umfasst Vorträge, Diskussionen, Werkstattgespräche, Film- und Videovorführungen, bei denen es auch bisher unbekannte Werke Jelineks zu entdecken gibt. Übersetzungsfragen und interkulturelle Überlegungen stehen etwa am Sonntag Vormittag im Mittelpunkt, wenn sich u.a. Amrit Mehta darüber Gedanken macht, wie Kulturmoralisten in Indien auf eine Hindi-Übersetzung von Jelineks "Lust" reagieren könnten.

Ein Gespräch von Regisseur Nicolas Stemann mit der Dramaturgin und künftigen Wiener Festwochen-Theaterchefin Stefanie Carp steht am Sonntag Nachmittag auf dem Programm. Mit Hörspielen befasst man sich am Montag, mit Drehbuch, Film und Video am Dienstag im Votiv-Kino, wo u.a. Hans Scheugls "Was die Nacht spricht" und Werner Schroeters "Malina" gezeigt werden, zu denen Jelinek die Drehbücher verfasste.

Der Choreograph Bernd R. Bienert referiert am Mittwoch über "Jelinek tanzt", der Musikwissenschafter Gerhard Gruber untersucht am Donnerstag "Intermediale Strukturen in Olga Neuwirths Jelinek-Vertonungen", und zum Abschluss kommen auch Peter Weibel und Elke Krystufek zu Wort.

Kontinuitäten und Brüche im Schreibprozess
In Mürzzuschlag (kunsthaus muerz) und in Neuberg/Mürz (Gasthaus Holzer) macht man sich nach einem Konzept von Juliane Vogel und Thomas Eder daran, anhand der Begriffe "Oberfläche" und "Topologie" einer "Relektüre" zu unterziehen.

"Die unterschiedlichen Genres ihrer Prosa, Dramatik und Essayistik können anhand dieser Konzepte auf Ähnlichkeiten und Unterschiede hin untersucht werden", heißt es seitens der Organisatoren, "Kontinuitäten und Brüche in diesem seit über vierzig Jahre währenden Schreibprozeß sollen in dem Symposium von ausgewiesenen Kennerinnen des Jelinek'schen Werks und der literatur- wie kunstwissenschaftlichen Theoriebildung herausgearbeitet werden."

Zu den Referenten zählen Christa Gürtler, Klaus Kastberger und Daniela Strigl, Lesungen (u.a. von Franz Josef Czernin und Elfriede Gerstl), ein Gastspiel des Burgtheaters mit "Jackie O.", kurze Performances (u.a. von Olga Neuwirth) und der Film "Elfriede & Elfriede" sollen das Symposium auch zu einem Fest für die Autorin und deren Werk werden lassen.

(apa/red)