Elefantenrunde "geschwänzt": Faymann erntet Spott von politischen Konkurrenten

Leeres Pult: SPÖ-Chef zog Wahlkampfauftritt vor Bekannte Themen im Mittelpunkt der TV-Diskussion

Elefantenrunde "geschwänzt": Faymann erntet Spott von politischen Konkurrenten © Bild: APA/Photonews.at/Schneider/ATV

Die bekannten Wahlkampfthemen haben die sogenannte "Elefantenrunde" mit fast allen Spitzenkandidaten der Parlamentsparteien auf ATV dominiert. Eine Portion Spott bekam dabei als einzig abwesender Spitzenkandidat Werner Faymann ab: Nicht nur der Privatsender zelebrierte sein Fernbleiben, auch einige Diskutanten hatten sich griffige Sager zum Fehlen des SPÖ-Obmanns zurechtgelegt.

Der leere Platz - bei ATV standen die Gesprächsteilnehmer an Pulten - gehört mittlerweile schon zum guten Ton (Faymann war auch der "Elefantenrunde" auf Puls 4 ferngeblieben). ATV gönnte sich zudem eine Liveschaltung nach Oberwart, wo Faymann wahlkämpfender Weise unterwegs war. "Leider hat Werner Faymann abgesagt." Dabei hätte ihm der Sender sogar einen Hubschrauber für die Anreise nach Linz - wo die Sendung über die Bühne ging - zur Verfügung gestellt, bedauerte ATV.

"Ich habe immer geglaubt, FF steht für 'Freiwillige Feuerwehr'", witzelte dazu ÖVP-Obmann Wilhelm Molterer. "Heute weiß ich: Es heißt 'Faymann fehlt'." Auch der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen suchte nach einem humorigen Entschuldigungsgrund: "Vielleicht ist er mit Leserbriefschreiben an die 'Kronen Zeitung' beschäftigt."

"Wir haben ja keine Feindschaft"
Weniger hämisch verlief großteils die Diskussion im Studio, was wohl auch der Dramaturgie geschuldet war: In Themenblöcken gegliedert, die durch Video-Fragen aus der Bevölkerung einmoderiert wurden, standen Statements im Vordergrund. Fast schon milde verhielt sich BZÖ-Spitzenkandidat Jörg Haider zu FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache: Gefragt, wie er "damit leben kann", von Strache "von A bis Z kopiert" zu werden, meinte Haider: "Wir haben ja keine Feindschaft." Es gehe vor allem darum, der "schrecklichen Koalition von Rot und Schwarz ein Ende zu setzen". Etwas schärfer Straches Replik: "Der Jörg Haider ist ja die männliche Kopie von Heide Schmidt - er hat ein zweites Liberales Forum gegründet."

Einen relativ scharfen Angriff ritt Van der Bellen gegen Strache: Der sei "praktisch jeden Tag unterwegs", um sich mit "rechtsextremen" Parteien in ganz Europa zu vereinen. "Dem etwas entgegenzusetzen halte ich für extrem wichtig." Über seine Zukunft nach der Wahl, sollte sich kein Regierungssitz ausgehen, wollte der Grünen-Chef keine konkrete Auskunft geben: Er gehe davon aus, "dass wir dazugewinnen werden". Kämpferisch auch Molterers Ansage auf die Frage, was er tun werde, falls die ÖVP bei der Wahl Zweite wird: "Ich kämpfe darum, dass ich Erster werde. Ich habe keinen Plan B."

BZÖ-Zustimmung zu Mwst-Halbierung offen
Ob das BZÖ in der Nationalratssitzung der Mwst.-Halbierung zustimmen wird, ließ Haider weiter offen: "Das werden wir in drei Tagen sehen." Grüne und ÖVP sind sich in der Ablehnung eines solchen Schrittes weiterhin einig. In Sachen Spritpreis trat Molterer dafür ein, die Mineralölkonzerne zu zwingen, sinkende Rohölpreise an die Konsumenten weiterzugeben.

Beim EU-Thema geißelte Strache die "Selbstgefälligkeit" einer Politik, die glaube, etwa einen EU-Beitritt der Türkei "über die Köpfe der Menschen hinweg durchpeitschen" zu können. Strache habe eine EU-politische "Firewall" überschritten, meinte dagegen Molterer. Haider sah ein "grundsätzliches Missverständnis der Regierungspolitik, dass der Versuch gemacht wird, die Bevölkerung von der Mitbestimmung auszuschließen". Van der Bellen sprach sich wenn, dann für eine EU-weite Volksabstimmung aus.

(apa/red)