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Neustart: Das weiße T-shirt

Ela Angerer © Bild: News

Das Bild unten zeigt Gigi Hadid. Das Topmodel ist auf dem Weg zu einem Termin. Dazu könnte sie alles tragen, ein Leder- Tank-Top von Chanel etwa oder ein buntes Seidenkleid von Gucci. Weil Hadid ständig fotografiert wird, dazu millionenfach im Netz geklickt, schmeißen ihr die Designer solche Entwürfe nach.

Aber das Model mit den verschlafenen Katzenaugen hat sich anders entschieden. Es trägt ein weißes T-Shirt. So ein farbfreies, unbedrucktes Oberteil sichteten Trendbeobachter bereits mehrfach. Inzwischen ist klar: Das weiße T-Shirt, natürlich in feinster, teuerster Baumwolle, feiert sein großes Comeback.

Marlon Brando bestritt einst damit einen ganzen Film, Brigitte Bardot verdrehte darin allen den Kopf. Heute genügt ein Blick auf irgendeinen x-beliebigen Markt, um zu wissen: Das alte Sprüche-T-Shirt ist tot. „C43AB5“, „Be cool Baby“, „California 1922“, „Männer mögen Weißbier“ oder „Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad“– inzwischen scheinen die Produzenten ihre Aufdrucke per Zufallsgenerator auszusuchen.

Das weiße T-Shirt

All die sinnlosen Beschriftungen sind Lichtjahre entfernt von den geheimen Codes früherer Rebellen und Jugendbewegungen. Was liegt näher, als auf den ganzen Blödsinn zu verzichten und einen blütenreinen Neuanfang zu wagen? Die ganze Welt mag hässlich werden wie ein Messerattentat im Schulbus. Das weiße T-Shirt aber bleibt ein einziges Versprechen, aufregend wie der erste Kuss, die ersten Erdbeeren im Sommer oder ein neuer Bundeskanzler.

Die neutrale Hülle ist die Nullebene der Mode, heruntergefahren und zu allem bereit. Man lässt die gemusterte Bluse zu Hause und macht endlich wieder Tabula rasa. Und dabei fühlt man sich frisch und unschuldig, als wäre man ein Marienbild aus dem
achten Jahrhundert.

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