ElBaradei findet keinen Nachfolger:
Keine Mehrheit für den neuen IAEO-Chef

Japaner kann Gegner aus Südafrika nicht abhängen Für weiteren Anlauf sind neue Kandidaten möglich

ElBaradei findet keinen Nachfolger:
Keine Mehrheit für den neuen IAEO-Chef © Bild: Reuters/Lenoir

Die Wahl eines Nachfolgers von IAEO-Generaldirektor Mohamed ElBaradei ist im ersten Anlauf entlang der Linien westlicher und blockfreier Staaten im Direktorium der Internationalen Atomenergieorganisation gescheitert. ElBaradei, der im November nach zwölfjähriger Amtszeit ausscheidet, sagte dazu in Wien: "Ich hoffe einfach, dass die Behörde einen Kandidaten hat, der für alle - Norden, Süden, Osten, Westen - akzeptabel ist."

Denn darauf komme es jetzt an, fügte der Friedensnobelpreisträger hinzu. Enttäuscht äußerte sich der südafrikanische Bewerber Abdul Samad Minty, der wie der japanische Diplomat Yukiya Amano in den ersten Abstimmungen nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit bekam. Die Entwicklungsländer hätten gehofft, dass der Westen die Wahl als Gelegenheit nutze, Differenzen zu überbrücken, indem er seine Kandidatur unterstützt. "Leider sieht es so aus, als ob es nur bei guten Absichten geblieben sei", sagte er.

In der 52-jährigen Geschichte der IAEO ist nur einer der bisher vier Generaldirektoren bei der ersten Sondersitzung gewählt worden. Die algerische Vorsitzende des Gremiums, Taous Feroukhi, teilte nach den Abstimmungen mit, bis zur nächsten Sitzung in vier Wochen könnten neue Kandidaten benannt werden. "Die Vorschlagsliste der in Frage kommenden Kandidaten ist wieder offen", sagte sie. Auch Amano und Minty können sich wieder bewerben. Aus diplomatischen Kreisen verlautete, Amano habe sich bereits dazu entschlossen. Südafrika hielt sich diese Option für Minty noch offen.

USA favorisieren Amano
Amano gilt als zurückhaltender Diplomat, während Minty - ähnlich wie ElBaradei - auch zu offenen politischen Worten bereit ist. Die USA haben in Wien durchsickern lassen, dass sie Amano favorisieren, weil sie einen Generaldirektor wünschen, der die IAEO aus politischen Richtungskämpfen heraus hält. Aus diplomatischen Kreisen verlautete, Kanada und die EU seien dieser Ansicht gefolgt und hätten für Amano gestimmt, "weil sie befürchteten, Minty würde ein zweiter ElBaradei". Minty hat die Unterstützung der blockfreien Nationen, von denen einige ein Recht des Iran zur Urananreicherung trotz eines vom UNO-Sicherheitsrat ausgesprochenen Verbots verteidigt haben.

Als mögliche Kompromisskandidaten wurden der mexikanische Ex-Präsident Ernesto Zedillo, aber auch der Leiter der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (UPCW), der Argentinier Rogelio Pfirter, und der chilenische IAEO-Botschafter Milenko Skoknic genannt.

Entscheidung bis September
Diplomaten versuchten die schwierige Suche nach einem Nachfolger für ElBaradei mit einem Hinweis auf dessen eigene Wahl zu relativieren. Der ägyptische Diplomat wurde im Jahr 1997 erst im Juni gewählt. Sein Vorgänger Hans Blix schaffte es im Jahr 1981 überhaupt erst im September an die Spitze der IAEO. Der September ist auch heuer die letzte Frist für die Wahl des IAEO-Generaldirektors. Dann tritt nämlich die IAEO-Vollversammlung zusammen, um die Wahl des Gouverneursrates zu bestätigen.

ElBaradei scheidet im November nach einer zwölfjährigen Amtszeit als IAEO-Generaldirektor aus dem Amt. 2005 wurden die IAEO und ElBaradei für ihren Einsatz gegen den Missbrauch der Atomenergie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die USA versuchten 2005 seine Wiederwahl zu verhindern, weil er die Begründung des damaligen US-Präsidenten George W. Bush für den Irak-Krieg kritisiert hatte. Bush hatte dem Irak vorgeworfen, Massenvernichtungswaffen zu besitzen.
(apa/red)