Elch wird zum Kitz-Triumphator: Byggmark gewinnt auch zweiten Slalom vor Mario Matt

Schwede streift insgesamt 134.000 Euro Preisgeld ein Halbzeitführender Moelgg 3. - Raich 6. & Pranger 8.

Elch wird zum Kitz-Triumphator: Byggmark gewinnt auch zweiten Slalom vor Mario Matt

Jens Byggmark ist der Slalom-König von Kitzbühel! Der schwedische Youngster gewann 24 Stunden nach seinem Premieren-Triumph auch den zweiten Torlauf in der Gamsstadt. Es war ein Hundertstel-Krimi, in dem die Top-2 identisch mit jenen von Samstag waren. Denn der 21-jährige Byggmark setzte sich in 1:44,20 Minuten 0,03 Sekunden vor dem Tiroler Mario Matt durch, der drittplatzierte Halbzeit-Leader Manfred Mölgg (ITA) hatte nur 5/100 Rückstand.

Nach Schneetreiben und Nebel am Samstag gab es am Sonntag in "Kitz" blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Und einen extrem spannenden Slalom. Die Tiroler Benjamin Raich und Manfred Pranger belegten die Ränge sechs und acht, der Oberösterreicher Alexander Koll wurde 14. und erreichte damit das beste Weltcup-Ergebnis seiner Karriere.

Nach dem Doppel in Kitzbühel geht es am Dienstag mit dem Nachtslalom in Schladming weiter. Das "Nightrace" ist das letzte Rennen vor der WM in Aare, die am Freitag eröffnet wird und am Samstag mit dem Herren-Super-G so richtig losgeht.

Byggmark war als einer der schwedischen Slalom-Senkrechtstarter nach Kitz gereist und verließ Tirol als neuer Weltcup-Star. Und als reicher Mann, denn für die beiden ersten Plätze streifte er nicht weniger als 134.000 Euro und eine Rolex-Uhr ein. Zudem ist der Träger des "Roten Trikots" der erste Slalom-Doppelgewinner der Saison. Und für die Schweden, die Hausherren der WM, war es im sechsten Slalom-Rennen bereits der vierte Sieg.

"Es ist wirklich unglaublich. Eigentlich war ich nach dem Sieg müde. Ich kann mir nicht erklären, wieso es so gut läuft", meinte Byggmark, der in der vergangenen Saison Europacup-Dritter gewesen war.

Matt-Ärger hält sich in Grenzen
Matt hatte sich dem Schweden am Samstag um gleich 0,87 Sekunden geschlagen geben müssen, am Sonntag waren es nur noch drei Hundertstel. Doch der "Ärger" hielt sich in Grenzen. "Ich hab' im Flachen ein bisschen Zeit liegen gelassen, bin aber sehr zufrieden. Byggmark hat derzeit eine tolle Lockerheit und fährt voll auf Angriff. Und heute hatte er auch noch das Hundertstelglück auf seiner Seite."

Mölgg fuhr zum zweiten Mal in seiner Weltcup-Karriere aufs Stockerl und war überglücklich: "Ich bin locker gefahren, fast wie im Training. Jetzt freue ich mich auf Schladming." In der Steiermark hatte Mölgg 2004 Rang zwei belegt.

Zweitbester Österreicher war Benni Raich als Sechster, der Pitztaler weist im Gesamt-Weltcup nur noch 155 Punkte Rückstand auf Leader Aksel Lund Svindal (NOR/am Sonntag 16.) auf. "Das war keine schlechte Leistung. Viel mehr war nicht drinnen", betonte Raich vor der Reise nach Schladming, wo er bereits drei Mal gewonnen hat.

Pranger durfte sich nach drei Ausfällen in Folge als Achter freuen, vor allem der starke erste Durchgang als Zweitschnellster war für den Tiroler eine Riesenerleichterung. "Ich war nach dem Out am Samstag gewaltig deprimiert. Normalerweise juble ich nach dem ersten Durchgang nicht, aber die Erleichterung war fast so groß wie bei einem Sieg."

