Einseitiges Wiener Derby: Moralinjektion
für Sieger Austria - Ratlosigkeit bei Rapid

Hütteldorfer nach 0:3 endgültig aus Titelrennen Austria-Coach Schinkels: "Mannschaft eine Einheit"

Für die Einen war es eine gewaltige Moralinjektion im Titelkampf, für die Anderen das Ende der letzten Meisterhoffnungen - der 3:0-Sieg der Austria im 276. Wiener Derby gegen Rapid sorgte für strahlende Gesichter im violetten Lager und Ratlosigkeit bei den Hütteldorfern, die als Tabellenvierte bereits zehn Punkte Rückstand auf den Erzrivalen aufweisen und noch dazu ein Spiel mehr ausgetragen haben.

Austria-Trainer Frenkie Schinkels jubelte angesichts des ersten Derby-Sieges in dieser Saison und des nach Verlustpunkten gerechnet auf sechs Zähler angewachsenen Guthabens auf den nunmehr einzigen Titelrivalen Salzburg. "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie eine Einheit ist und dass noch viel in ihr steckt. Wir waren die klar Besseren, haben nicht überragend, aber gut gespielt und waren im Gegensatz zum Sturm-Spiel auch tüchtig, schossen die nötigen Tore," stellte der gebürtige Niederländer zufrieden fest."

Der frühere ÖFB-Teamspieler verteidigte seine Maßnahme, Doppeltorschütze Roland Linz in den ersten Frühjahrspartien nicht von Beginn an aufgestellt zu haben. "In der Vorbereitung hat er phasenweise den Eindruck gemacht, als käme er nach Maradona und Ronaldinho. Da hat er oft einen Schritt weniger gemacht." Mittlerweile habe "der beste österreichische Stürmer" aber wieder zu seiner alten Stärke gefunden, meinte Schinkels, dessen Team bereits seit 831 Minuten ohne Gegentor ist und im Frühjahr sieben von neun möglichen Punkten geholt hat.

Linz und Sebo Matchwinner
Neben Linz bestach bei der Austria vor allem Filip Sebo, der nach Anlaufschwierigkeiten in Wien-Favoriten immer mehr auf Touren kommt. "Wenn er Raum hat, ist er schwer zu halten. Ich glaube, er rennt die 100 Meter in sechs Sekunden", lobte Schinkels den Slowaken, der im Sommer geholt und zunächst nicht über Kurzeinsätze hinaus gekommen war. "Auch Elber hat in Stuttgart ein dreiviertel Jahr gebraucht. Wir haben damit gerechnet, dass es bei ihm ein halbes Jahr dauert", sagte der Coach.

So lange kann Rapid-Trainer Georg Zellhofer nicht auf eine Trendumkehr warten. Seine Mannschaft offenbarte wie schon in den ersten Spielen des Jahres Ideenlosigkeit in der Offensive und Schwächen in der Defensive. "Ich bin sehr enttäuscht. Wir haben phasenweise unglaubliche Abspielfehler gemacht, das zeigt eine gewisse Verunsicherung", ärgerte sich der Oberösterreicher.

Die schlechten Leistungen seien nicht mit dem personellen Aderlass erklärbar. "Ich lasse die Abgänge von Hofmann und Ivanschitz nicht als Ausrede gelten", sagte Zellhofer, für den eine erfolgreiche Titelverteidigung schon vor dem Derby in weiter Ferne lag. "Ich bin Realist und weiß, was machbar ist."

Payer über Art der Niederlage enttäuscht
Rapid-Kapitän Helge Payer fand ebenfalls deutliche Worte. "Man kann verlieren, aber die Art und Weise wie, ist ein bisschen komisch. Wir sind geistig immer einen Schritt zu spät und nicht frisch genug", bemängelte der ÖFB-Teamkeeper.

Payer und Co. müssen sich nun voll auf den Kampf um Platz drei mit dem GAK konzentrieren, der einen Zähler Vorsprung und zwei Spiele weniger ausgetragen hat. Dass Rapid in dieser Verfassung am kommenden Wochenende Boden auf die Grazer gut machen kann, scheint äußert fraglich, steht doch das Gastspiel gegen die heimstarken Rieder auf dem Programm. Davor kommt es am Mittwoch im Cup-Achtelfinale auswärts gegen Austria Lustenau ebenso zu einem Duell mit einer Mannschaft, die vor eigenem Publikum nur schwer zu biegen ist.

Auf Unterstützung von Axel Lawaree darf Zellhofer dabei nicht hoffen. Der belgische Stürmer leidet noch immer unter den Nachwirkungen des Didulica-Fouls im vergangenen Mai, unterzog sich deshalb am Sonntag im Wiener Hanusch-Krankenhaus einer Nasenoperation und ließ sich im Zuge des rund zweistündigen Eingriffs auch die Mandeln entfernen. Erst im April wird der Torschützenkönig von 2003 seinem Klub wieder zur Verfügung stehen.

(apa/red)