Eisberg voraus: Markus R. Leeb
vermisst eine Richtungsänderung

Trotz Rezession reift keine neue Bescheidenheit Kommentar: Was ist Ihre MEINUNG zu dem Thema?

Es waren lauter Einzelereignisse. Eine ganz bestimmte Mischung an Meldungen aus dem News-Ticker hat mich gleich zu Wochenbeginn beunruhigt. Ich will es für Sie nachvollziehbar machen: L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt, 87 und mit einem Vermögen von gut 16 Milliarden Euro Europas reichste Dame, hat angeblich einem Bekannten fast eine Milliarde Euro geschenkt, was ihrer erbwilligen Tochter missfällt. In Brüssel können sich die EU-Abgeordneten nicht gegen die Finanzlobbyisten wehren, und deshalb werden keine strengen Regeln beschlossen. Österreich bleibt das viertreichste Land der EU, aber eine Wirtschaftsprognose für das zweite Halbjahr 2010 ist kaum darstellbar.

Und kein Mensch kann abschätzen, welche Katastrophe BP im Golf von Mexiko in 1.500 Meter Tiefe heraufbeschwört, wo möglicherweise täglich 16 Millionen Liter Öl das Meer verseuchen. Können Sie nachvollziehen, woher mein Unbehagen kommt? Ich meine einen Eisberg mitten auf unserem Kurs ausmachen zu können. Aber auf der Kommandobrücke wird der Kurs bei voller Fahrt beibehalten. Finanzkrise, aber keine strengen Regeln. Rezession, aber keine Bescheidenheit. Ich frage mich, wen wir da ans Steuer gelassen haben und ob wir nicht langsam die Rettungsboote zählen sollten.

Markus R. Leeb

leeb.markus@news.at

Kommentare

GAF = Größte anzunehmende Folgekosten Beim Atomkraftwerk kennt jeder den GAU, den größten anzunehmenden Unfall. Aber keiner scheint sich über die GAF = Größte anzunehmende Folgekosten unserer Wirtschaft Gedanken zu machen.

Diese könnten höchst dramatisch sein, deutlich größer als BIP. für die Menschheit im derzeitigen Zustand nicht zu bewältigen.

Wir sind gerade im Übergangsstadium zwischen 2 Zivilisationsebenen, nur in so einem Übergang kann es hohes Wirtschaftswachstum geben.

Wegen der gigantischen Höhe von GAF muß es sogar bis 2050 rund 4% Wirtschaftswachstum geben, getrieben durch einen Umbau des Steuersystems hin zur Ressourcenbesteuerung.
http://politik.pege.org/2010-wirtschaftswachstum/

Richtungsänderung Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient weil gewählt hat. Und dass Politiker gegenüber der Wirtschaft oder Finanzbossen nichts zu melden haben, hat uns seinerzeit Vranitzki bei Semperit schön vor Augen geführt. Das wirkliche Problem dabei ist, dass der einfache Steuerzahler, Arbeitnehmer und Wähler stets in die Opferrolle fällt und darauf vertraut, dass \'die da oben\' es schon richten werden (mag sein für sich selbst, siehe Haider, Meischberger und Co). Vermutlich geht es uns aber immer noch viel zu gut, sonst hätte man schon aus einem \'Selbsterhaltungstrieb\' heraus eine Richtungsänderung anstossen müssen in politischen, wirtschaftlichen, finanztechnischen oder Umwelt relevanten Fragen. Oder es glauben ohnehin alle ans kommende Ende der Welt laut Mayakalender.

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