Reinfried Herbst ließ an seinem Comeback-Wochenende nach Platz 21 am Samstag 24 Stunden später Rang 18 folgen. Nach einer "von oben bis unten kontrollierten Fahrt auf Platzierung" im ersten Durchgang (19.) wollte der Salzburger im Finale mehr riskieren, ließ sich jedoch von einer tückischen Welle im Schlusshang überrumpeln. "Das ärgert mich, weil das ein Besichtigungsfehler war. Ich habe nicht geglaubt, dass es so eng wird."

Bode Miller schied - wie fast immer im Slalom - aus. Diesmal erwischte es den US-Amerikaner allerdings nach Platz 17 im ersten Lauf erst wenige Tore vor Ende des zweiten Durchgangs.

Byggmark bekommt Kitzbühel-Gondel
Nach seinem Sieg im samstägigen Wengen-Ersatzrennen hat Jens Byggmark am Sonntag auch den "echten" Hahnenkamm-Slalom in Kitzbühel für sich entschieden. Damit ist der Schwede ab sofort so wie seine großen Vorbilder Ingemar Stenmark und Alberto Tomba stolzer Besitzer einer eigenen Kitzbühel-Gondel mit Namenszug.

"Ein cooles Gefühl. Heute früh habe ich noch die Ingemar-Stenmark-Gondel bewundert", freute sich der 21-Jährige nach seinem Doppelpack. Landsmann Stenmark hat den Kitz-Slalom öfter als jeder andere gewonnen, nämlich fünf Mal.

"Ich bin fast schockiert über den heutigen Sieg, weil ich nicht im Entferntesten damit gerechnet habe", meinte Byggmark, der offensichtlich eine schwere Nacht hinter sich hatte, jedoch am Sonntag völlig relaxed und ohne Nervosität an den Start ging. "Ich habe sehr wenig geschlafen und war deshalb sehr müde."

Die schlaflose Nacht resultierte weniger aus den Feierlichkeiten seines Premierensieges, sondern u.a. auch aus zahlreichen Gratulationsanrufen auf der Heimat. "Es haben sehr viele betrunkene Leute aus Schweden angerufen. Die Leute in Tärnaby haben anscheinend brav gefeiert", erzählte der Youngster aus dem Heimatort von Stenmark und Anja Pärson. Das Kitzbühel-Wochenende werde sein Leben zweifelsohne ein wenig verändern. Auch finanziell. "Vielleicht werde ich mir jetzt ein cooles Auto kaufen", meinte Byggmark, der Kitz mit 134.000 Euro Preisgeld im Gepäck verließ.

Ergebnis: Slalom
1. Jens Byggmark SWE 1:44,20 Min.
2. Mario Matt AUT 1:44,23 +0,03
3. Manfred Mölgg ITA 1:44,25 +0,05
4. Marc Berthod SUI 1:44,64 +0,44
5. Felix Neureuther GER 1:44,69 +0,49
6. Benjamin Raich AUT 1:44,71 +0,51
7. Ted Ligety USA 1:44,78 +0,58
8. Manfred Pranger AUT 1:44,86 +0,66
9. Kalle Palander FIN 1:44,90 +0,70
10. Marc Gini SUI 1:44,99 +0,79
11. Markus Larsson SWE 1:45,09 +0,89
12. Martin Hansson SWE 1:45,14 +0,94
13. Silvan Zurbriggen SUI 1:45,18 +0,98
14. Alexander Koll AUT 1:45,46 +1,26
15. Jean-Baptiste Grange FRA 1:45,48 +1,28
16. Aksel Lund Svindal NOR 1:45,52 +1,32
17. Julien Lizeroux FRA 1:45,66 +1,46
18. Reinfried Herbst AUT 1:45,91 +1,71
19. Kurt Engl AUT 1:45,95 +1,75
20. Pierrick Bourgeat FRA 1:46,41 +2,21
21. Alexandre Anselmet FRA 1:46,68 +2,48
22. Johan Brolenius SWE 1:49,60 +5,40
23. Cristian Deville ITA 1:51,54 +7,34

(apa/red)