Einspruch von

Neos: An der
Weggabelung

Renate Kromp © Bild: Ian Ehm/News

Die Neos können das Schicksal jener neuen Parteien erleiden, die nach dem Abgang ihrer starken Gründungspersönlichkeit in der Bedeutungslosigkeit versinken

Hat einer, der soeben seinen Rücktritt erklärt hat, noch die Autorität, seine Nachfolge nachhaltig zu regeln? Matthias Strolz hat nach seinem überraschenden Abgang in Raten jedenfalls das Seine dazu getan, dass die Neos schon demnächst mit einer neuen Chefin weitermachen können. Beate Meinl-Reisinger, von Beginn an das zweite mediale Aushängeschild der Pinken und kantige Oppositionspolitikerin in Wien, soll ins Parlament zurückwechseln. Vor dem Sommer soll sie die Partei, nach der Sommerpause den Nationalratsklub übernehmen. So weit das Drehbuch, das Strolz geschrieben hat.

Auch wenn der Weg vorgegeben ist, falsch abbiegen kann man immer. Die Neos können das Schicksal jener neuen Parteien erleiden, die nach dem Abgang ihrer starken Gründungspersönlichkeit in der Bedeutungslosigkeit versinken -erinnert sich noch jemand an das Liberale Forum nach Heide Schmidt? Sie können aber auch ein bestimmender Faktor in der österreichischen Politik bleiben. Wie die Zukunft wird, hängt auch davon ab, wie entschlossen sich jene Neos-Mandatare hinter Meinl-Reisinger versammeln, die auch das Zeug für die Parteispitze hätten -oder das von sich glauben.

Es wäre ja absurd, wenn sich nicht jemand anderer auch um die Parteiführung bewirbt, hatte Meinl-Reisinger nach den Beratungen des erweiterten Neos-Vorstands am Mittwoch gemeint. Damit hat sie zur Gegenkandidatur bei der Mitgliederversammlung förmlich eingeladen. Kandidatur -Gegenkandidatur: Das ist das Wesen demokratischer Prozesse. Wer unterliegt, muss die Siegerin/den Sieger akzeptieren, loyal an einem Strang ziehen - oder den Job wechseln.

Die nächsten Jahre werden für die Neos und Beate Meinl-Reisinger so oder so herausfordernd genug. Sie muss mit den Neos ihren eigenen Weg finden. Matthias Strolz war als Redner und Oppositionspolitiker ein Talent mit eigenem Stil, sie muss mit gleicher Kraft, aber mit anderen Tönen punkten. Auf eine geeinte Schlagkraft der Opposition kann sie sich dabei nicht verlassen. In der SPÖ ringt Christian Kern auch um Wahrnehmung. Die Liste Pilz wird, wenn ihr Namensgeber auf die politische Bühne zurückkehrt, viel Aufmerksamkeit von den Neos abziehen. Peter Pilz ist ein Oppositionsprofi und ein Showman, der keine Doppelconférence anstrebt, sondern das Rampenlicht auch ganz gut alleine aushält.

Die Regierung macht zwar Fehler, ist aber zurzeit jedenfalls gut darin, solche in trauter Eintracht auszusitzen. Auf baldige Neuwahlen kann die Opposition daher eher nicht hoffen.

Vier Jahre bis zu nächsten Wahl: Die können verdammt lang werden. Zeit genug, um vergessen zu werden.

Aber auch Zeit genug, um Profil zu gewinnen.

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