Elfriede Jelinek ist 60: Österreichische Autorin von Welt und Nobelpreisträgerin

Vielfach ausgezeichnet, heftigen Angriffen ausgesetzt PLUS: Ihre Karriere und Veranstaltungen zum 60er

Elfriede Jelinek ist 60: Österreichische Autorin von Welt und Nobelpreisträgerin

Lange war Elfriede Jelineks Verhältnis zur Öffentlichkeit äußerst zwiespältig: Einerseits beklagte sie den Druck der Medien, anderseits gab sie doch immer wieder beredt Auskunft und darf als eine der meistzitierten und meistfotografierten Künstlerinnen des Landes gelten. Die persönliche Entgegennahme des Literaturnobelpreises verweigerte sie vor zwei Jahren mit dem Hinweis auf ihre zunehmende Unmöglichkeit, sich Menschenmengen auszusetzen und betitelte ihre Nobelpreisrede "Im Abseits". An ihrem 60. Geburtstag scheint sie nun Ernst zu machen mit ihrem Rückzug und möchte weder private noch politische Anlässe kommentieren. Dafür wird auf Symposien und Veranstaltungen viel über sie geredet. Und am 28. Oktober folgt mit "Ulrike Maria Stuart" in Hamburg auch die nächste Uraufführung.

Ihr von Pia Janke herausgegebenes Werkverzeichnis umfasst 660 Seiten, ein ähnlicher Materialienband zum Nobelpreis hat 390 Seiten, Biografien von Elfriede Jelinek sind auf Deutsch (von Verena Mayer und Roland Koberg im Rowohlt Verlag) und Französisch (von Yasmin Hoffmann in den Editions Jacqueline Chambon) erhältlich.

Die Liste ihrer Auszeichnungen ist lang und reicht von Büchner- und Lessing-Preis bis zum 2004 zuerkannten Nobelpreis. Über die weltweite Aufmerksamkeit, die dem Werk der Österreicherin gilt, kann trotz gelegentlicher heftiger Angriffe gegen sie ("Ich kriege die vernichtenden Kritiken und dann die großen Literaturpreise. Wie das sein kann, hat mir noch niemand erklären können.") ebenso kein Zweifel bestehen wie über ihre Emsigkeit.

"Es ist kein Wollen, sondern ein Müssen"
Ihr Werk umfasst alle literarische Gattungen, das Theater, dem sie in Hassliebe verbunden ist, wird mit ständig neuen Texten versorgt (auch das Burgtheater kündigt für April 2007 mit "Über Tiere" eine Jelinek-Uraufführung an), auf ihrer Homepage kommentiert sie das Geschehen, von der Diskussion über die Autobiografie von Günter Grass bis zur Entwicklung rund um Olga Neuwirths geplanter Oper "Der Fall des Hans W.", zu der sie das Libretto verfasst hat.

"Es ist kein Wollen, sondern ein Müssen", kommentierte sie in einem APA-Interview ihr Schreiben, "Ich bin eine Triebtäterin. Es gibt sicher planerische Autoren, die etwas recherchieren und dann schreiben. Bei mir ist es so, dass ich gar nicht so viel planen darf, damit die Sprache dann mich übernimmt, statt dass ich sie beherrsche. Das ist auch das Spannende am Schreiben."

Immer wieder Angriffe gegen Jelinek
Ihr Bestseller "Lust" (1989), die Uraufführungen ihrer Porno-Satire "Raststätte oder Sie machen's alle" durch Claus Peymann (1994) und von "Ein Sportstück" durch Einar Schleef (1998) sowie die Verfilmung ihres 1983 erschienenen Romans "Die Klavierspielerin" durch Michael Haneke fanden weit über die Grenzen des Literatur- und Theaterbetriebs Beachtung.

Zeitungen (wie die "Kronen Zeitung") und politische Gegner (die FPÖ plakatierte 1995 sogar den Slogan "Lieben Sie Scholten, Jelinek, Häupl, Peymann, Pasterk... oder Kunst und Kultur?") griffen Elfriede Jelinek immer wieder auch außerhalb des literarischen Kontexts an - "auch aus eigener Schuld, weil ich mich halt immer geäußert habe", so die Autorin 2004.

"Begonnen hat das eigentlich mit meinem 'Burgtheater'-Stück über den Wessely-Hörbiger-Clan (das 1985 in Bonn uraufgeführt, aber erst 2005 durch das Grazer Theater im Bahnhof zur österreichischen Erstaufführung gebracht wurde, Anm.). Durch 'Burgtheater' habe ich sozusagen meinen guten Namen verloren - obwohl sich später ja alles als biografisch richtig herausgestellt hat. Aber da konnte ich sagen, was ich wollte - ich war abgestempelt."

(apa/red)