Einstimmiger Schuldspruch: Lebenslange Haft für den "Wiener Witwenmörder"

Urteil nicht rechtskräftig - Berufung angekündigt

Mit der Höchststrafe ist im Straflandesgericht der Prozess um den gewaltsamen Tod der Witwe Elisabeth K. zu Ende gegangen: Der 29-jährige Rumäne, der die Pensionistin in der Nacht zum 26. Jänner 2002 in ihrer Hietzinger Wohnung getötet haben soll, wurde einstimmig wegen Mordes schuldig erkannt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte hatte bis zuletzt die Täterschaft bestritten und behauptet, die Frau habe noch gelebt, als er sie verließ. Er wurde allerdings von mehreren Gutachtern schwer belastet: Demnach hatte der Mann nicht nur seine Fingerabdrücke und DNA-Spuren am Tatort zurückgelassen, die Sachverständigen konnten darüber hinaus seine Fingerabdrücke in Blutspuren des Opfers nachweisen. Daraus zogen die Sachverständigen den Schluss, der Verdächtige müsse "ins frische Blut gegriffen haben".

"Sie war eine so genannte lustige Witwe", beschrieb eine Nachbarin die 66-jährige Frau. In dem Haus, in dem sie seit Jahrzehnten lebte, war ihre Vorliebe für junge Männer ein "offenes Geheimnis". "Sie hat Jüngere einfach bevorzugt, meistens Ausländer", berichtete die Nachbarin. Teilweise soll Elisabeth K. diese auch bezahlt haben, um in Gesellschaft zu sein.

Der DJ jener Disco, in der sie sich zuletzt mit dem damals 25 Jahre alten Rumänen vergnügt hatte, sprach in seiner zeugenschaftlichen Einvernahme von einer "eigenartigen Frau": An den Wochenenden sei "Frau Elisabeth" meistens gegen Mitternacht mit einem größeren Plastiksack erschienen, habe sich auf dem WC umgezogen und dann mit einer Perücke und einem auffallenden Kleid ausgelassen getanzt: "Für ihr Alter war das eigen. Normal denkt man sich, in dem Alter ist man ruhig. Sie war sehr lebenslustig. Sie ist beim Tanzen richtig ausgeflippt."

Dieses Verhalten dürfte nicht unwesentlich mit ihrer Krankheit zu tun gehabt haben: Die Witwe war manisch-depressiv. Bei manischen Schüben soll sie auch mit vollen Händen ihr Geld ausgegeben haben. In ihren Stammdiscos und -bars lud sie dann großzügig Gäste ein, sprach fremde Männer an. So lernte sie auch den Rumänen kennen, den sie schließlich mit nach Hause nahm. Die beiden wurden dort auch intim. "Plötzlich empfand er sie als aufdringlich. Als sie ihn auch noch dazu bewegen wollte, bei ihr zu bleiben, hat er sich kurzerhand entschlossen, sich ihrer zu entledigen", berichtete Staatsanwältin Gabriele Mucha.

Mit einem Hocker habe der Mann zunächst auf sein Opfer eingeschlagen, wobei das Blut bis an den Deckenleuchter gespritzt sei. Anschließend habe er sie mit ihrer eigenen Pyjamahose erdrosselt, danach die Wohnung durchsucht und aus einem Geldkuvert 440 Euro entnommen, sagte die Anklägerin.

Er wurde zu Jahresbeginn auf Basis eines europäischen Haftbefehls festgenommen, als er Deutschland, wo er sich illegal aufhielt, Richtung Polen verlassen wollte. Als die deutschen Behörden ihn erkennungsdienstlich behandelten und routinemäßig prüften, ob gegen den Mann im Ausland etwas vorliegt, landeten sie einen Volltreffer. Er wurde rasch an Österreich ausgeliefert.

Der 29-Jährige dürfte grundsätzlich weniger Interesse an jüngeren Frauen haben: In Deutschland hatte er zuletzt in einer Beziehung mit einer 54-Jährigen gelebt. Die beiden waren verlobt, die Trauung am Standesamt bereits terminisiert. Seine Verhaftung beendete die "Träume in Weiß".

(apa/red)